19. bis 25. Juni
KALIBER35 Munich International Short Film Festival

Wollen wir etwas Süß-Saures nehmen? Oder vielleicht doch lieber etwas Salziges? Nein, wir stehen nicht gerade vor der Speisekarte des Chinaimbisses um die Ecke und versuchen die 297 verschiedenen Gerichte irgendwie auseinanderzuhalten. Hier geht es vor allem um optische Genüsse, wenn vom 19. Bis 25. Juni in München die neunte Ausgabe des KALIBER35 Munich International Short Film Festivals stattfindet.

KALIBER35 Festival Trailer 2014 from Muenchner Filmwerkstatt e.V. on Vimeo.

Leichter macht das die Auswahl auch nicht, denn gleich 35 kurze und hoffentlich kurzweilige Filmversuche aus 30 Ländern stehen hier auf dem Menüplan, eingeteilt in die fünf Geschmacksrichtungen SWEET, SOUR, BITTER, SALTY und UMAMI. Der Name des Festivals verweist aber nicht nur auf die Anzahl der gezeigten Filme, sondern erinnert auch an das früher gebräuchliche 35-mm-Filmformat – ein Tipp also für alle Freunde des guten (Nach-)Geschmacks.

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Eine Kategorisierung anhand von Geschmacksrichtungen hat natürlich immer etwas Willkürliches an sich. An manchen Stellen ist es naheliegend, etwa beim „süßen“ Musical-Papier-Animationsfilm „Miss Todd“ aus England, der die Geschichte des ersten weiblichen Flugzeugdesignerin erzählt und dafür eine Goldmedaille bei den Studentenoscars erhielt. „Safe“, ein südkoreanischer Minithriller über die diebische Angestellte eines Glücksalons, könnte man mit einigem Wohlwollen tatsächlich als „bitter“ bezeichnen. Warum der witzige Beitrag aus Frankreich „La femme de Rio“ über eine etwas sonderbare Zufallsbekanntschaft „umami“ sein soll, das bleibt jedoch das Geheimnis der Jury.

Die hatte es übrigens nicht leicht, denn mehr als 2000 Bewerber mussten gesichtet und die besten darunter ausgewählt werden. Ob Sie damit recht hatten, davon könnt ihr euch ab Donnerstag im Monopol-Kino bzw. dem Filmtheater Sendlinger Tor selbst ein Bild machen. Wer die Tage also gerne mal wieder etwas anderes sehen möchte als 22 schwitzende Männer, die einem Ball hinterherrennen, der bekommt hier eine recht abwechslungsreiche Auswahl der aktuellen Kurzfilmkunst zu sehen. Und wer danach noch Gesprächsbedarf hat, kann dieses Bedürfnis gleich vor Ort stillen, wenn die Nachwuchsregisseure Rede und Antwort stehen. Alle Unentschlossenen mit gesegnetem Appetit, die sich auf keine bestimmte Geschmacksrichtung festlegen möchten, dem seien hier die Dauerkarten empfohlen. Im Vergleich zur Fressorgie beim Chinaimbiss muss man hier nicht mal schwerwiegende Folgen fürs eigene Gewicht befürchten.

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TEXT: OLIVER ARMKNECHT


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