Im Gespräch: Wilhelm Tell Me

Wilhelm Tell Me im Gespräch vor ihrem Konzert am 15. Oktober im STROM.

Ort: Hotellobby im Business-Style, freundliche Farben, gedämpfte Atmosphäre.
Zeit: 14.10.2014, Vorabend des Konzerts im Strom.
Anwesend: Wilhelm Tell Me. Reihenfolge des Erscheinens: Matthias Kranz, Henning Sommer, Paul Kaiser.

Und ich.

Bandgeschichte. Nachzulesen ist, dass Henning mithilfe eines Inserats die anderen Bandmitglieder gefunden hat.
Henning: Ja, das ist eine wahre Geschichte. Das war so: Ende 2009 bin ich nach Hamburg gezogen. Das war nach meinem Philosophiestudium. Ich wollte nur noch Musik machen, kannte aber niemanden in Hamburg. Da hab ich tatsächlich auf einer Internetseite eine Annonce aufgegeben. Der Text war furchtbar. Zentraler Punkt: Eigenes Equipment. Das war mir wichtig, denn ich hatte davor in verschiedenen Punkbands gespielt, die sich die Instrumente für die Auftritte immer ausleihen mussten. Das war anstrengend. Deshalb empfand ich es als Upgrade, wenn die Bandmitglieder eigene Instrumente besitzen. Auf die Annonce haben sich 400 metal-begeisterte 16-Jährige gemeldet. Allerdings waren da auch Matthias und unser alter Schlagzeuger Jan Ostendorf dabei.

Warum hat Jan denn die Band verlassen?

Henning: Weil Paul ihn um die Ecke gebracht hat … Ha ha.
Matthias: Jan ist Werbetexter und hat somit als einziger von uns einen Nicht-Musik-Beruf. Er hat von Anfang an gesagt, dass er nicht ausschließlich Musik machen möchte und ist dann 2012 nach Berlin gezogen. War von vorneherein klar.
Henning: Jetzt ist Paul dabei. Er kommt – wie ich – aus Münster. Wie man hören kann, hat uns das stilmäßig auch verändert.

Gott sei Dank spielt ihr tanzbare Popmusik. Steht ihr eigentlich auf Singer/Songwriter?

Matthias: Kommt drauf an. Es gibt sehr wenige, die mit einer Gitarre mehr als eine halbe Stunde eine Bühne bespielen können. Gibt auch Schrammelleute.

Wilhelm Tell Me Interview curt München

Henning, du warst in den USA. Zu welchem Zweck?
Henning: Wir haben ja letztes Jahr das Single-Projekt gemacht. Da haben wir alle 6 bis 8 Wochen eine Single rausbringen wollen. Es hat sich aber herausgestellt, dass das eine knappe Deadline ist. Schreiben, aufnehmen, mischen, promoten … Das Projekt haben wir dann abgebrochen. Wir waren alle genervt und ich hab eine kleine Flucht ergriffen. Das war gut für die Kreativität. Ich hab einen Roadtrip gemacht, Texte geschrieben, Energie getankt. Daraus ist die aktuelle EP entstanden. In L.A. hab ich dann Lars Stalfors getroffen. Der wiederum war ein Bekannter von unserem Schlagzeuger Paul, der mal in L.A. gelebt hat. Lars hat ein Studio, ist Produzent und Grammy Award Winner. Das hat zur EP geführt. Im nächsten Jahr kommt unser neues Album raus.

Ihr singt auf Englisch. Das war immer so. Ist das zielgerichtet auf den internationalen Markt?
Matthias: Ich denke Musik in Englisch. Wenn ich deutsche Musik höre, gehe ich die Musik auch anders an. Wenn ich zuerst die Musik begreife, dann hab ich Englisch im Kopf. Ich hätte in einer deutschsprachigen Band nicht mitgespielt.

Ihr macht nur Musik. Könnt ihr davon leben?
Henning: Wir machen nur Musik, aber nicht nur die Band. Paul ist viel als Schlagzeuger unterwegs. Matthias macht noch Management.
Matthias: Ich arbeite in der Musikwirtschaft und manage verschiedene andere Bands, arbeite auch mit einem Partner aus München zusammen. Und Henning ist Komponist für andere Musiker und in der Werbung.
Henning: Unser erstes Album haben wir mit Hilfe der „Initiative Musik“ finanziert. Da muss man zwar ganz viel Papierkrieg führen, aber dann wird man mit ein bisschen Geld unterstützt.
Matthias: Mit Henning haben wir außerdem unseren eigenen Produzenten. Das spart viel Geld.
Henning: „OMG“ wurde bei mir im Wohnzimmer produziert. Den Clip hat Dennis Dirksen gemacht. Das war sein Anfang. Jetzt macht er so Sachen wie „Marcus Wiebusch – Der Tag wird kommen“. Wir waren sein Sprungbrett.

Habt ihr in Hamburg einen Stamm-Club, in dem ihr regelmäßig auftretet?
Henning: Nein, wir haben keinen Stamm-Club. Wäre aber super. Einen in München, einen in Tokio.
Matthias: In Japan waren wir noch nie, aber in Südkorea haben wir gespielt. 30 Stunden Flug und so. Aber tolles Konzert. Gerne wieder. Aber München war auch immer super. Wir freuen uns aufs Strom.

Danke für das Interview!


Wilhelm Tell Me // 15. Oktober // 21.30 Uhr // STROM // VVK 16 Euro zzgl. Gebühren