Im Gespräch: Fehlfarben

Neulich in Bayern, genauer gesagt im Münchner Feierwerk, wurde es eines Abends richtig laut. Als die Herren und die Dame von Fehlfarben ihren Weg dort auf die Bühne fanden, um wieder einmal zu zeigen, was noch so alles in ihnen steckt – aber bevor es so richtig zur Sache ging, haben Peter Hein und Kurt Pyrolator Dahlke nicht nur ein paar Fragen beantwortet, sondern auch das neue curt signiert.

Wenn ihr an München denkt, was kommt euch außer Oktoberfest und Bier in den Kopf?
Pyrolator: Zündfunk, BR, also Radio und Kultur kommen mir als erstes in den Kopf! Peter: Bisschen weit weg, um nach der Arbeit loszufahren für einen Gig, wie wir das früher immer gemacht haben. Das war arschanstrengend, immer im Stau, bis man da ist.

Ihr wart schon öfter in München?
Peter: Ja, zu diversen Gelegenheiten unter diversen Umständen.

Wo spielt ihr am liebsten in Deutschland?

Peter: Wir spielen ziemlich gerne in kleinen Städten im Süden. Da ist es eigentlich immer am lustigsten. Die großen Städte sind eh alle gleich. München ist im Prinzip wie Hamburg oder Berlin oder Köln oder was weiß ich. Also, das ist gar nicht so unterschiedlich, vor allem, wenn es, was weiß ich, 300 Leute hat, oder so, das sind überall die gleichen. Aber in kleinen Städten, die man nicht kennt, ist es immer super. Ansonsten spielen wir da, wo gezahlt wird.

Ihr promoted gerade euer neues Album „Xenophonie“. Wie seid ihr auf den Namen gekommen?

Peter: Auf den Namen wurde viel Denkleistung erbracht. Da gab es erst ein Feierabendbiergespräch nach der Fertigstellung der Aufnahmen mit Moses, dem Produzenten, der irgendwas erzählt hatte, wie fremd ihm alles, was gerade lief, wäre. Aus irgendwelchen Gründen, die dann nicht mehr so genau nachvollziehbar sind, kam in einer relativ einsam geführten Schlussdebatte der Versuch auf, keine lustigen, langen deutschen Titel und keine unlustigen, kurzen deutschen Titel zu nehmen, sondern einfach was anderes. Und dann hab ich gesagt, gefälschtes Griechisch ist immer noch besser als nicht gekonntes Englisch, und das war dann der Hauptgrund. Ein weiterer Grund war: Viele, die Xenophonie lesen, kriegen es erstmal in den falschen Hals und müssen sich dann fragen, was sie da gelesen haben und warum. Das ist natürlich auch immer sehr gut.

Wie entstehen eure Songs? Macht ihr das zusammen, gibt es einen Motor, der antreibt?
Pyrolator: Wir arbeiten eigentlich im Kollektiv. Es bringt jemand eine Idee mit, die er zu Hause ausgearbeitet hat, und daraus entsteht dann meistens was komplett anderes. Beispielsweise das letzte Stück auf der Platte: „Herbstwind“. Das ist ein Lied gewesen, das von Frank gekommen ist, aber am Ende ist was völlig anderes rausgekommen, als er es sich vorgestellt hatte. Und das ist eigentlich das Spannende an der Gruppe, dass wir als Gleichberechtigte zusammenarbeiten. Dass jeder einen Teil zum Ganzen beiträgt. Wir arbeiten nicht wie ein Singer-Songwriter-Projekt, wo einer schreibt und der andere singt. Das ist bei uns eine kollektive Projektarbeit.
Peter: Ja, und wenn es sich dann halbwegs so vielversprechend anhört, dass es ein Stück werden könnte, dann kommt irgendwann auch ein Text dazu, der gelegentlich von einem Stück auf das andere wechselt, wenn die Nummer sich nicht bewährt.

Also zuerst die Musik und dann der Text?

Pyrolator: Ja, das ist schon seit jeher so.
Peter: Ja, Mucke, Töne, die kann man auf Vorrat bearbeiten, da kann man weglöschen. Aber so ein Text, wenn der einmal da ist, der soll ja nicht verschwendet werden.

Wie wichtig ist euch politisches Statement in euren Songs?
Peter: Völlig unwichtig! Hauptsache, die Witze sind gut.
Pyrolator: Ja, Plattitüden finden wir alle sehr unangenehm. Es gibt das Stück „Politdisko“, wo Frank mit dem Text zu Peter gekommen ist, und da war dann wirklich so mit dem Finger draufgezeigt, dass Peter sich den Text genommen und vollkommen umgeschrieben hat. Und wenn du den Text heute hörst und der Refrain ist: „Ich hab keine Zeit, um richtig gut zu sein“, dann hast du hier eine Deklamation über etwas, was politisch oder gesellschaftlich nicht in Ordnung ist, ohne eben platt oder abgedroschen zu sein.
Peter: Eigentlich haben wir das gar nicht nötig. Wir sind gute Menschen.
Pyrolator: Ich glaube, man muss das auch immer ambivalent sehen. Das Klagen über Situationen oder das Klagen über gesellschaftliche Missstände ist nicht gleich ein politisches Statement. Was ich zum Beispiel überhaupt nicht gut finde, ist, dass unser „Es geht voran“ von allen möglichen politischen Gruppierungen missbraucht wurde – von den Hausbesetzern über SPD und RTL bis hin zur NPD. Die haben das Stück einfach für sich vereinnahmt, weil der Text auf viele Situationen passt.

Wenn euer Album „Xenophonie“ ein Getränk wäre, was wäre es?
Peter: Bier oder Weißwein
Pyrolator: Das seh ich auch so.
Peter: Oder auch ein guter Roter! Also garantiert nix Gemischtes, kein Cocktail oder so.
Pyrolator: Genau, um dann wieder den Bogen zum Anfang zu schließen: Festbier.
Peter: Genau, wir sind Bier und Wein. Bloß nicht so ein anderer Quatsch.

Sehr schön. Prost dann aufs neue Album! Und danke für eure Zeit!

Und weil Fehlfarben nicht nur großartig singen, sondern auch “großartige” Autogramme geben, verlosen wir eine einmalig signierte curt-Ausgabe. Eine kreative E-Mail an ichwillgewinnen@curt.de & Betreff “Fehlfarben” & Adresse – und mit etwas Glück kommt curt zu euch.

++ Unsere Verlosung ist vorbei +++

TEXT & INTERVIEW: KATHI STARKMANN