17./18. September
Jedermann von Hugo von Hofmannsthal @ Einstein Kultur

Kann man ein guter Mensch sein und trotzdem noch ein wirklich gutes Leben haben?

Anastasia Jedermann, eine junge, gebildete Frau, Mitte dreißig, ledig und kinderlos durchlebt ihre Midlifecrisis und wird konfrontiert mit der Frage nach dem Sinn des Lebens, der Verantwortung gegenüber Mitmenschen und Umwelt und vor allem ihrer Einstellung zu sich selbst. In einer offensichtlich auswegslosen Situation, begleitet von Wahnvorstellungen und Todesängsten, beginnt sie mit sich selbst zu hadern – ihrem Leben, ihren Taten sowie ihren sozialen und gesellschaftlichen Bindungen.

Auch nach 100 Jahren verliert die Schlüsselfrage aus Hugo von Hofmannsthals „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ nicht an Präsenz. Die Aufgabe sich selbst zu hinterfragen, die individuelle Auseinandersetzung mit Gott und dem eigenen Glauben sowie die Frage nach dem richtigen Maß an Nächstenliebe lässt sich bis heute auf jeden Einzelnen übertragen.

Anna Funk inszeniert den Jedermann in einem aktuellen Kontext, hält aber wesentlich am Originaltext fest. Lediglich marginale Änderungen wurden vorgenommen, um die Persönlichkeiten der Figuren zu unterstreichen. Denn Anna Funk besetzt den Jedermann mit einer Frau – mit Ulrike Dostal (Gärtnerplatztheater) – und dreht entsprechend auch die Geschlechter der anderen Figuren. So ist ihre engste Vertraute ein materiell-orientiertes It-Girl aus der Maximilianstraße, ihre Buhlschaft ein geldloser, aber dennoch ausschweifend lebender Künstler – auf Kosten der Jedermann natürlich – und ihre Nachbarin eine abgestürzte Prostituierte aus Osteuropa. Ihr Schuldner ist ein insolventer Steinmetz von Oberpfälzer Granit und auch ihre Familie ist eine Ansammlung skurriler Gestalten – es bestehen also die besten Voraussetzungen für eine Identitätskrise, in der man im besten Fall zu sich selbst zurück findet.

Man kann also gespannt sein auf einem Theaterabend mit der richtigen Mischung aus Original und frischem Wind sowie tollen Schauspielern, die einen mitnehmen auf eine Reise der Selbstfindung.

„Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ wurde unter der Regie von Max Reinhardt am 1. Dezember 1911 im Berliner Zirkus Schumann uraufgeführt und wird seit 1920 alljährlich bei den Salzburger Festspielen inszeniert. Anna Funk hat für ihre Inszenierung Kollegen verschiedener Schauspielproduktionen zusammengetrommelt. Darunter Ulrike Dostal, Cati Wolf vom Gallitheater München, Inga Bramm vom Münchner Kindertheater u. v. m.

Termine: 17.09./18.09. im Einstein Kultur >> Mehr Infos zu den Spielzeiten und Tickets

 


1 Kommentare

  1. Eine Produktion, die in allen Belangen überzeugte. Bravo. Ein Abend mit einem engagierten Ensemble. Das kann nur gut ausgehen.

    Peter Kinderknecht /

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