Im Gespräch: Damien Jurado

Stecken Drogen dahinter oder eine neu entdeckte Spiritualität?

Fast zwei Monate ist es nun schon her, dass wir euch das ebenso wunderliche wie wunderbare neue Album von Damien Jurado vorstellen konnten. Zwischenzeitlich trat der amerikanische Singer-Songwriter in München auf und curt nutzte die Gelegenheit, ihn ein bisschen über den Entstehungsprozess von „Brothers and Sisters of the Eternal Son“ auszuquetschen. Aber auch darüber, was es heißt, seit 17 Jahren schon Musik zu machen.

Du bist derzeit auf Tour für dein neues Album. Worum genau geht es in „Brothers and Sisters of the Eternal Son“?
Es ist die Fortsetzung zu meinem letzten Album „Maraqopa“. Damals ging es um diesen Typen, der sich auf eine Suche nach sich selbst begibt und dabei in eben dieser Stadt Maraqopa landet. Und das neue handelt von seiner Zeit dort. Den ganzen Erfahrungen, die er dort sammelt. Der Unterschied zwischen den beiden Alben ist, dass das hier geschrieben wurde, als wärst du auf dem Boden. Im Unterschied zu dem anderen, wo du eine Fliege an der Wand bist. Verstehst du, was ich meine? Du weißt schon, Ich-Perspektive anstatt aus der dritten Person. Das erste ist mehr eine Art Beobachtung, während es hier so ist, als wärst du wirklich dort. Du bist als Zuhörer irgendwo zwischen Beobachter und Teilnehmer.

Und wie kamst du auf die Idee für diese Geschichte?
Es basiert alles auf einem Traum, den ich mal hatte. Beim ersten Album habe ich einfach aufgeschrieben, was in meinem Traum vor sich ging. Das zweite ist dann die Fortsetzung von dem, was passiert ist.

Dann ist es also eine Art Konzeptalbum?
Ja, würde ich schon sagen.

Wie ist das, wenn du mit dem Album auf Tour bist? Normalerweise spielt man ja einen bunten Mix aus früheren Alben. Das ist aber schwierig, wenn man ein Konzeptalbum vorstellt. Müsste man die Lieder nicht in Folge hören?
Nein, das Konzept gilt nur für das Album. Wenn du live auftrittst, dann um dein Publikum zu unterhalten. Es ist so, als würdest du verschiedene Kapitel eines Buches vorlesen. Da spielt es keine Rolle, welche Kapitel du aussuchst. Ich versuche auch gar nicht, das Album auf der Bühne nachzubauen.

Nehmen wir mal an, du müsstest genau das tun. Wie würdest du das tun? Wie sieht dieses Maraqopa aus?
Das ist schwer zu beschreiben, wenn du nie dort warst. Es ist wie eine Mischung aus Arizona und Wyoming, also aus einer Wüste und einer Steppe. Die Leute leben in Kuppeln und es ist alles sehr karg dort.

Ah, das erklärt das Cover von „Brothers and Sisters of the Eternal Son“. Einige Sachen verstehe ich aber immer noch nicht. Worauf bezieht sich zum Beispiel der Titel des Albums?
Auf die Leute in Maraqopa. Das ist der Name, den ich ihnen gegeben habe.

Und was hat es mit dem vielen Silber auf sich? Warum starten fünf der zehn Lieder auf dem Album mit dem Wort „Silver“?
Das ist der Vorname der Leute, die dort leben. Sie heißen dort alle „Silver“.

Okay, so langsam fügen sich die Puzzleteile zusammen. Dann lass uns noch ein bisschen über deine Musik allgemein reden. „Brothers and Sisters of the Eternal Son“ ist dein 11. Album in 17 Jahren. Was eine ganze Menge ist. Was ist das Geheimnis deiner Produktivität?
Einfach nicht faul sein, schätze ich mal. Ich sehe nicht den Sinn darin, dass Band zweieinhalb bis drei Jahre warten, bis sie ein neues Album rausbringen. Es gab mal eine Zeit, da veröffentlichten Bands 3-4 Alben pro Jahr. Das macht heute keiner mehr. Wobei ich mir wünschen würde, dass sie es noch machen würden. Dass jeder einfach so viel veröffentlicht, wie er will. Außerdem sind meine Alben nicht besonders lang. Wahrscheinlich könnte ich sogar mehrere Alben pro Jahr aufnehmen.

Aber du willst nicht?
Oh doch, aber ich darf nicht. Mein Label will, dass ich mehr Zeit zwischen den Alben lasse.

Damit mehr Zeit ist, sie zu verkaufen?
Ich weiß nicht, ob ich wirklich daran glaube. Im Moment bin ich ja auf Tour für das neue Album, habe aber immer noch das Gefühl, das wäre die Tour von „Maraqopa“. Ich sehe so viele Leute online, die jetzt erst „Maraqopa“ entdecken. Vor mehr als einem Jahr habe ich einen Mann getroffen, der noch bei „Saint Bartlett“ bleiben wollte, obwohl „Maraqopa“ schon draußen war. Er war einfach noch nicht bereit für ein neues Album. Vielleicht geht es nur mir so, aber ich habe das Gefühl, immer noch mitten in einem Jahr zu sein, das nie geendet hat. Der Kalender sagt zwar, wir hätten ein neues Jahr, aber es fühlt sich einfach nicht danach an. Ich selbst bin auch noch nicht bei „Brothers and Sisters of the Eternal Son“ angekommen. Ich finde, es ist ein tolles Album geworden und ich bin wirklich stolz drauf. Aber ich bin noch nicht so weit, mich dem neuen völlig hinzugeben.

Aber wäre es dann nicht besser, jetzt eine Pause einzulegen, bis du so weit bist?
Nein, denn ich rede hier von meinem geistigen Ich, nicht meinem kreativen Ich. Das sind zwei verschiedene Sachen. Und meine kreative Seite sagt die ganze Zeit: das nächste, das nächste! Deswegen habe ich auch schon die ersten Lieder für ein neues Album geschrieben. Ich hoffe, dass ich es bis Ende des Jahres aufnehmen kann, sodass es nächstes Jahr schon erscheint. Herbst 2015, das wäre so mein Ziel.

Bei einem derart großen Output muss die Zeit wie wahnsinnig verfliegen. Wenn du auf die vergangenen 17 Jahre zurückblickst, was hat sich geändert?
Darüber habe ich gerade die Tage mit einem spanischen Journalisten gesprochen. Der Unterschied zwischen meinem ersten und meinem neuen Album sind 17 Jahre, mehr nicht. Es gibt ansonsten keinen Unterschied. Ich war begeistert von meinem ersten und bin es auch heute von meinem aktuellen. Vom Stil her ist es ein bisschen anders. Aber das Ziel ist immer noch dasselbe. Zwischendurch habe ich das etwas aus den Augen verloren und habe Alben aufgenommen, die nicht wirklich ich waren. Habe nicht die Musik gemacht, die ich hätte machen sollen. Mein erstes Album war damals nicht angenommen worden und deswegen hatte ich etwas anderes versucht. Würde es heute rauskommen, dann denke ich, dass es angenommen würde. Umgekehrt wäre „Brothers and Sisters of the Eternal Son“ sicher auch abgelehnt worden, hätte ich es 1997 veröffentlicht.

Was vermutlich auch daran liegt, dass man das Album schwer einordnen kann. Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben?
Ich glaube, man kann sie nicht beschreiben. Früher mal, ja. Aber jetzt nicht mehr. Das war sogar mein ursprüngliches Ziel: Musik zu machen, die einfach anders ist.Ich selbst mag alle möglichen Arten von Musik. Und ich wollte deshalb meinen ganz eigenen Sound erschaffen. Mein eigenes Genre. Es ist eine Mischung aus allem. Und das mag ich.

Wir danken für das Gespräch!

Einige Erkenntnisse reicher ließen wir es uns nicht nehmen, Damien noch zwei CDs signieren zu lassen, die ihr mal wieder bei uns gewinnen könnt. Schreibt uns eine Mail mit Betreff „Damien Jurado“, Name und Anschrift an willhaben@curt.de und verratet uns: Was war der verrückteste Traum, den ihr mal hattet?

TEXT: Oliver Armknecht

 Unsere Verlosung ist beendet, die signierten CDs wurden verschickt.