Jane Eyre @ Mathilde Westend
Im Gespräch: Theresa Hanich

Theresa Hanich, Schauspielerin und Theatermacherin, startet Ende Januar mit einer neuen Produktion in die Spielzeit 2019. Nachdem das letzte Jahr mit einigen Gastspielen ausgeklungen ist, steht die Münchnerin nun wieder selber auf der kleinen Bühne in der Gollierstraße. curt nutzte eine Pause während der Proben kurz vor der Premiere, um ein paar Fragen an die Intendantin, Regisseurin und Darstellerin aus Münchens kleiner und feiner Theaterstube zu richten.

„Erzählt wird die Geschichte der Vollwaisen Jane Eyre, die sich bereits als kleines Kind gegen ihr Umfeld, das voll von Ungerechtigkeiten ist, behaupten muss. Trotz fehlender Zuneigung ihrer Verwandten, reift sie durch scheinbar innere Größe zu einer selbstbewussten jungen Frau heran und schreitet für ihre Zeit sehr emanzipiert und selbstbewusst durch die Welt. Sie meistert ihr Leben, indem sie sich selbst immer wieder treu bleibt und letztlich immer wieder auf ihre eigene Stärke zurückgreift.“

Was fasziniert dich an dem Buch, das heute als Klassiker der viktorianischen Romanliteratur des 19. Jahrhunderts gilt?
Jane Eyre ist eine starke, unabhängige junge Frauenfigur, die mich schon als Jugendliche fasziniert hat. Sie ist anders, eigenwillig und dabei nie falsch und unnatürlich. Sie wird als nicht so schön, nicht makellos bezeichnet. Anpassung, Schönheit, Anderssein: Das sind eigentlich ganz aktuelle Themen, von denen auch heute noch viele (junge) Frauen umgetrieben werden – wahrscheinlich sogar mehr denn je. Und mittlerweile ja auch Männer. Auch die unsichtbare Frauenfigur der Bertha Mason ist eine spannende Figur: eine sogenannte „madwoman in the attic“. Sie wird zwar nur am Rande thematisiert, ist aber eigentlich sehr fragwürdig und der Umgang mit ihrer Figur nicht ganz einfach.

Wie lässt sich dieses Stück in die bisherigen Produktionen vom Mathilde Westend einordnen? Was ist neu, anders oder herausfordernd an dieser Inszenierung?
Stücke von Autorinnen auf die Bühne zu bringen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Entwicklung meines Theaters. Nicht weil ich Stücke von Männern nicht mag – im Gegenteil –, aber Frauen sind in der Szene dermaßen unterrepräsentiert, dass ich es für mich als eine schöne Nische entdeckt habe. Es gibt so viele tolle Autorinnen und es gab sie auch schon früher, das ist vielen gar nicht präsent. Für diese Frauen war es damals unglaublich schwierig, in jeglicher Hinsicht. Aber auch zeitgenössische Autorinnen sind in der Theaterlandschaft deutlich wenig vertreten.
Die drei Brontë-Schwestern, deren Bücher ich wahnsinnig gerne mag, haben Mitte des 19. Jahrhunderts geschrieben und unter männlichen Pseudonymen ihre Romane und Gedichte herausgebracht. Dieser Hintergrund ist für mich bei meiner Auswahl auch ausschlaggebend gewesen. Es bedurfte dann noch einer intensiven Suche, bis ich diese Version fürs Theater gefunden habe. Ich habe lange recherchiert und gelesen und bin schließlich durch Zufall auf die Bühnenversion von Beka Savić gestoßen, die mir so gut gefällt, dass ich sie auf die Bühne im Mathilde bringen will. Savićs Bühnenfassung ist für zwei Schauspieler konzipiert. Somit ist sie also wie geschaffen für mein Theater.

Stell uns doch bitte deinen Partner im Stück und die Regisseurin kurz vor.
Mit meinem „Team“ aus Alexander Wagner und Nora Schüssler habe ich wahre Glückstreffer gelandet. Die Proben sind wirklich großartig, unsere Zusammenarbeit geht Hand in Hand und auf absoluter Augenhöhe. Wir besprechen alles zusammen und fällen gemeinsam Entscheidungen, also genau so, wie ich es mir wünsche. Das ist für mich und die Arbeit im Mathilde auch sehr wichtig, weil wir so eng zusammenarbeiten – im wahrsten Sinne des Wortes. Und ich hoffe, dass dies nicht unsere letzte gemeinsame Arbeit gewesen sein wird.

Welchen Einfluss nehmen die Besonderheiten deines Theaters auf die dramaturgische Umsetzung des Stoffs?
Das Stück auf unseren 15 Quadratmetern umzusetzen, ist natürlich irgendwie absurd, denn es spielt ja hauptsächlich in einem riesigen englischen Herrenhaus. Aber das ist wiederum das Besondere, dass sich in diesem kleinen Raum die Fantasie an die Räumlichkeiten anpasst und so ganz eigene Welten entstehen. Zumindest habe ich das von vielen Zuschauern als Rückmeldung bekommen. Das ist das, was ich an Theater liebe – es braucht so wenig. Schauspieler, Regisseur und Zuschauer können mit ihrer Fantasie alles erschaffen. Mit Bühne und Kostüm können wir Richtungen vorgeben, aber die Fantasie kann so viel selbst erschaffen.
Das Stück ist zum Teil sehr emotional und das ist sehr besonders im Mathilde, denn wir können bzw. müssen hier quasi filmisch spielen. Allerdings sind wir eben nicht auf einer Leinwand zu sehen, sondern in echt. Das ergibt einen speziellen Reiz, sowohl für die Zuschauer als auch für uns als Schauspieler. Wir können, ja dürfen hier nicht theatralisch sein, wir müssen ganz echt und pur spielen.

Mit der 5. Produktion feiern dein Theater und du ein erstes kleines Jubiläum. Wenn du dir Zeit nimmst, um kurz innezuhalten: Wie fällt dein Blick auf die Anfänge aus? Wie siehst du den Moment und was bringt die Zukunft oder besser, soll die Zukunft bringen, für das Theater und für dich als Schauspielerin?
Stimmt, ein kleines Jubiläum, wie schön. Ich kann rückblickend sagen, dass ich wahnsinnig froh bin, das Wagnis dieser schrägen Idee eingegangen zu sein. Ich hätte nicht gedacht, dass alles insgesamt so gut laufen würde und dass es mir so viel Spaß macht. Ich bin vielen Menschen dankbar, die mich so unterstützt haben und es immer noch tun. Kolleginnen, Kollegen, Freunde, Familie und auch unserem Publikum, das sich immer wieder auf dieses Abenteuer einlässt. Die Zukunft möge bringen, dass es so weitergeht. Dass wir viele tolle Stücke von tollen Autorinnen auf die Bühne bringen und unser Publikum weiterhin begeistern können.

Münchens Theaterpublikum scheint das Mathilde Westend längst für sich entdeckt zu haben. Die 17 Plätze, die es pro Abend zu besetzen gibt, sind heiß begehrt. Für die meisten Termine im Februar hängt daher auch schon das „Ausverkauft“-Schild an der Tür und die Zahl der Aufführung wurde kurzerhand aufgestockt.


Jane Eyre: Regie: Nora Schüssler // Es spielen: Theresa Hanich und Alexander Wagner // Dauer: ca. 90 Minuten ohne Pause // Weitere Infos und Kartenreservierungen: Homepage

Termine: Mittwoch, 30.1. / Sonntag, 3.2. / Dienstag, 5.2. / Sonntag, 10.2. / Montag, 11.2. / Dienstag, 12.2. / Sonntag, 17.2. / Montag, 18.2. / Dienstag, 26.2.
Neu: Dienstag, 5.3. / Freitag, 8.3. / Samstag, 9.3. / Donnerstag, 14.3. / Freitag, 15.3. / Dienstag, 19.3. / Donnerstag, 21.3. / Sonntag, 24.3. / Montag, 25.3. / Freitag, 29.3. / Samstag, 30.3.