Im Kino: 7500

Nichts ließ darauf schließen, dass der Flug von Berlin nach Paris in irgendeiner Form ungewöhnlich werden könnte. Der Start ist etwas verspätet, ansonsten aber klappt alles nach Plan. Doch dann bringt eine Gruppe von Terroristen das Flugzeug in seine Gewalt. Pilot Michael Lutzmann (Carlo Kitzlinger) und Co-Pilot Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt) gelingt es zwar, den Angreifer aus dem Cockpit zu entfernen. Doch dafür haben die Entführer die Passagiere und den Rest der Crew in ihrer Gewalt. Während die Terroristen unentwegt gegen die Tür hämmern und das Leben der anderen bedrohen, liegt es nun an dem jungen Co-Piloten, die Maschine irgendwie sicher zu einem Flughafen zu bringen …

Als 2001 islamistische Terroristen vier Flugzeuge in ihre Gewalt brachten und wichtige Symbole der USA angriffen, war dies für den Westen aus mehreren Gründen ein Schock. Einer davon: Wie kann es derart einfach sein, einen solchen Anschlag auszuführen? Seither hat sich viel getan, in den USA, aber auch anderswo, die Sicherheitsbestimmungen sind heute ganz andere. Unter anderem ist es eben nicht mehr so einfach, in das Cockpit eines Flugzeuges zu gelangen. Umso beunruhigender ist daher „7500“, wenn hier gezeigt wird, dass die Mechanismen zwar grundsätzlich greifen, eine absolute Sicherheit dadurch jedoch nicht gewährleistet ist.

Inwiefern dieses Vorhaben tatsächlich realistisch ist, das sei mal dahingestellt. Es gelingt Regisseur und Co-Autor Patrick Vollrath jedoch sehr gut, diesen Anschein zumindest zu erwecken. Dafür inszeniert der Deutsche seinen Film auf eine sehr dokumentarische Weise. Ganz ruhig, ohne Musik oder sonstige Dramatisierungen, zeigt er den Alltag eines solchen Fluges bei der Vorbereitung. Da wird über Privates geredet, Checklisten abgehakt und sich über Passagiere geärgert, die zu spät zum Boarding kommen. Wer nicht im Vorfeld schon weiß, dass er hier einen Thriller zu sehen bekommt, der dokumentarische Einstieg würde das kaum erwarten lassen.

Auch später setzt Vollrath auf Minimalismus. Das mag auch dem Budget geschuldet sein, das bei der deutsch-österreichischen Produktion sicherlich überschaubarer war. Effektiv ist es allemal. „7500“ spielt fast ausschließlich in dem Cockpit. Der einzige Einblick in das, was in der Maschine vor sich geht, gewährt eine Bordkamera, welche den Raum vor der Cockpittür filmt. Das Publikum ist damit ebenso wie Tobias ein Gefangener, weiß so wie er nicht, was da draußen genau vor sich geht. Das hilft natürlich dabei, sich in die Lage des Piloten hineinzuversetzen und verleiht der Situation eine schön klaustrophobische Spannung. Es führt zudem zu einer fiesen Patt-Situation: Die Terroristen können nicht hinein, Tobias nicht hinaus.

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Angenehm ist in der Hinsicht auch, dass die Rolle zwar mit einem Superstar besetzt wurde, Gordon-Levitt hier aber keinen Superhelden spielt. Wo in anderen Entführungsthrillern die Hauptfiguren plötzlich übermenschliche Kräfte in sich entdecken und ganz allein sämtliche Angreifer überwältigen, da ist Tobias zwar souverän, oft aber doch an den Grenze von dem, was möglich ist. Weniger schön ist, dass für die Terroristen mal wieder auf profillose Islamisten zurückgegriffen wurde. Da wäre sicher auch eine andere Geschichte möglich und wünschenswert gewesen.

Insgesamt ist Vollrath aber ein guter Einstand geglückt. Dem Thriller geht zum Ende hin zwar ein wenig die Luft aus, schafft es aber, dank diverser überraschender Wendungen die Spannung hochzuhalten. Eben weil das hier kein Hollywood-Film ist, muss nicht alles gut ausgehen – oder schlecht. Außerdem ringt „7500“ dem Publikum einige moralische Überlegungen ab. In der Hinsicht wäre sicher noch etwas mehr möglich gewesen. Der schnörkellose Kammerspiel-Thriller zeigt aber, dass Genrekino hierzulande durchaus möglich ist.

Fazit: „7500“ nimmt uns mit in ein Flugzeugcockpit, als die Maschine von Terroristen angegriffen wird. Der Thriller überzeugt dabei durch eine minimalistische, effektive Umsetzung, überraschende Wendungen und eine dokumentarische Anmutung. Zum Schluss geht ihm aber etwas die Luft aus, islamistische Terroristen sind zudem sicher nicht die originellsten Gegner.

Wertung: 7 von 10

Regie: Patrick Vollrath; Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Omid Memar, Aylin Tezel, Murathan Muslu, Paul Wollin, Carlo Kitzlinger; Kinostart: 26. Dezember 2019