17. Oktober
INVSN @ Strom

Den meisten als wütender Derwisch und politischer Frontmann bekannt, hat sich Dennis Lyxzén mit seinen Bands Refused und The (International) Noise Conspiracy polit-musikalisch unsterblich gemacht. Dass er nicht nur plärren kann, beweist er bereits seit einigen Jahren mit seinem Chamäleon-Projekt INVSN. Die Supergroup aus Umeå springt nicht meterhoch in die Luft und lässt visionäre Klangattentate auf das Publikum herab, sondern huldigt mal düsteren, mal eher getrageneren Klängen und befindet sich dabei stets im Wandel. Sicher ist: Post wird im Post-Punk von INVSN besonders groß geschrieben, wenn sie am 17. Oktober das STROM beehren.

Wir schreiben das Jahr 1999. Refused are fucking dead und Lyxzén alles andere als in einer Sinnkrise. Das Gewand aus härtesten Post-Hardcore-Zeiten streift er geschwind ab und entschließt sich zu einer radikalen Veränderung hin zum Singer/Songwriter. Das Projekt The Lost Patrol war geboren und mit ihm zog sich der wütende Stockholmer ein gewiss ruhigeres Mäntelchen über, ohne dabei einer Max-Giesinger-Werdung zu erliegen. Die Songs auf „Songs in the Key of Resistance“ erinnern mehr an Costello als an Black Flag und ganz eindeutig kriechen die Folk-Elemente aus Ritzen, die acht Jahre lang Gift und Galle spuckten.

Nach dem Zweitwerk „Songs about running away“ tritt Lyxzén jedoch wieder aus der Einsamkeit heraus und erweitert mit Robert Petterson (Gesang, Gitarre), Anders Stenberg (Drums) und Andre Sandström (Bass) The Lost Patrol zur vollumfänglichen Band, wobei sich auch musikalisch einiges ändert. Gar Poppiges will man auf den Alben „The Lost Patrol Band“ und „Automatic“ vernehmen … oha! Doch Rechtstreitigkeiten machen aus der Band erneut eine neue, die sich fortan „Invasionen“ nennt.

Die nächsten drei Jahre schlagen Invasionen mit zwei schwedischsprachigen Alben auf die Trommelfälle von Fans und Kritikern gleichermaßen ein. 2013 verwandelt sich die Supergroup erneut, denn auch die internationale Klangherrschaft wird wieder in den Fokus gerückt. Und so erblickten schließlich „INVSN“ mit der Besetzung aus Sara Almgren (Bass), Anders Stenberg (Gitarre), Richard Östermann (Keyboard, Gitarre) und Schlagzeuger André Sandström unter Lyxzéns Zepter das Licht der Welt.

Endlich im Jahr 2017 angekommen, sind INVSN genau da, wo sie sein wollen. Mit ihrem zweiten Album „The Beautiful Stories“ blieben sie dem 80s-Postpunk-Sound des selbstbetitelten Vorgängers treu. Fünf Freunde inmitten eines Gewitters aus dystopischem Pop und sämtlichen Spielarten des Alternative Rocks. Entstanden ist eine wütende Platte, die Hoffnung macht. In Zeiten des internationalen Rechtsrucks ist es daher auch folgerichtig, dass Lyxzén mit Sara Almgren nicht nur seine Ex-Freundin, sondern auch Wegbestreiterin bei The (International) Noise Conspiracy ans Mikrofon treten lässt. Es geht um Existenzialismus und menschliche wie moralische Werte, während das Zweitwerk von INVSN wunderschön wehmütig daherkommt, hoffnungsvolle Leidenschaft entfaltet und in seinen unruhigen Moment stürmischen Aufruhr über einen hinwegfegen lässt.

„One of the most exciting and experimental and genuine works of art I ever been a part of“, so Lyxzén. Kann man sich das etwa entgehen lassen?


INVSN // Support: Laura Carbone // 17. Oktober // 21.30 Uhr // Strom // VVK 16 Euro zzgl. Gebühren
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1 Kommentare

  1. […] das Postpunk-Quartett aus Detroit im April für drei Shows mit den nicht weniger interessanten INVSN (Side-Projekt von Dennis Lyxzén von Refused und The (International) Noise Conspiracy) nach […]

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