27. Oktober
Kadavar @ Backstage

Wer suchet, der findet. So auch all diejenigen, die glauben ehrliche und druckvolle Rockmusik mit Herzblut müsse aus Skandinavien oder den Staaten kommen, keinesfalls aber aus Deutschland. Einer derart snobistischen Meinung verteilen unlängst die Berliner Helden von Kadavar eine Rückhand mit Schmackes. So gar nicht lethargisch und von Fliegen umzingelt, schickt sich der untote Leib mit reichlich Vintage-Attitüde und Schlaghose an, Album um Album Musik zu kreieren, die dem oftmals angestaubten Stoner-Genre und seinen 10-minütigen Trampelpfad-Songs in Sachen Zugänglichkeit eine ganze Spitze weit voraus ist, ohne den Anspruch zu verlieren.

„Wenn jemand aus einem einzigen Riff einen siebenminütigen Track macht und das als etwas Cooles verkauft, denke ich, dass er in Wahrheit einfach nur zu blöd ist, um ein gutes Lied zu schreiben“, lässt uns Frontmann Christoph Lindemann wissen und beweist mit seinen Bandkollegen Christoph Bartelt und Simon Bouteloup, dass er es wie schon ein anderer großer Lindemann aus Berlin vermag, auf den Punkt zu kommen. Die Pyro-Show zündeln Kadavar im Kopf ab.

Mit den Deck-Namen Lupus, Dragon und Tiger machen die Berliner Stadtmusikanten seit der Gründung 2010 nun schon gehörig von sich reden, stehen aber statt schiefer Klänge für psychedelischen Retro-Rock mit Gütesiegel A. Spätestens seit ihrem dritten Album „Berlin“ (2015) gehören Kadavar zur Speerspitze der langhaarigen Riff-Schamanen rund um den Globus und wurden auf Tourneen mit Sleep oder Saint Vitus mehr als einmal im heiligen Wasser der Erben von Black Sabbath getauft.

Für ihr neues Album scheute das ostdeutsche Dreiergespann ganz nach alter Arbeitermentalität und Olympia-Wahn keine Mühen und errichtete in Neukölln auf rund 100 Quadratmetern seine neue Oase, in der seit Anfang des Jahres die härtesten Klänge Kadavars zu vernehmen sind. Diesen neuen Wind pressen sie Ende September (29.09.) auf ihrem vierten Album „rough times“ auf die Rundlinge, wobei das Timbre ihrer Vorbilder immer noch aus allen Poren trieft.

Neue Tour, neuer Tour-Zyklus und für den haben sich Kadavar gemäß ihrer neu aufgezogenen harten Saiten tatkräftige Unterstützung geholt. Während Death Alley aus Amsterdam von Haus aus über genügend Roadburn-Erfahrung verfügen, prügeln sich die beiden Nordlichter von Mantar am 27. Oktober im großen Backstage Werk um blutige Nasen und Ohren.

Ein geschichtsträchtiger Abend steht also ins Haus, von dem die Bärte der Kadavar-Jungs schon lange zeugen. Und wer die beiden Jungs von Mantar auf ihrer ersten Stippvisite anfang des Jahres verpasst hat, bekommt hier noch einmal die Gelegenheit ins heiße Ohren verteilende Black Doom-Fischbrötchen zu beißen. Wohl bekomm’s!


Kadavar // Support: Death Alley & Mantar // 27. Oktober // 20.30 Uhr // Backstage/Werk // VVK 24,90 Euro zzgl. Gebühren
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