Im Gespräch: Thorsten Scholz (Beatsteaks)

Bald hat das lange Warten ein Ende: Am 10. April kommen die Beatsteaks (nach ihrem Oktober-Gig in der Muffathalle) nun endlich, endlich zurück nach München. Vorab plauschte der Mann am Bass, Thorsten Scholz, über alte Freunde, neue Wagnisse und viel, viel Musik.

Ganz straight vorweg: Beschreib die Beatsteaks doch mal in drei Worten.
Rock’n’Roll!

Seid ihr Freunde oder „bloß“ Bandkollegen? Hält euch mehr zusammen als die Musik?
Nach der letzten Tour, die kurz vor Weihnachten zu Ende ging, waren wir sicher alle erstmal froh, dass jeder wieder sein Ding machen konnte. Aber klar, wir sind Kumpels! Anders geht das gar nicht, nach über 20 Jahren Bandgeschichte. Trotzdem sind auch Freunde außerhalb der Band wichtig. In meinem Fall haben die zwar auch mit dem ganzen Musikzirkus zu tun (ich bin sehr dicke mit unserem Merchandiser und dem Soundmann), aber die hängen immerhin nicht ständig mit im Proberaum rum.

Was macht die Beatsteaks zur „besten Band des Universums“, wie Arnim euch in letzter Zeit gerne betitelt?
Arnim hat sich das von den ÄRZTEN abgeguckt und dachte sich: „Ach Mensch, wir setzen da noch einen druff!“ Ernst gemeint ist das natürlich nicht. Die beste Band der Welt sind ja sowieso erstmal die Beastie Boys. Aber ich glaub, man sieht uns an, wenn’s Spaß macht, und man hört’s auch. Wenn’s egal ist, dass einer den Text vergisst oder stolpert, dann passiert auch irgendwas mit den Leuten. Wir wollen, dass sie rausgehen und sagen: Mann, geil, ich hab jetzt mal 2 Stunden nicht an irgend ’ne Scheiße gedacht! Dann kann auch jemand finden, wir seien die beste Band der Welt.

Wie viel Let Me In verträgt ein Künstler? Macht das nach all den Jahren noch Spaß?
Wir proben gerade wieder, spielen jeden Tag Let Me In. Und dann sitzte zu Hause, hörst die alte Platte und denkst nur: Ach, SO klingt das! Nach 20 Jahren. Und es macht echt Spaß, den Track wieder so klingen zu lassen, wie er eigentlich gemeint war. Nur weil irgendwelche Leute sagen, Let Me In ist geil, da will ich hin!, mussten wir irgendwann keine miesen Jobs mehr machen, um für die Band da zu sein. Das ist das Beste, was uns passieren konnte. Und wenn das jemand immer noch feiert, finden wir das natürlich auch gut.

Gibt es Besonderheiten, die das Publikum einzelner Städte ausmachen?
Ich find Konzerte im Osten grundsätzlich krasser. Und Berlin ist immer bisschen was anderes, weil Familie und Freunde kommen. Und dann gibt’s Städte, wo du die Leute erst so bisschen hinterm Ofen hervorholen musst. Der Schweizer is z.B. echt lahm! Aber das liegt natürlich immer auch erstmal an der Musik, das kannste nicht nur an den Leuten festmachen. Beim letzten Konzert in München waren wir nicht so dolle, aber auch da haben wir schon krasse Konzerte gespielt. Im Backstage oder auch vor ’ner halbleeren Olympiahalle. Nu soll der Münchner im Zenith mal seine Weste wieder weißwaschen und zeigen, was er kann!

Was fetzt mehr: Clubshow oder Festival?
Beides geil. Wenn ein Festival gut gebucht ist und man selbst noch geile Bands gucken kann, ist das fett. Vor allem im Ausland, da haste meist das geilere Line-up. Aber auch Clubshows sind geil, weil wir uns die Bands, die mit uns spielen, selbst aussuchen können.

In welches Genre würdest du die Beatsteaks (mittlerweile) packen? Mit Blick auf die Diskografie lässt sich ja durchaus ein kleiner Wandel erkennen. Du sprachst von Rock’n’Roll?
Mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang haben wir erstmal ’ne klassische Rock’n’Roll-Besetzung. Ich hab aber letztens in ’nem Interview gehört, dass wir ja jetzt auch Deutschpop machen. Find ich erstmal schlimm – aber das Genre sollen alle selbst benennen.

Nun hab ich ein paar Fragen zum neuen Album Yours:  Warum der Titel, warum das Yak?
Das hängt zusammen: Bei den 21 Tracks haben wir an Mixtapes gedacht, die man früher für Freunde gemacht hat. Einfach ’ne simple Kassette mit Lieblingsliedern. Egal welches Genre, Hauptsache, alles hat ’nen Vibe, is irgendwie individuell, macht gute Laune. Auch die neue Platte sollte so ’ne bunte Mischung werden, wie so’n Tape, das man jemandem gibt: Hier, für dich! Also: Yours. Die Leute von der Plattenfirma waren damit auch ganz zufrieden. Als sie dann mit unserem Manager essen waren, kam 20 Minuten später das Foto von diesem Yak aufs Handy mit dem Kommentar: „Cover steht doch, oder?“ Und wir fanden’s geil. Ist auch super, mal nicht ewig zu überlegen, sondern einfach so, BÄM, steht. Und in so ’nem abgeranzten Bullen, der nochmal geschmückt und durchs Dorf getrieben wird, haben wir uns auch ein bisschen wiedererkannt. Also nochmal schnell ’n schickes Hemd an und den anderen Bands zeigen, wo der Hammer hängt. Zumindest live.


Mal angenommen, du hättest freie Wahl: Mit welchem Künstler würdest du gerne mal zusammenarbeiten?
Ich kenn den Mille von Kreator so’n bisschen. Oder auch Steve Albini. Ich hätt Bock auf so’n brachialen Livesound. Metal wär da echt spannend!

Lass uns mal ’nen Ausblick wagen: Was meinst du, wie wird sich der (Live)-Musikmarkt künftig entwickeln? Kaufst du noch CDs?
Ich kauf tatsächlich eher Schallplatten. CDs nur ab und zu, so fürs Auto. Die letzte Cro-Platte hab ich z.B. gekauft. Aber es ist natürlich schwer zu sagen, was die Kids in 10 Jahren feiern. Wahrscheinlich endet’s wie in Schweden: Null CD-Verkäufe – aber alle haben Spotify. Ich find das gar nicht schlecht, in Summe bedeutet das ja erstmal mehr Ausgaben für Musik. Immerhin sind Leute bereit, 10 Euro im Monat für Musik auszugeben.

Aber bei den Künstlern selbst kommt davon doch kaum was an?
Trotzdem: Frau Müller gibt monatlich ’n Zehner für Musik aus, das hat sie früher nicht gemacht. Also wenn das alles ein bisschen gerechter verteilt würde, wär das geil. Und man kann da ja schon drauf achten: Ich kauf CDs z.B. am liebsten auf Shows oder bei kleinen Plattenläden statt bei Amazon. Ich versuch das so’n bisschen klarzukriegen. Und irgendwann bin ich dann vermutlich nur so’n hängen gebliebener, alter Idiot und alle lachen mich aus. Aber dann is das halt so.

Ach Thorsten, niemals wirst du das, for sure! Besten Dank für Rede, Antwort und so viel Spaß!


Beatsteaks – Your Tour 2018 // 10. April // 20 Uhr // Zenith // VVK 39 zzgl. Gebühren (Restkarten!)
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