Im Gespräch: LÖWE

LÖWE, das sind die vier Jungs Konrad Wißmath (Gesang, Gitarre), Michael Löwe (Gitarre), Benjamin Paska (Schlagzeug) und Michael Negoita (Bass). „II“, das neue Album der aufstrebenden Münchner Band haben wir euch schon vorgestellt. Dieses Mal sind die Leute dahinter an der Reihe. Dafür haben wir uns vor Kurzem mit drei der vier Bandmitglieder getroffen und sie etwas über den Werdegang ausgequetscht. Und natürlich auch darüber, wohin die Reise denn gehen soll.

Wie seid ihr dazu gekommen, zusammen eine Band zu gründen?
Konrad: Wir haben uns tatsächlich auf einer Party kennengelernt, Michael und ich. Wie das halt auf Partys so ist, einer packt die Gitarre aus – in dem Fall er – und wir haben gesungen. Und da hat er mich quasi wegrekrutiert. Danach haben wir auch angefangen, auf der Straße zu spielen, einfach mal so just for Fun und haben festgestellt, das funktioniert total super. Du hast eben nicht so die Barriere wie auf der Bühne. Das ist immer: wir oben, die unten. Auf der Straße sind wir mehr alle zusammen. Wir versuchen das dann natürlich auch auf Konzerten so ein bisschen aufrechtzuerhalten. Deswegen könnte man sagen, wir sind ne sehr nahe Band.

Löwe Band

LÖWE beim Nürnberger Bardentreffen 2013


Und wie bist du dazu gekommen?

Nego: Ja, ich hab die Leute beim Konzert gesehen und fand’s super. Die Texte waren gut, die Musik war auch so, wie ich es selber gemacht hätte. Ich hab sie dann angequatscht und es hat einfach gepasst. Deutsche Musik war zwar nie so meins, die beiden haben mich aber fasziniert.

Wenn du eigentlich keine deutsche Musik magst, warum macht ihr dann nicht wie andere was auf Englisch? Das war ja früher zumindest der Standard.
Konrad: Also, ich hab früher auch viel Musik auf Englisch gemacht mit den ganzen anderen Bands, die ich damals so hatte. Die Texte waren immer ziemlich schlecht, muss ich jetzt mal sagen. Wenn man kein Native Speaker ist, ist der Text mehr Mittel zum Zweck.
Nego: Genau, dann nimmt man nur noch Wörter, die gut klingen. Passion zum Beispiel.
Michael: Also, ich hab von Haus aus gesagt, ich möchte nur deutsche Musik machen. Von daher stand das eigentlich nie zur Debatte.
Nego: Man kann sich einfach besser ausdrücken in der Muttersprache. In der denkt man, in der spricht man. Außerdem gibt es jetzt auch mehr deutschsprachige Vorbilder, Leute, die das schon gemacht haben. Und man wird dann natürlich dadurch beeinflusst, wen man so hört.

Wer sind denn so eure Vorbilder?
Konrad: Ja, ich glaube, wir sind alle mit den Chili Peppers aufgewachsen. Dann Coldplay, auf die fahren wir alle ziemlich drauf ab. Grönemeyer natürlich auch. Bei den deutschsprachigen Sachen auf jeden Fall Bosse. Das ist für mich so ganz oben.
Michael: Philipp Poisel. Und dann gibt es natürlich auch die großen Bands wie U2, die soundlich was verändert haben. Bands, die neue Klangwelten geschaffen haben, die einfach einzigartig sind. Dave Matthews finde ich auch toll.
Nego: Und John Mayer!

Da ihr erwähnt habt, wie wichtig euch die Texte sind – wie entsteht bei euch ein Lied? Zuerst Text und dann Musik drumherum? Oder ist zuerst eine Melodie da?
Konrad: Es gibt da verschiedene Varianten. Einmal die Variante: Es gibt ein Stück Musik und ich gehe durch meine Texte, die ich sowieso schon geschrieben habe, und schaue, ob einer davon draufpasst. Dann gibt es auch: Text geschrieben und wir machen jetzt Musik, die von der Stimmung her dazu passt. Es gibt alle Varianten eigentlich. Bei uns ist es also nicht so, dass es einen Standardstiefel gibt. Manchmal entsteht bei einem Jam auch alles auf einmal.

Schreibt ihr die Lieder dann eher alleine oder gemeinsam?
Michael: Auch da gibt es eigentlich alles. Wenn du dir die Platte anschaust, dann sind die meisten Stücke zusammen komponiert und geschrieben.
Nego: Wobei der Impuls meistens von einer Person kommt.
Konrad: Stimmt, und das kann dann ein Textfetzen sein, eine Melodie, ein Stück Musik.
Michael: Es ist auf keinen Fall so, dass einer ankommt mit dem Ziel, einen eigenen Song zu schreiben, an dem gar nichts mehr verändert werden darf. Die Ideen werden allen gezeigt und jeder gibt dann seinen Senf dazu. Man kuckt dann, arrangiert um, bis es allen passt und sich jeder wohl fühlt.
Konrad: Auf diese Weise klappt das ganz gut, denn jeder von uns hat eigentlich einen anderen Musikgeschmack und schreibt eine andere Art von Songs. Die kommen dann in den Pool, werden zusammen ausgearbeitet und am Ende klingt es dann nach LÖWE. Ich finde das ganz interessant, denn die Stücke klingen alle ganz unterschiedlich aber dann doch wieder aus einem Guss. Es gibt ja viele Acts, wo du sagen kannst: Kennst du einen Song, kennst du alle Songs.

Wenn ihr alle Lieder zusammen entwickelt, dauert das aber bestimmt länger. Wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet?
Konrad: Es lief immer in Portionen. Wir haben drei Songs produziert, die dann als Demo rumgeschickt. Dann haben wir noch mal drei Songs produziert und rumgeschickt als 6-Songs-Paket. Dann hatten wir irgendwann neun Songs. Es war dann irgendwann das ganze Album fertig in Demoportionen. Dann haben wir es aber eigentlich relativ schnell fertig gemacht.
Michael: Wir haben einen ganz großen Pool an Songs. Wir könnten praktisch B- und C-Platten machen, wenn wir wollten. Die schwierige Aufgabe war dann vielmehr: Welche Songs nehmen wir raus? Aber das Aufnehmen, Produzieren, bis es endlich fertig war, das waren drei vier Monate.
Konrad: Es ist natürlich auch so, dass wir noch nicht so weit sind zu sagen: Wir nehmen uns drei Monate frei, das zahlt sich alles von selbst. Wir sind stattdessen meistens abends und am Wochenende zu unserem Schlagzeuger in Augsburg gefahren. Der ist glücklicherweise Studiobesitzer und auch so ein bisschen Produzent. Der hat dann quasi das Album mit uns gemacht. Das war also eher ein Nachmittags-Abend-Album.
Nego: Ein After-Work-Album.

Wenn es sich noch nicht von selbst zahlt, braucht ihr sicher noch andere Einnahmen. Was arbeitet ihr denn, wenn ihr nicht gerade als LÖWE unterwegs seid?
Konrad: Wir sind alle Musiker und unterrichten von Montag bis Mittwoch. Und ab Donnerstag dann eben Band. Es ist zumindest so, dass wir seit einer guten Weile aus den roten Zahlen raus sind. Es ist am Anfang natürlich so, dass es wahnsinnig viel kostet, das ganze Zeug aufzutreiben, das Equipment usw. Und dann ist das auch immer die Entscheidung: Behalte ich das verdiente Geld für mich oder stecke ich es wieder rein in die Musik? Und wir stecken es wieder rein. Es soll halt weitergehen.

Ihr seid da also schon etwas ambitionierter.
Konrad: Auf jeden Fall!

Und wo soll es hingehen?
Nego: Weiterhin in die Herzen der Menschen. Wir wollen ja auch weiterhin auf der Straße unsere Musik machen. Das ist also nicht nur eine Stufe für uns.
Michael: Wir wollen das auch ein bisschen kombinieren. Wir haben eine Tour im November. Und da haben wir den Plan, dass wir um das Ganze auch noch ein bisschen zu bewerben uns am Tag davor auf die Straße stellen und spielen. Letztendlich haben wir uns über das Straßenspielen ja auch alle kennengelernt und sehen das als Teil unserer Geschichte.

Dankeschön, LÖWE, für das Gespräch!
Das Interview führte Oliver Armknecht.