Im Gespräch: Albert Hammond Jr.

Albert Hammond Jr. wandelt erneut auf Solo-Pfaden: „Francis Trouble“, das vierte Album des Strokes-Gitarristen ist im März erschienen und ab Juli bringt er es mit auf Europa-Tour. Erster Halt: München. curt bekam vorab die Möglichkeit zu einem Gespräch über das Tourleben, die Hintergrundgeschichte des neuen Albums und wie er zu seinem eigenen Jump-and-run-Spiel kam.

Deine Europa-Tour beginnt am 3. Juli in München. Was assoziierst du als Erstes mit der Stadt?
Das letzte Mal, als ich in München war, war ich mit meinem ersten Album auf Tour. Ich war nur ganz kurz da und habe damals die Stadt quasi nur durch den Türspalt gesehen. Ich bin also gespannt, ob ich mich an etwas erinnern werde. Dieses Mal sollte ich etwas mehr Zeit haben, da ich am Tag vor dem Konzert anreisen werde. Wahrscheinlich werde ich die Stadt auf der Suche nach etwas zu essen erkunden und dabei einiges entdecken.

Gibt es einen Song, den du besonders gerne live spielst?
Ich finde es schwer, mich da zu entscheiden. Mir geht es eher um das „Dazwischen“ und das Erlebnis auf der Bühne an sich: wenn wir als Band unseren Rhythmus finden und auf Überraschungen warten, die manche Songs live für einen bereithalten. Generell bin ich kein Freund von Favoriten, es nimmt einem ein wenig die Spontaneität, die wichtig für eine großartige Show ist.

Es hängt somit auch viel von der Stimmung des Publikums ab?
Teilweise, aber wenn ich auf Tour gehe, geht es mir nicht in erster Linie darum, mich nach der grundsätzlichen Stimmung des Publikums zu richten. Ich will sie mitreißen. Es gibt Dinge, die ich in der Hand habe und beeinflussen kann, und darauf fokussiere ich mich. Man darf auch keine allzu großen Erwartungen an das Publikum haben. Man ist selbst dafür verantwortlich, was passiert und wie das Konzert verläuft.

Gibt es Songs, bei denen du sofort weißt: Dieser Song ist ideal, um live gespielt zu werden? Und andersrum: Weißt du auch sofort, wenn ein Song nicht für die Bühne geeignet ist?
Mein neues Album ist voller Songs, bei denen ich das Gefühl habe, ich muss sie live spielen. Wir spielen auch fast alle davon auf der Tour. Songs, die man nicht mit auf Tour nimmt, sind oft die, die auf ganz spezielle Art und Weise im Studio aufgenommen wurden und von denen man einfach weiß, dass sie live nicht denselben Effekt erzielen würden. Eventuell werden diese Songs aber am Ende einer Tour gespielt, wenn man ein wenig sicherer und selbstbewusster geworden ist und sich an sie herantraut.

Manche Musiker spielen ihre neuen Alben gerne live einmal komplett durch – in der exakten Reihenfolge. Hast du darüber auch schon nachgedacht?
Wir haben darüber nachgedacht, eine Art Showcase für „Francis Trouble“ zu machen, bei dem das Album komplett gespielt worden wäre. Es wäre auf jeden Fall ein neuer Schritt für mich gewesen, der mich auf ein neues Level gebracht hätte. Aber ich finde die Setlist besser, wenn die Songs verteilt sind und es auch Pausen zwischen den Songs eines Albums gibt.

Die Geschichte deines neuen Albums „Francis Trouble“ ist ein wenig tragisch …
Was gerne missverstanden wird. Natürlich ist die Geschichte meines tot geborenen Zwillingsbruders Francis schlimm, vor allem für meine Mutter zu dieser Zeit. Aber im Grunde geht es mir um etwas ganz anderes. Mir geht es eher darum, mich selbst zu finden. Als ich erfahren habe, dass von meinem Zwilling ein Fingernagel mit mir geboren wurde, hat das vor allem meinen Blick auf mich selbst und die Geburt geändert. „Francis Trouble“ handelt für mich eher von der Geburt eines Superhelden. Es muss immer etwas passieren, um eine Person zu dem zu machen, was sie ist. Es gibt einen entscheidenden Moment, der alles verändert. Für mich ist die Geschichte meiner Geburt dieser Superhelden-Moment. Seit ich davon erfahren habe, dass es meinen Zwilling gab, habe ich einen anderen Blickwinkel und neuen kreativen Input bekommen.

Daher auch das sehr „heldenhafte“ Artwork.
Genau. Außerdem ist es illustriert. Illustrationen sind für mich lang anhaltender als Fotos. Und das Artwork hat ein paar fantastische Elemente. Ich mag das Konzept.

Die Zahl 36 ist dir sehr wichtig und auch das Album zeigt das: Es ist exakt 36 Minuten lang. Wie viel davon war geplant, wie viel Zufall?
Irgendwie hat sich alles ergeben. Als das Album fertig war und die Songs feststanden, die darauf sein würden, fiel mir auf, dass es genau 36 Minuten lang ist. Und ich dachte mir nur, wie seltsam das wäre, weil diese Zahl für mich so wichtig ist. Ich fand mit 36 heraus, dass ich einen Zwilling hatte, 3 und 6 ergibt 9 und ich habe am 9. April Geburtstag … es sind viele kleine Dinge.
Wenn man etwas erschafft, hat man entweder die Zügel in der Hand und kann vieles planen, oder man merkt erst hinterher, was beim Entstehungsprozess alles passiert ist. Das sind die Momente, in denen man selbst überrascht ist, wie gut sich alles zusammengefügt hat. Mit der richtigen Idee und Grundlage kann sich vieles entwickeln.

Wie entstand der Titel? Kam er dir schon vorher in den Sinn oder erst, nachdem das Album fertig war?
Den Namen des Albums hatte ich schon eine ganze Weile im Kopf. Als jemand mit einem „Jr“ im Namen war ich immer auf der Suche nach einem anderen Namen. Irgendwann kam mir die Songzeile „Trouble was the name they gave me“ in den Sinn, als ich die Straße entlanglief. Trouble begleitet mich also schon eine Weile. „Francis Trouble“ ist einfach ein Name, den ich gern benutze. Eine Art Alter Ego und deshalb war mir klar, dass das Album so heißen muss. Im Grunde hat der Name schon lange darauf gewartet, verwendet zu werden. Es war der richtige Zeitpunkt.

Welcher Song trifft deiner Meinung nach die Grundstimmung von „Francis Trouble“ am besten?
Das mag komisch klingen, aber grundsätzlich denke ich, ich habe hier ein Album mit zehn großartigen Songs erschaffen, die alle zusammen ein passendes Gesamtbild ergeben. Deswegen ist es schwer, nur einen Song herauszupicken, weil sie alle zusammengehören. Einer meiner Favoriten ist aber „Harder, Harder, Harder“. Dieser Song ist eine Art Biografie meiner Teenager-Jahre, deshalb ist es eigentlich seltsam, dass es der letzte Song des Albums ist. Der erste Song des Albums wiederum beschreibt die vergangenen paar Jahre. Der Rest ist zwischen diesen beiden Songs eingequetscht.

Besagter erster Song „Dvsl“ beginnt mit Vogelgezwitscher. Eine Metapher für einen Anfang oder Zufall?
Geplant war es tatsächlich nicht. Als wir den Song aufgenommen haben, war die Gitarre im Studio so laut, dass wir sie draußen aufgenommen haben. Es war Sommer und es zwitscherten entsprechend viele Vögel. Das Mikrofon war relativ weit weg von der Gitarre, sodass wir das Gezwitscher natürlich mit aufgenommen haben. Irgendwie hat es gepasst. Eigentlich wäre der Song auch nicht der erste auf dem Album gewesen, aber ich fand das Zwitschern einen spannenden Anfang für das Album.

Der Song „Far Away Truths“ hat sogar ein eigenes Jump-and-run-Game. Wie kamst du auf diese Idee?
Die Idee entstand beim Video-Dreh bzw. wegen des Preview-Clips zum Video an sich, wo ich auf einem Genie (Anm.: eine Art selbstfahrende Arbeitsbühne) durch das Bild fahre. Ich fand dieses Ding so lustig und meinte dann, man könnte einfach ein Spiel daraus machen, wie man damit durch die Gegend fährt. Es macht einfach Spaß. Die Band spielt das Spiel gerne, bevor wir auf die Bühne gehen und wir versuchen uns gegenseitig zu schlagen und den Highscore des anderen zu knacken.

Und wie hoch ist dein Highscore?
Ich glaube, irgendetwas zwischen 1.500 und 1.600. Ich komme meistens bis kurz vor dem letzten Refrain. Und jedes Mal denke ich mir: „Wow, die Leute müssen sich den Song aber ganz schön oft anhören.“ Am Ende ist es meist der Vogel, der mich dann erwischt.

Du bist jetzt erst einmal sehr lange auf Tour. Was ist danach geplant? Urlaub und Freizeit? Oder stürzt du dich gleich wieder in die Arbeit?
Wenn die Tour Ende Juli vorbei ist, werde ich erst einmal Motorrad fahren. Keine Tour, sondern auf der Rennstrecke. Darauf freue ich mich jetzt schon. Dann werde ich eine Weile zu Hause sein und mit Sicherheit wieder kreativ werden. Ab September geht es dann wieder auf Tour und deshalb ist die Zeit dazwischen nicht wirklich Urlaub für mich. Das Gefühl habe ich erst, wenn alles erledigt ist. Wenn wiederum zu viel Zeit zwischen den Konzerten liegt, verliert man den Rhythmus, den man hatte, was auch nicht gut ist. Längere Pausen sind also gar nicht so gut. Es ist super, wenn man ein wenig Zeit hat, um zu Kräften zu kommen, aber zu lange Pausen sind nichts für mich.

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