Im Kino: A Quiet Place

Sie sind schnell, schwer gepanzert und absolut tödlich: Als eine außerirdische Spezies die Menschheit angreift, kann diese den Eindringlingen nicht viel entgegensetzen. Zwar können die Aggressoren nicht sehen, ihr Gehörsinn ist dafür umso stärker ausgeprägt. Die wenigen überlebenden Menschen haben ihr Verhalten an diese Situation angepasst und versuchen, möglichst wenig Geräusche zu machen. Lee (John Krasinski), seine Frau Evelyn (Emily Blunt) und die beiden Kinder Regan (Millicent Simmonds) und Marcus (Noah Jupe) gehören zu den Wenigen, die auf diese Weise eine Art Alltag wiedergefunden haben. Doch die Bedrohung hält an: Ein falscher Schritt, ein lautes Geräusch und es könnte ihr Ende bedeuten.

A Quite Place curt München Kino

Jetzt bloß keinen Krach machen, lautet die Devise in vielen Horrorfilmen oder auch Thrillern irgendwann. Der Antagonist, egal ob nun irdischer, fantastischer oder menschlicher Natur, ist den Helden ganz nah. Wer sich jetzt verrät, der kann eigentlich gleich sein Testament machen. „A Quiet Place“ nimmt nun diese Situation und überträgt sie auf die komplette Geschichte. Hört sich nicht nach viel an, ist es im Ergebnis jedoch. Gerade weil hier eine alles verschlingende Ruhe herrscht, kommen weder Protagonisten noch das Publikum zur Ruhe.

Die Figuren in „A Quiet Place“ haben sich tatsächlich auf die Situation eingestellt und ganz eigene Mechanismen erdacht, um der Gefahr zu entgehen. Dass von Anfang an sämtliche Menschen nur noch barfuß herumlaufen, ist nur eine der vielen Sonderbarkeiten im Leben der Überlebenden. Auch daheim war Tüftler Lee äußerst einfallsreich, wenn es darum ging, unnötige Geräusche zu vermeiden. Schade ist dabei nur, dass diese Kreativität nicht bis zum Schluss beibehalten wird. Zum einen wird der Horror immer konventioneller. Zudem ist so manches da nicht mehr plausibel.

Ebenfalls etwas zwiespältig ist die Entscheidung, „A Quiet Place“ mehr emotionale Tiefe verleihen zu wollen. Als hätten sich die Macher nicht getraut, sich komplett auf das eigentliche Szenario zu verlassen, verbinden sie den Horror mit einem ausgewachsenen Familiendrama. Der Mittelteil des Films handelt fast gar nicht mehr von der Bedrohung, sondern von Konflikten innerhalb des Quartetts. Auch das ist nicht ungewöhnlich in dem Bereich. Viele postapokalyptische Filme handeln davon, wie Menschen in einer solchen Lage mit sich und miteinander klarkommen. Aber es ist doch manchmal etwas umständlich hier und insgesamt auch zu lange.

A Quite Place curt München Kino

Aber das sind nur kleinere Kritikpunkte an einem sehr interessanten Horrorfilm. Weniger erfahrene Zuschauer sollten schon einmal ihre Nerven ein wenig stärken, wenn die albtraumhaften und auch visuell interessanten Monster ihre Runden drehen. Aber selbst alte Genrehasen dürfen sich freuen, hier einen der originellsten und spannendsten Vertreter der letzten Zeit auf der Leinwand sehen zu dürfen. „A Quiet Place“ schafft den seltenen Spagat aus Kompetenz und Kreativität, enthält einige herrlich fiese Momente und belohnt das Auge mit wunderbaren Aufnahme einer trügerisch friedlichen Endzeitidylle. Und das alles, ohne viele Worte zu verlieren.

Fazit: Ein Horror-Stummfilm im Jahr 2018? Was soll das denn? Wenn in „A Quiet Place“ jedes Geräusch tödlich sein kann, nimmt der Film eine im Grunde altbekannte Szene und dehnt sie auf anderthalb Stunden aus. Das wird mit einem etwas langwierigen Familiendramateil gestreckt, ist insgesamt aber einer der originellsten und auch spannendsten Genrevertreter, die zuletzt auf der großen Leinwand gezeigt wurden.

Wertung: 7 von 10


Regie: John Krasinski; Darsteller: John Krasinski, Emily Blunt, Millicent Simmonds, Noah Jupe; Kinostart: 12. April 2018