16. November
Idles @ Ampere

„Joy as an Act of Resistance“ heißt das zweite Album der britischen Punkband Idles. Und der Albumtitel beschreibt nicht nur die Band an sich schon ziemlich gut, man könnte auch meinen, dass es das Motto ihrer Liveshows ist. Denn wenn Idles auf der Bühne stehen, wird nicht nur laut-hals und inbrünstig mitgesungen und die Fäuste in die Luft gestreckt — am Ende liegen sich auch alle glückselig in den Armen.

Schon 2011 in Bristol gegründet, veröffentlicht die fünfköpfige Band nach einigen EPs erst 2017 ihr Debütalbum „Brutalism“, schon im August 2018 legen sie „Joy as an Act of Resistance“ nach. Beide Alben sorgen bei Musikkritikern für Begeisterung und katapultieren Idles von kleinen Clubs auf immer größere Bühnen. Der NME bezeichnet das aktuelle Album etwa als „einen sofortigen Klassiker, zu dem Menschen auch noch Jahre später zurückkommen werden“.

In „Joy as an Act of Resistance“ geht es um den Kampf aus der Abhängigkeit, das Anprangern der politischen Lage (Stichwort Brexit) und persönliche Schicksalsschläge. Sänger Joe Talbot verlor innerhalb kürzester Zeit nicht nur seine kranke Mutter, um die er sich kümmerte, sondern verlor auch seine Tochter durch eine Totgeburt und wurde alkoholabhängig.

So sind Talbots Texte oftmals voller Wut und Trauer, aber eben auch zuversichtlich. Der Musiker betont, dass das neue Album ein Versuch sei, verletzlich zu sein und diese Verletzlichkeit auch zuzulassen. Nicht nur Unterschiede, auch Gemeinschaften und ihre Individuen sollen gefeiert werden. Und das auch mal mit einer ordentlichen Portion Humor.

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https://www.youtube.com/watch?v=QkF_G-RF66M

In „Samaritans“ und „Colossus“ geht es um die oftmals toxische Maskulinität: „The mask of mas-culinity, a mask that‘s wearing me“ // „I am my father’s son, his shadow weighs a tonne.“ Im sehr persönlichen und rührenden Stück „June“ verarbeitet Talbot den Verlust seiner Tochter: „Stillborn, but still born, I am a father.“ Mit „Danny Nedelko“ haben Idles quasi eine Hymne zur Immigration geschrieben, benannt nach einem ihrer besten Freunde, einem ukrainischen Einwanderer: „He‘s ma-de of bones, he‘s made of blood, he‘s made of flesh, he‘s made of love, he‘s made of you, he‘s made of me, Unity.“

Joe Talbot, Adam Devonshire, Mark Bowen, Lee Kirnan und Jon Beavis hört man nicht nur gerne zu, auch live überträgt sich die Energie der Jungs aus Bristol sofort auf das Publikum. Im einen Moment wird noch kollektiv Idles‘ bisher wohl bekanntester Song „Mother“ (eine Kampfansage an das Patriarchat, sexuelle Gewalt und Arbeitsarmut) gesungen, im nächsten Moment werden auf der Bühne Küsse verteilt. Und alle gehen ein bisschen glücklicher nach Hause.


Idles – Joy as an Act of Resistance Tour 2018 > Homepage // 16. November // Ampere // Einlass 19 Uhr, Beginn 20 Uhr// AUSVERKAUFT

Fotocredit: Tom Ham