Jochen Distelmeyer – „Otis“

Jochen Distelmeyer ist unter die Romanciers gegangen: Am 9. März stellte der Blumfeld-Sänger und Songschreiber im Münchner Volkstheater sein Debüt „Otis“ vor.

Tristan Funke ist von Hamburg nach Berlin gezogen. Hier schreibt er an seinem ersten Roman. Ein monumentales Epos soll dieser werden. „Ich versuche die Odyssee von Homer mit der Geschichte eines flüchtigen Filesharing-Programmierers kurzzuschließen“, so beschreibt Funke sein Werk. Der Umzug erfolgte übrigens der Liebe wegen, besser gesagt der gescheiterten Liebe wegen. Insgesamt läuft das Projekt Weltliteratur höchst ambitioniert, allerdings wenig ertragreich. Zu verlockend ist das süße Hauptstadtleben.

Jochen Distelmeyer Otis Rezension curt München

„Otis“ ist das Romandebüt des Sängers und Komponisten Jochen Distelmeyer (Blumfeld), der von Hamburg nach Berlin gezogen ist und dort seinen ersten Roman geschrieben hat. Ein großes Werk muss es sein, dass den Übergang vom Vordenker der Hamburger Schule zum Romancier prägen soll. Griechische Mythologie, deutsche Kriegs- und Nachkriegsgeschichte, Wiedervereinigungsdramen, Busfahrergeschichten, Pointierung des deutschen Literatur- und Medienbetriebs, Alltagsbeobachtungen … Zu jedem Thema weiß Distelmeyer ein paar Zeilen zu verlieren.

Einem Universalgelehrten gleich findet alles und jedes einen Platz auf den 288 Seiten Prosa des immer ätherischer anmutenden Ostwestfalen Distelmeyer. Allerdings steht diese inhaltliche Vielfalt der Geschichte sich zumeist auf den Füßen. Besonders die historischen Teile lesen sich so spannend wie „Königs Erläuterungen“ im Deutschunterricht. Der Autor schreibt in seiner Liebe fürs Detail immer wieder an Figuren und Handlungsfluss vorbei und kommt bei mir über eine „Drei“ nicht hinaus. Mehr war damals auch mit den blauen Unterrichtshelfern nie zu schaffen.

Fazit: Für meinen Geschmack steht der Roman der Zeit dem seichten Spätwerk von Blumfeld näher als den ungestümen, dafür aufregenden Anfangstagen von Ich-Maschine und L’État et moi.


Jochen Distelmeyer: „Otis” // Rowohlt Verlag // Hardcover // 288 Seiten // ISBN 978-3-498-01203-8 // 19,95 Euro


1 Kommentare

  1. Auch zu empfehlen ist dieses Buch – mit mehr Berlin und weniger Pop:

    http://laputa-verlag.blogspot.de/2015/03/dieses-buch-ist-besser-als-pop.html

    Harald Rutzen: Es gibt immer mal wieder Leute… / Laputa Verlag

    Mona /

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