Im Gespräch: Thomas Mars
von Phoenix

Am 20. September startete die Indie-Pop-Band Phoenix ihre Tournee in Atlanta, USA. In Deutschland sind sie gerade mal vier Städten live zu sehen –> am 19. November auch im Münchner Zenith. Vorab beantwortete Sänger und Frontmann Thomas Mars unsere Fragen – ein multilinguales Interview rund um Pop-Stars, Helden und einen Pfirsich.

Wenn sich vier Teenager in einer französischen Kleinstadt, genauer gesagt in Versailles, in einem Keller treffen, um gemeinsam Musik zu machen, klingt dies zunächst sicher nicht nach dem ganz großen Wurf. Den Brüdern Christian Mazzalai und Laurent Brancowitz (ehemals Gitarrist von Daft Punk), Bassist Deck D’Arcy und Sänger Thomas Mars aber gelang das Kunststück. Was mit dem Debüt „United“ von 2000 seinen respektierlichen Anfang nahm, erreichte mit dem vierten Album „Wolfgang Amadeus Mozart“ seinen vorläufigen Höhepunkt: Phoenix erhielt 2010 den Grammy für das beste Album in der Sparte Alternative Musik.

Wolltest du schon immer Pop-Star werden? Und habt ihr diesen Erfolg erwartet?
We thought it would be like that when we met at school. We were kids turning into teenagers. Then it didn’t happen as soon as we thought it would so we forgot about it. Now we’re in denial.

Mit den blonden verwuschelten Haaren und seinem Lausbubengesicht ist Thomas sicherlich der Traum vieler junger Mädchen, auch wenn er mit der Drehbuchautorin und Regisseurin Sophia Coppola glücklich verheiratet ist und zwei Töchter hat. Er steht auf der Bühne im Mittelpunkt des Geschehens, die Mädchen kreischen. Auf YouTube sind Kommentare wie „They are fucking Gods“ nicht selten.

Wie fühlt es sich an, ein Gott zu sein?
I can’t answer that question seriously.

Nun gut, Thomas ist bescheiden, zeigt bei allem Erfolg keinerlei Starallüren. Ist es vielleicht so, dass er in Wirklichkeit ein richtig Braver ist, der von einem ganz normalen Alltag träumt?

Wünscht du dir nicht manchmal, in einem Büro zu arbeiten: täglich um sechs Uhr abends Schicht, Zeit für die Familie, deine Kinder, Fernseh schauen …?
We do fantasize a very scheduled life. The way we work changed a bit especially before „Wolfgang Amadeus Mozart“. It felt like the best of both worlds.

Und was, wenn der Erfolg ausgeblieben wäre? Hattest du berufliche Alternativen?
No alternatives. We pretty much destroyed any lead that would not make us musicians. Music was there form the start, as soon as we met and it was never a hobby. We always took it very seriously. If we would have done something else I think it would still have to involved the four of us.

Im April dieses Jahres nun das fünfte Studio-Album: „Bankrupt“ – ein ungewöhnlicher Name! Warum?
We liked it because it didn’t really exist in the music world. It’s a very corporate title. Maybe it’s us wanting to work in an office but not really because the company goes bankrupt. One of the inspiration was Andy Warhol’s headline series. I also like the fact that it plays with different values and that there are a lot of contradictions in this title.

Phoenix Bankrupt

Wie sieht es mit dem Cover aus? Warum habt ihr euch für einen Pfirsich entschieden?
It is our still life – Notre nature morte. We liked this idea of putting something that is usually used by food companies. This peach on a cool grey 7C pantone that we chose precisely because it is the less distracting non-color existing, something that requires the less energy, something you will never focus on usually.

Die Besprechungen für das neue Album „Bankrupt“ sind sehr positiv, aber nicht so überschwänglich wie für den Grammy-Vorläufer. Einige Kritiker bemängeln, dass ihr angestrengter klingt, nicht mehr so typisch easy-going.

Geht dir das zu Herzen? Überhaupt: Liest du alle Besprechungen?
The first review we ever had for „United“ was in an English magazine and we got 0 out of 10. It was incredible. My favorite review so far. I read the very bad ones and the very good ones my parents send me. I like both extremes. I don’t feel like any album is better than the other one to us.

Aber war es wirklich schwieriger für euch, das neue Album zu produzieren? Immerhin waren die Erwartungen sehr groß?
Each time we go back in the studio it is the same idea that we have to learn how to write a song again. The pressure we put on ourselves is way bigger than any pressure that outsiders can put on us.

Am 19. November spielt ihr in München! Schon mal dagewesen?
Yep!

Geht es ein bisschen ausführlicher? Habt ihr Zeit, die Stadt zu sehen? Irgendwelche Pläne für München?
I think we will have time to see a few things. I’m starting to know the city enough to have a little routine while visiting.

Was München und seine Pläne angeht, hält sich Thomas also bedeckt. Wer ihn und seine Freunde am 19. November sehen will, sollte sich also zeitig Karten fürs Zenith besorgen.

Und nach der Tour, was kommt dann? Werdet ihr weiterhin neue Alben aufnehmen, auf Tournee gehen, in Interviews immer die gleichen Fragen beantworten? Rocking the house till the end?
We take it a week at a time. We do like to change our own rules so I’m not sure what we will do but I know it will include the four of us. I think we know we’ll have each other for the rest of our lives. So we are not that much in a hurry to make plans.

Und weil Thomas eine deutsche Mutter hat, wollten wir zum Schluss noch wissen, wie es um sein Deutsch bestellt ist.

Finalement, est-que tu peux me dire une phrase en allmand?
Du hast dich bemüt auf französich zu schreiben, also sicher kann ich auf deutsch für dich eine Zelle schreiben. Bussi!

Bussi zurück und danke, Thomas, für das Gespräch.
Das Interview führt Mirjam Karasek.

 


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Quasselstrippende Lektorin und Mutter eines ebenfalls sehr redseligen jungen Kerlchens. Geht gerne auf Überraschungskonzerte und Flohmärkte, liebt Kommas an der richtigen Stelle, 70er-Jahre-Lampen ... Seit drei Jahren mischt sie bei curt als Online-Redakteurin und als Lektorin/Schlussredakteurin beim Magazin mit.