Gehört: Sophie Hunger – Halluzinationen

Liebe Freunde, bitte nicht vergessen, wer die Musik macht. Sophie Hungers siebtes Album Halluzinationen ist vor dem Corona-Lock-Down entstanden, greift aber Themen auf, auf die die Menschen während des erzwungenen Hedonismus Moratoriums zurückgeworfen werden. Endlichkeit, Stille, Sehnsüchte, Alleine sein, Einsamkeit, Heimat, die Fragilität der vermeintlichen Ordnung. Das Album passt zum Zustand, den viele Menschen seit Beginn der Corona-Krise an sich beobachten. Die Reize von außen verblassen, das Innenleben erwacht.

Die 10 Songs des neuen Albums wurden in wenigen Live Sessions in den legendären Londoner Abbey Road Studios frei von Ovedubs und großartige Nachbearbeitungen eingespielt. Die Musik ist pur und unmittelbar und erfindet sich im Moment der Aufnahme. Nichts wirkt, als sei es nachträglich einem rationalen Kalkül oder einer businessrelevanten Funktion folgend bereinigt oder begradigt worden. Waren die Texte auf dem 2018er Album Molecules komplett in Englisch gesungen, widmet sich die Schweizerin auf Halluzinationen wieder mehreren Sprachen. Die Neigung zu elektronischen Klängen und weniger gegenständlichen Kompositionen bleibt aber bestehen. Flirrend, fiebrig, voller Imagination klingt das, was in der Küche ihrer Kreuzberger Wohnung komponiert und später in den besagten Live-Takes auf Band gebracht wurde.

 

Von der ruppigen Version im Video zur ersten Single Alpha Venom sollten sich zarte Seelen nicht abschrecken lassen. Auf der Platte geht es nicht so rasant zur Sache, auch wenn dieser Song zu den robusteren der Scheibe gehört. Leider sind aktuell alle Konzerte in Deutschland abgesagt und bis auf eine Handvoll Auftritte in der Schweiz auch nichts dergleichen angekündigt. So bleibt zunächst nur die volle Konzentration auf das Album und die Idee eines Konzerts – Halluzinationen.

Sophie Hunger – Halluzinationen // Caroline International // VÖ: 04.09.2020 // > Homepage