Im Gespräch: MAXïMO PARK

Am 31. Januar war es soweit: MAXïMO PARK brachte das fünftes Album „TOO MUCH INFORMATION“ heraus. Am Dienstag, den 18. Februar, ist es dann nochmal soweit: MAXïMO PARK geben in München in der Theaterfabrik ein Konzert. curt konnte vorab dem MAXïMO PARK-Gitarristen Duncan Lloyd ein paar Fragen stellen.


Maximo Park — Brain Cells – MyVideo

Album Release am Freitag, den 31. Januar 2014, dann eine Europa-Tournee, eine UK-Tournee: ein Haufen Arbeit! Warum bespielt ihr erst den Kontinent?

DUNCAN LLOYD: Wir mögen es, Sachen durcheinanderzubringen. Es ist ja ein Neustart und da fühlt es sich gut an, in Europa zu beginnen und dann durch Großbritannien zurückzukommen.

Es wurde verkündet, dass ihr neben dem neuen Album auch ein Bier mit dem Namen „Maximo No. 5“ herausbringt. Wo verkauft ihr es? Nur bei der UK-Tour? Es handelt sich ja um Ale, eine in Deutschland nahezu unbekannte Biersorte. Möglicherweise könnt ihr bei uns mit dem Maximo-No. 5-Ale einen Reibach machen.

Einige der Veranstaltungsorte, an denen wir auftreten, werden sich bei der Brauerei Mordue einen Vorrat von unserem Bier bestellen. Die Brauerei liefert ja landesweit. Aber wir verkaufen das Bier auch am Verkaufsstand bei den Konzerten. Hoffentlich bleibt da etwas übrig. Vor allem, wo wir die Tour auf dem Kontinent anfangen.

Alternativ könnt ihr die Brauerei Mordue selbst anrufen. Das sind großartige Jungs und die helfen gern.


Maximo Park — Leave This Island – MyVideo

„Leave this island“ and „Brain Cells“ klingen sehr nach 80er-Jahre. Hat das eine politische Bedeutung? Ist das ganze Album im Stil der 80er-Jahre gehalten? Bezieht sich der Albumtitel „Too much information“ auf die Welt der 80er-Jahre ohne Internet?

Ehrlich gesagt hatten wir gar nicht groß die Absicht, diese Lieder nach den 80ern klingen zu lassen. Das Album selbst ist sehr unterschiedlich in den Stilrichtungen. Einige Songs sind eher minimalistisch und elektronisch, andere sind weitläufiger, offener und gitarren-orientierter. Wir wollten eine Platte machen, die spontan ist, und waren uns einig, nicht zu viel zu analysieren. Viele der Tracks wurden geschrieben und auch fast sofort aufgenommen, an den gleichen paar Tagen. Wenn du die Sachen eher instinktiv angehst oder experimentell laufen lässt, dann kommen oft die interessanteren Ergebnisse heraus. Wir sind erst gerade dabei herauszufinden, wo alles so herkam.

„Too much information“ ist nicht so sehr ein politisches Album. Es bezieht sich mehr auf Herzensdinge und, ganz ehrlich, das kann manchmal natürlich zu viel sein. Zudem ist es ein sehr vielfältiges Album, das vielleicht zu viele Informationen birgt beim erstmaligen Hören. Wenn man sich Zeit nimmt, öffnen sich die Lieder immer mehr, je länger man sie anhört. Wir mochten diese Idee als Titel. Es bezieht sich auf das, was wir mit unseren Liedern machen.

Ich habe gelesen, das ihr den französischen Film „Hass“ gesehen habt, was zu dem Lied „Banlieu“ auf dem Album „The National Health“ geführt hat. Gibt es auf dem neuen Album auch Lieder, die von Filmen inspiriert wurden?

Das Lied „Her name was Audre“ ist beeinflusst von einem Film über das Leben der (amerikanisch-karibischen) Dichterin Audre Lorde. Das ist etwas, was wir erforschen wollen, und obwohl es subtil ist, können solche Einflüsse wie Filme z. B. ein Auslöser sein, um Texte mit Impuls zu schreiben.
Unsere Texte sind auch oftmals von Büchern beeinflusst. Der schottische Autor Alan Warner hat uns zu „Leave This Island“ angeregt.

Interessiert ihr euch für Politik? Klar, ihr seid ja „Northeners“.

Politik betrifft jeden und wie wir leben. Ich denke, die meisten Leute sind bis zu einem gewissen Grad politisch, aber das System in unserem Land ist kein System der Gleichheit und nutzt nicht die erfahrenen Menschen, die es weit und breit gibt. Besonders, was neue Ideen und Problemlösungen angeht. Wenn es um Politik geht, machen die Leute hier gleich dicht angesichts der leeren Rhetorik. Der ganze Haufen in der Regierung, der aus einem Hintergrund privilegierter Bildung kommt und eine Selektion in demselben System von Vorurteilen hinter sich hat, um dahin zu kommen, wo sie jetzt sind, ist alarmierend. Die Wahrheit ist, dass sie weder die Erfahrung noch den Mut haben, um ernsthaft positive Veränderungen herbeizuführen.

Wir brauchen eine Erneuerung! Ich hoffe, meine Generation beginnt diesen Prozess und wertschätzt die Jugend um einiges mehr als das aktuelle Pack.

Was ist los mit den jungen Leuten im Norden Englands? Verlassen sie die Insel?

Leute verlassen diese Insel und Leute kommen auf diese Insel. Sie ist ein Hafen für Flüchtende und ein Ort, von dem Menschen einen Abflug machen. Sie ist eine Drehtür – liebe sie oder hasse sie, das ist es, was sie so interessant macht.

Danke, MAXïMO PARK, für das Gespräch.
Das Interview führte Sonja Pawlowa.