5 Fragen an: Josef Hader

Sich selbst zu spielen, ohne sich dabei lächerlich zu machen, ist in der Regel entweder unmöglich oder überheblichen Volltrotteln vorbehalten. Josef Hader ist hierbei eine Ausnahme: Der Wiener Jahrhundertkabarettist schafft es scheinbar mühelos, trotz seines schelmisch-bubenhaften Charmes mit oftmals bissigen, manchmal fast bösartigen Charakteren die Bühnen, Fernseher und Kinosäle des gesamten deutschsprachigen Raums zu füllen.

Sei es mit seinen Erfolgsprogrammen „Privat“ (über zehn Jahre gespielt) oder „Hader muss weg“, seiner Rolle als Simon Brenner in den bisher drei Verfilmungen der Wolf-Haas-Romane oder mit Fernseherfolgen wie „Aufschneider“ – Josef Hader ist eine lebende Legende. Und dazu, wie sich bei redaktionsinternen Gesprächen immer wieder feststellen lässt, ein absoluter Frauenschwarm.

Sein Programm „Hader spielt Hader“, das er am 27. und 28. Oktober zum wiederholten Mal im Audimax der LMU spielte, ist weniger ein Best-of als vielmehr Haders einzigartiger Weg, mit einigen seiner Lieblingsgeschichten und -songs auf die Bühne zu gehen, ohne dabei sich selbst oder sein Publikum zu langweilen. Wir durften dem Ausnahmeösterreicher fünf Fragen stellen.

Was sagt man denn als Atheist statt „Gott sei Dank“?

Hader: So gläubig bin ich ja auch nicht, dass ich fix mit keinem Gott rechne. Streng gläubige Atheisten müssten aber auf jeden Fall „Niemandem sei Dank“ sagen, was ein wenig umständlich von den Lippen geht. Falls der Atheismus sie genügend entspannt hat, könnten sie auch sagen: „Eh wurscht“.

Für was waren oder sind Sie so richtig dankbar?

Hader: Das führt zu weit, weil da gibt es zu vieles. Ich bin ja sehr nachtragend, und die Menschen, denen ich dankbar bin, aber auch die Menschen, die ich unversöhnlich als gestorben für mich betrachte, gehen in die Hunderte. Über was können Sie sich so richtig aufregen? Wenn ich selbstverschuldet in Stress komme und in lauten Selbstgesprächen versuche, anderen die Schuld daran zu geben. Sie haben einen unfassbaren Schlag bei den Frauen.

Ist das eher Segen oder Fluch?

Hader: So intensiv, wie Sie das beschreiben, kann ich das leider nicht bestätigen. Generell haben, glaub ich, die Apotheker recht. Die sagen, Segen oder Fluch hängt von der Dosierung ab.

Ganz ehrlich: Wie oft sind Sie bereits erfolgreich g’schossen worden?

Hader: Sehr oft, einmal sogar auf offener Bühne von einem Zuschauer. Ich bin sehr schlecht in diesem Spiel, weil man müsste in jedem Gespräch immer gleichzeitig aufpassen, ob einen jemand schießen will. Und an zwei Sachen gleichzeitig zu denken, das krieg ich nicht fertig. Ich bin schon froh, wenn ich nicht zwischendurch vergesse, worüber ich gerade rede.

Erschienen in der curt Ausgabe #73