Gehört: James – Girl at the End of the World

Und in unserer heutigen Folge von „Echt, gibt’s die immer noch?“ präsentieren wir: James.

Während sich Oasis und Blur auf dem Höhepunkt der Britpopwelle in den 90ern einen von großem Medieninteresse begleiteten Zweikampf um die Genrekrone lieferten, waren James schon immer die etwas seltsameren, verschrobeneren Kollegen gewesen. Man sang über sexuelle Abhängigkeiten („Laid“), riss Zuhörern mal das Herz aus („Out to Get You“), um allen Unglücklichen und Verrückten mit „Sit Down“ ihren größten Hit zu widmen. Und ihrem erfolgreichsten Album folgte ausgerechnet eins, das mit zahlreichen Experimenten so ziemlich jedes Mainstreampublikum verprellte.

Mehr als zwei Jahrzehnte später gibt es sie immer noch, die Band aus Manchester, veröffentlicht hin und wieder sogar etwas Neues. „Girl at the End of the World“ zum Beispiel, der 14. Longplayer der Band. Und wie schon zuletzt vor zwei Jahren bei „La Petite Morte“ drängt sich der Eindruck auf, dass James eigentlich viel lieber auf Tournee sind und die Alben als ein reines Mittel zum Zweck ansehen. Single „To My Surprise“ bettelt quasi darum, vor großem Publikum aufgeführt zu werden, mit einem Chor aus Tausenden Stimmen „were you just born an asshole?“ zu gröhlen. Subtil? Nein, das ist die von Synthieklängen begleitete Rocknummer nicht. Aber effektiv. So effektiv, dass es (fast) keine Rolle mehr spielt, dass der Text ansonsten den Nährwert eines leeren Blattes Papier hat.

Besser ist in der Hinsicht das introspektive, persönliche „Feet of Clay“, welches zusammen mit dem psychedelischen „Dear John“ einen verträumten Ruhepol inmitten des Stadionrocks bildet – das kommt nicht nur der Abwechslung zugute, sondern sorgt auch für zwei kleine Höhepunkte. Von denen hätte es auf „Girl at the End of the World“ gerne noch mehr geben dürfen. Vieles rauscht an einem ein wenig vorbei, ohne dass man die Nummern so recht zu fassen bekommt. Gerade in der zweiten Hälfte der zwölf Tracks waren die Ideen nicht ganz so groß wie das Bedürfnis, ein ganzes Album vollzubekommen. Da gibt es viel Geflimmer, viel Geschrammel, bei „Alvin“ auch ein paar französische Sprachfetzen, und am Ende die Frage, was eigentlich mit der Zeit passiert ist.

Als Zwischenstücke, während man beim Konzert auf die nächsten Hits wartet, funktioniert das, mehr als Füllmaterial ist das jedoch nicht. Dass der Gesamteindruck dennoch positiv ist und man sich freut, die Jungs immer noch hören zu dürfen, das liegt besonders an den beiden Liedern, welche die Eckpunkte des Albums markieren: Opener „Bitch“ ist ein verspielter Ohrwurm, der deutlich cleverer und einfallsreicher ist, als es der Titel vermuten lässt. Und das entspannt startende, später mitreißende Titellied, welches „Girl at the End of the World“ abschließt, lässt einen mit so viel unverschämt guter Laune zurück, dass einem der Rest irgendwie gar nicht mehr so wichtig vorkommt.


James „Girl at the End of the World“ // Label: Pias UK/Bmg Rights Management (rough trade) // VÖ: 18. März 2016
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