Im Kino:
Where’s the Beer and when do we get paid?

Eine Abrechnung mit Frank Zappa oder was wurde aus Jimmy Carl Black „the Indian of the Group“ von den Mothers of Invention? – ein internationaler Heimatfilm über Sex, Drugs, Rock’n’Roll und keine Rente.

Der Dokumentarfilm über Jimmy Carl Black beginnt vielversprechend. Mit Witz, Ehrlichkeit und kurzen Statements seiner Ex-Bandkollegen aus alten Zeiten. Sex, Drugs, Rock ’n’ Roll, ein Live-Mitschnitt vor einem Konzert in Berlin ’68. Dann ist der Spaß vorüber und wir befinden uns in der Gegenwart.

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Aus dem weltberühmten Schlagzeugstar ist ein alter Mann geworden, der im Keller in Höpfling (Bayern) nach guten Drumsticks für seinen nächsten Gig sucht, weil neue schlichtweg zu teuer sind. Nicht dass Herr Black noch große Lust hat, seine Abende in Bars und Clubs zu verbringen. Wenn er könnte, wäre er längst in Rente. Doch so berühmt er ist, so vermögend wie Frank Zappa wurde er nie.

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Die Filmemacher begleiten Jimmy Carl Black unter anderem auf seiner USA-Tournee, die er mit gut 70 Jahren und einer Hand voll Humor meistert, und zeigen den tristen und langweiligen Alltag eines Musikers. Hotelleben, Soundcheck, fernsehen, Auftritt, Platten signieren und weiterfahren. Dazwischen werden immer wieder Kurzinterviews mit den Bandmitgliedern gezeigt und so kommt nach und nach die Wahrheit über die Vergangenheit ans Licht. Nicht ganz, denn über alles darf Jimmy Carl Black nicht reden. So erfahren wir nie, wie viel lausige Dollar Frank Zappa eigentlich beim Vergleich mit den Mothers-of-Invention-Mitgliedern gezahlt hat.

Einzig irritierend sind die fast zu langen Einspieler von Blasmusikern und Kurzinterviews mit Einheimischen, die wohl als Kontrast gedacht sind, aber im Film leider eher störend wirken und ein stupides, etwas lächerliches Bild auf die Bayern abgeben. Sei es der Kommentar „Rockmusik ist was für Junkies“ oder zu Frank Zappas „vulgärer“ Musik: „Musik ist Kunst und zur Kunst gehört das nicht.“

Der Film zeigt den ehemaligen Star so nah, dass es manchmal weh tut. Er mag vielleicht nicht gefilmt werden, tut es aber sicher auch in der Hoffnung, damit Geld zu verdienen. Er hängt gerne seiner Vergangenheit nach und genießt es, wenigstens bekannt zu sein, wenn schon nicht reich. Ein in die Tage gekommener Musiker, der am Ende sichtbar gezeichnet von seiner Krankheit den Film dennoch mit Humor beendet.

Wenn man über die manchmal wirklich unpassenden Fragen der Filmemacher, („Kann man vom Rolladenbau leben?“, „Wer ist der berühmteste Mensch der Welt?“ oder „Was für ein Auto hatte Jimmy als er Frank Zappa traf?“), hinwegsieht, dann ist „ Where’s the Beer and when do we get paid?“ für jeden Fan und Musikgeschichtsinteressierten absolut sehenswert.

>> Eine Produktion von Böller & Brot.

 

Wir verlosen zum Kinostart am 29. August 5 x 2 Gästelistenplätze +++ Die Verlosung ist vorbei +++

Text: Melanie Leyendecker


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curt München Art Direktion, Redaktionsleitung & Master of Self-Exploitation.