Im Kino: Fack ju Göhte

„Wer heute noch Lehrer wird, muss wahnsinnig sein.“

Entweder das oder ein Verbrecher. So wie Zeki Müller (Elyas M’Barek). Zu dessen Ehrenrettung muss aber gesagt werden, dass er seinen neuen Beruf nicht ganz freiwillig angetreten hat. Wenn es nach dem ginge, müsste er nach dem Verbüßen seiner Haftstrafe sein Diebesgut nur ausbuddeln und gut ist. Leider ist seine gute Freundin Charlie (Jana Pallaske) nicht unbedingt die hellste Leuchte am Himmel und vergrub das Geld auf einer Baustelle, auf der 13 Monate später – welch Wunder – alles etwas anders aussieht. Wo seinerzeit noch Gruben, Bagger und Bierkästen das Bild prägten, steht heute die Turnhalle einer Schule. Wenn Zeki an die Beute will, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich unter der Turnhalle durchzugraben.

Fack Ju Göhte Kino

Nun ist PISA-Peinlichkeiten und Problemschule zum Trotz der Kleinganove einige Jährchen zu alt, um glaubhaft als Schüler durchzugehen. Doch wozu wurde gerade auf der anderen Seite der Schulbank ein Platz frei? Und so wird Zeki mit ein bisschen Glück und sehr viel Schummelei zum Aushilfslehrer ernannt und darf sich in den folgenden Wochen nicht nur mit der Wiederbeschaffung des Geldes auseinandersetzen, sondern auch der berüchtigten No-Bock-Klasse 10 b und der übermotivierten Kollegin Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth), die ähnlich nett und harmlos ist, wie ihr Name andeutet.

„Never change a winning team“ heißt auch in der Filmbranche oft genug die Devise. Und mit 2,4 Millionen Zuschauern stand letztes Jahr „Türkisch für Anfänger“ definitiv auf der Gewinnerseite. Wer könnte es da Regisseur und Autor Bora Dagtekin übelnehmen, dass er auch für seinen neuesten Film auf das alte Erfolgsrezept zurückgreift und dazu mit Elyas M’Barek auch noch denselben Hauptdarsteller verpflichtet? Scharfe Wortgefechte, grobe Gags, kontinuierliche Übertreibungen und das Spiel mit Klischees, dazu zwei Hauptfiguren, die komplett unterschiedlich sind und sich erst noch zusammenraufen müssen – das kennt man alles schon.

Dennoch ist auch „Fack ju Göhte“ ein wirklich spaßiger Film geworden, denn der Teufel steckt im Detail. Und das fängt hier bei den Nebenrollen an. Katja Riemann als Direktorin verkörpert sicher nicht ohne Selbstironie ihre öffentliche Rolle als Biest. Und dass man ausgerechnet Uschi Glas, die in der Reihe „Die Lümmel von der ersten Bank“ in den 60ern selbst die Lehrer in die Weißglut trieb, eine Lehrerin spielen lässt, die aufgrund ständiger Schülerstreiche wiederholt Selbstmordversuche begeht, das war schon eine prima Idee.

Fack Ju Göhte Kino

Der Vergleich mit der 7-teiligen Komödienserie von anno dazumal hinkt jedoch ein wenig. Während damals schon gelacht werden durfte, wenn einem Lehrer Abführmittel verabreicht wurden, müssen heute ganz andere Geschütze aufgefahren werden: Da kleben Exkremente an der Türklinke, Lehrer werden geteert und gefedert. Zeki wiederum hat keine Probleme damit, seine eigenen Schüler mit Paintballgewehren zu beschießen oder sie zu beschimpfen. Das ist dann auch sicher der größere Unterschied, der (Pseudo-)Lehrer von heute ist alles andere als wehrlos und die Geschichte wird auch aus seiner Perspektive erzählt. Beim Urahnen von „Fack ju Göhte“ war der Lehr- gleichzeitig auch ein Fremdkörper.

Zuletzt hat Bora Dagtekin aber auch einen anderen Anspruch. Eine Entwicklung gab es bei Pepe und den anderen Lümmeln damals nicht, die einzelnen Teile blieben austauschbar. Bei „Fack ju Göhte“ hingegen wurde, wenn auch eher mit der Holzhammermethode, noch eine Moral in die Geschichte gehauen. Am Ende haben natürlich alle Figuren, Lehrer wie Schüler, etwas fürs Leben gelernt und sind bessere Menschen geworden. Aber selbst diese Vorhersehbarkeit verzeiht man dem Film, denn im Grunde geht es nur darum, hier etwas Spaß zu haben. Und den haben nicht nur die Schauspieler – M’Barek genießt es sichtlich, wieder den Macho geben zu dürfen –, sondern am Ende sicher auch wieder das Publikum. Und die Moral von der Geschichte: Manchmal ist es gar nicht so verkehrt, beim Gewinnerteam zu bleiben.

Fazit: Vorhersehbar, grob, übertrieben, aber eben auch sehr witzig: Bora Dagtekin und Elyas M’Barek führen bei ihrer Schulkomödie „Fack ju Göhte“ routiniert das Erfolgsrezept von „Türkisch für Anfänger“ fort.

Wer es nicht ins Kino schafft und auch nicht auf die DVD warten will, der darf trotzdem den Wortgefechten von Elyas und Co. lauschen: Wir verlosen 3 x das Hörspiel zu „Fack ju Göhte“ mit den Originalsprechern des Films. Schickt uns dafür eine E-Mail mit Name, Adresse und Stichwort „Fack ju Göhte“ an willhaben@curt.de.

Die Verlosung ist beendet, die Hörspiele wurden verschickt.

TEXT: Oliver Armknecht


1 Kommentare

  1. […] unbedingt immer zum Lachen. Filme darüber schon. Manchmal. Zumindest zielten deutsche Filme wie „Fack Ju Göhte“ oder „Frau Müller muss weg“ in erster Linie aufs Zwerchfell, wenn sie sich über Schüler, […]

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