12. März
Hans Söllner solo @ Volkstheater

Des Alpenvorlands wildester Rebell gibt sich die Ehre: Mitte März bringt Bayerns Berufs-Revoluzzer und Liedermacher Hans Söllner im Münchner Volkstheater wieder alte und neue Lieder zu Gehör.

Apropos alt und neu: Auch wenn seit Söllners erstem Album Endlich eine Arbeit inzwischen mehr als 35 Jahre vergangen sind, haben viele seiner Texte nichts an Relevanz und Aktualität verloren. Die Lieder von Hans Söllner aus allen Jahrzehnten bis dato und auch Videos aus der Zeit, als er noch Interviews gab oder in Talkshows auftrat, verblüffen: Offenbar sind es immer noch dieselben Themen, die den (Wut-)Bürger beschäftigen und die Wolken am weiß-blauen Himmel gewittrig-schwarz färben. So erhitzen beispielsweise Kernthemen wie Wohnungsnot und Mietwucher, Flüchtlingspolitik, die Sehnsucht nach Frieden und Freiheit, die Wut über verlogene Politiker, Walfang, Umweltverschmutzung, Atomausstieg usw. damals wie heute die Gemüter.

Texte wie Hey Staat treffen den politsch-brisanten Nagel immer noch auf den Kopf und ersetzt man Personen, die zum Beispiel in Der Huaba besungen werden, durch zeitgenössische Politiker-Namen, so wird der Aussagewert der Texte dadurch kaum gemindert.

 

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https://www.youtube.com/watch?v=g_8N4O5jj6M

Professioneller Aufrührer und Widerständler

Jedenfalls lassen seine Lieder kaum einen kalt, der des Bairischen mächtig ist, manche Texte wühlen auf, andere rühren zu Tränen. Es sind freilich auch Tränen der Trauer und Ergriffenheit, aber der Boarische Krautmo beschert seinem Publikum auch gern und immer wieder Lachtränen – verfügt er doch über großen Sinn für Humor und einem wahrlich hervorragenden Wortwitz. Mit eben diesen Talenten, einer beachtlichen Beobachtungsgabe und großer Warmherzigkeit bringt er viele Dinge klug und eingängig auf den Punkt.

Söllners Musik schafft gleichermaßen Aufmerksamkeit wie Aufmüpfigkeit und macht klar, dass unser Engagement gefragt ist und wir uns durchaus öfter mal auflehnen und Obrigkeiten hinterfragen sollten. Er gibt dem Zuhörer das Gefühl, gemeint zu sei. Sein Dialekt und seine unverblümte, manchmal etwas ordinäre Ausdrucksweise machen Hans Söllner dabei so herrlich volksnah und echt – er ist längst eine wahrlich einmalige Figur der bayrischen Musiklandschaft.

Konsequent und unnachgiebig verleiht Söllner seinem kritischen Geist in schier unzähligen Liedern und Geschichten Ausdruck, setzt sich ein für Freiheit und Gerechtigkeit – und schont dabei weder seine Gegner noch sich selbst. Nicht zuletzt hat ihm sein jahrzehntelanger Einsatz gegen die Kriminalisierung von Marihuana sowohl Freunde als auch Feinde eingebracht. Auf seiner Homepage bezieht er im Rahmen seiner Videoreihe Bock to Talk immer wieder Stellung zu Themen, die ihn bewegen – und eben auch zum Thema Drogen.

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https://www.youtube.com/watch?v=C-BI-9uyMAE

Live und in Farbe

Hans Söllner wird scheinbar nicht müde, anzuprangern, aufmerksam zu machen und seinen Finger in die vielen blutenden Wunden der Konsum-Gesellschaft zu legen. Er begleitet und inspiriert mit seinen Liedern inzwischen schon mehrere Generationen von Andersdenkenden und Anti-Establishment-Protestlern. Als Liedermacher hat er mit seinen Texten und seinem Engagement vielen das gute Gefühl gegeben, nicht allein zu sein in diesem Meer des Wahnsinns, das wir Gesellschaft nennen.

Manchmal wirkt er freilich schon ein wenig müde. Doch auch wenn es in den letzten Jahren deutlich ruhiger um ihn geworden ist, bleibt er ein unbeugsamer Freigeist, ein mutiger Kämpfer, ein Querdenker mit wildem Herzen und freier Schnauze. Und selbst wenn er inzwischen die 60 überschritten hat, gibt er hoffentlich noch lange keine Ruh.

Wer Hans, seine Geschichten und seine Klampfenklänge live erleben, sich das Anarcho-Herz entzünden lassen oder einfach mal wieder so richtig herzhaft lachen will, der sei ins Volkstheater gebeten, um dem bemerkenswerten Barden zu lauschen und seine Farben zu sehen: Grea, göib und roud.


Live: Hans Söllner > Homepage // 12. März 2019 // Münchner Volkstheater // Beginn 20 Uhr // Abendkasse 34 Euro // > Info und Karten


About Petra Kirzenberger

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Seit 2010 als Redakteurin und Lithografin bei curt. Schwerpunkte Kabarett und Theater, Fotokunst, Yoga, München – und alles was rot-weiß-rot ist.