Im Kino: Conjuring
Die Heimsuchung

Wer schon ein, zwei – oder fünfzig – Horrorfilme gesehen, der weiß, dass es beim Kauf eines alten, lange verlassenen Hauses ein paar Dinge zu beachten gilt. Unzugängliche Keller sind nicht ohne Grund unzugänglich. Altes Kinderspielzeug sollte besser nicht dem eigenen Nachwuchs gegeben werden. Und falls dein Hund aufgeregt das neues Heim anbellt und sich weigert, auch nur eine Pfote hineinzusetzen, dann dreh um, starte den Wagen und kehre nie wieder zurück. Nun sind die Leute in den 1970ern natürlich noch nicht ganz so erfahren darin wie wir, die Zeichen zu lesen, weshalb Carolyn (Lili Taylor) und Roger Perron (Ron Livingston) alle unerklärlichen, mitunter unheimlichen Ereignisse ignorieren – zu groß ist die Freude, für sich und die fünf Töchter endlich ein richtiges Zuhause gefunden zu haben.

Conjuring Die Heimsuchung Kino

Wirklich verdenken kann man ihnen das nicht einmal, dafür macht das Anwesen, vom Staub und Gerümpel einmal abgesehen, einfach zuviel her und ist direkt neben einem See sogar noch überaus idyllisch gelegen. Da sieht man schon einmal darüber hinweg, wenn nachts plötzlich alle Uhren stehenbleiben, Türen geöffnet, dann wieder geschlossen sind, und die Tochter von unsichtbaren Freunden erzählt, die im Haus wohnen. Doch mit der Zeit werden diese Ereignisse immer häufiger, intensiver, furchteinflößender. So furchteinflößend, dass sie irgendwann Hilfe bei Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga) suchen. Und das keinen Moment zu früh, denn die bekannten Psi-Wissenschaftler und Dämonologen stellen fest, dass die 7-köpfige Familie die Geister der Vergangenheit geweckt hat; und nicht alle davon sind den Perrons wohlgesonnen.

Viele Jahre hatte es den Anschein, als seien Filme über Geister, Dämonen und Besessenheit dazu verdammt, ihr Dasein in versteckten Ecken der Videotheken zu fristen. Umso erfreulicher, dass in der letzten Zeit auffallend viele ihren Weg in die heimischen Kinos fanden, von „Possession – Das Dunkle in Dir“ über „Sinister“ bis zu „Mama“ und „Evil Dead“. Am ehesten drängt sich hier jedoch der Vergleich mit „Insidious“ auf, nicht nur wegen der thematischen Ähnlichkeit. In beiden Fällen führte James Wan („Saw“) Regie, Patrick Wilson übernahm jeweils eine der Hauptrollen. „Conjuring – Die Heimsuchung“ ist dabei sowohl inhaltlich als auch vom Setting her weniger fantasievoll ausgefallen als der hoch gelobte Film von 2010. Das liegt aber auch ein wenig an der Natur der Sache: Konnten bei „Insidious“ noch alle Beteiligten ihrer Kreativität freien Lauf lassen, beruht Wans neuester Film auf wahren Begebenheiten – Ed Warren ist der selbsternannte Dämonologe, der seinerzeit auch Amityville dokumentiert hat – das schränkt einen bei den Möglichkeiten ein.

Dafür kann Wan bei der Umsetzung der Geschichte seine gesammelten Horror-Erfahrungen bestens einbringen. Natürlich, wirklich neu ist auch bei „Conjuring – Die Heimsuchung“ nur wenig. Gesichter in Fenstern, seltsame Verletzungen, Bilder, die zu Boden fallen – das hat man alles schon woanders gesehen. Aber was der Film macht, das macht er gut. Und den ein oder anderen originellen Einfall findet man auch hier. Vor allem die Kamerafahrten erlauben ungewohnte Perspektiven und alte Kinderspiele wird man nach den knapp zwei Stunden sicherlich mit ganz anderen Augen sehen. An der Besetzung ist ebenfalls nichts auszusetzen; die Schauspielriege ist solide, Lily Taylor sogar ausgesprochen gut. Weniger gelungen ist hingegen die musikalische Hintermalung. Dass diese einen auf wichtige, dramatische Momente vorbereiten soll – geschenkt. Dennoch wäre das sicher auch etwas subtiler gegangen, da verlässt man sich hier ein wenig zu sehr auf die Holzhammermethode. Aber spätestens beim temporeichen, spannenden Finale wird da ohnehin keiner mehr drauf achten.

Conjuring Die Heimsuchung Kino

Eigentlich hätte „Conjuring – Die Heimsuchung“ bereits Anfang des Jahres anlaufen sollen, doch die Reaktionen beim Publikum fielen so positiv aus, dass man den Start auf August verschob – in der Hoffnung, einen der heiß begehrten Sommer-Blockbuster geschaffen zu haben. Das mag vielleicht ein wenig hoch gegriffen sein, für gute Unterhaltung sorgt der Horrorfilm aber allemal. Und vielleicht hilft er ja dabei, dass sich der positive Trend verstärkt und noch mehr Genrevertreter ihren Weg zurück ins Kino schaffen. Wenn sie so ausfallen wie hier, dürfte daran niemand etwas auszusetzen haben.

Fazit: Neues Haus, alte Geister – basierend auf einem Fall des berühmten Geisterjägers Ed Warren erzählt „Conjuring – Die Heimsuchung“ eine im Grunde altbekannte Geschichte. Da James Wan diese aber sehr effektiv in Szene setzt und auch die Schauspieler solide bis sehr gut sind, erwartete den Zuschauer hier gute Horrorkost.

TEXT: Oliver Armknecht


About Mirjam Karasek

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Quasselstrippende Lektorin und Mutter eines ebenfalls sehr redseligen jungen Kerlchens. Geht gerne auf Überraschungskonzerte und Flohmärkte, liebt Kommas an der richtigen Stelle, 70er-Jahre-Lampen ... Seit drei Jahren mischt sie bei curt als Online-Redakteurin und als Lektorin/Schlussredakteurin beim Magazin mit.