Gehört: John K. Samson – „Winter Wheat“
Live: 10. Mai im Ampere

Wo John K. Samson draufsteht, ist immer auch ein bisschen was von den Weakerthans mit drinnen. Und das ist auch gut so.

Wie es scheint, hat sich Kanadas feinste Indie-Folk-Pop-Punk-Band nach Jahren des Müßiggangs nun endgültig in die ewigen Weiten der Prärie verabschiedet. Schade, schade, denn kaum eine andere Band verstand es, die Herzen der Hörer gleichsam mit Wärme und Schmerz zu erfüllen. Nach kurzem Innehalten und ein paar Momenten der emotionalen Schwermut, kann sich die Aufmerksamkeit nun voll und ganz „Winter Wheat“, dem zweiten Solo-Album von John K. Samson, zuwenden.

Vier Jahre nach seinem ersten, sehr persönlichen Alleingang „Provincial“ hat sich JKS diesmal mit seinen Ex-Bandkollegen Jason Tait (Drums) und Greg Smith (Bass) zusammengetan. Dass die Jungs ihre Band nicht wegen irgendwelcher persönlichen Differenzen aufgegeben haben, ist zu jedem Moment greifbar, denn sofort setzt dieselbe Gänsehaut ein, die jede Weakerthans-Veröffentlichung begleitet hat. Christine Fellows, Samsons Ehefrau und langjährige Live-Musikerin der Weakerthans, ist ebenfalls mit am Start. Fellows und Tait zeichnen sich auch für die Produktion verantwortlich.

Und so ist „Winter Wheat“ ein Album geworden, dass nahtlos aufs 2007-er-Album „Reunion Tour“ hätte folgen können. Kenner brauchen demnach kein GPS, um sich auf dieser Scheibe rasch heimisch zu fühlen. Everything happens here, then nothing for a long long time. Es sind die kleinen Momente, die die Songs so unverwechselbar und niederknienswert machen. Johns samtweiche Stimme wirkt Wunder und verbreitet eine angenehm positive Grundstimmung. Die Geschichten hinter seinen Texten drehen sich um das Unspektakuläre seiner Heimatstadt Winnipeg und auch Virtute, die Katze ist wieder mit von der Partie. Der warme Indie-Sound irgendwo zwischen Singer/Songwriter-Melancholie und Gitarrenpoprock biegt lediglich für zwei, drei Songs auf den Neal-Young-Highway ab und lässt die Gitarren quietschen.

Das alles mutet letztlich wenig revolutionär an, ist aber umso wohltuender. Wie ein heißes Bad am Ende eines kalten Wintertages. „Winter Wheat“ ist genau die Platte, die die nun anstehenden Schmuddelwettertage erträglich macht. Am 10. Mai 2017 spielt John K. Samson im Ampere, und dieser Termin sollte einer der ersten Einträge in den Kalender 2017 sein.

Danke Winnipeg.


John K. Samson – „Winter Wheat“ //Anti-/Indigo // VÖ: bereits veröffentlicht

John K. Samson & The Winter Wheat // 10. Mai // 20.30 Uhr // Ampere // VVK 18 Euro, AK 22 Euro
> Facebook > Homepage

Merken

Merken

Merken