Halloween-Special Teil 2:
die Übernatürlichen

In unserem ersten Teil unseres viertägigen Halloweenspecials widmeten wir uns gestern aktuellen Horrorfilmen, die nicht gerade sparsam beim Einsatz von Kunstblut umgingen. Bei unseren heutigen Beispielen wird hingegen kein Tropfen des roten Lebenssaftes vergossen. Stattdessen sollen hier Dämonen, Geister und sonstige übernatürliche Wesen für Spannung sorgen. Ob sie das schaffen verraten wir hier und fahren dafür einmal rund um die Welt.

„Paranormal Vitality“

Eins vorweg: Mit der „Paranormal Activity“-Reihe hat der Film hier nicht zu tun. Vielmehr wurde der spanische Film „Psychophony“ umbenannt, wohl um möglichst viele Zuschauer anzulocken. Dabei halten sich die Gemeinsamkeiten mit dem bekannten Vorbild in Grenzen. Zwar wird auch hier versucht, die Authentizität und damit den Gruselfaktor zu erhöhen, doch die Herangehensweise ist eine andere. Basierend auf einem – angeblich – realen Fall wird hier eine durchaus interessante Geschichte erzählt. Warum können manche übernatürliche Ereignisse wahrnehmen und andere nicht? Dr. Helen Jara hat dafür eine ganz eigene Theorie: Diese Empfänglichkeit hängt mit einer Persönlichkeitsstörung zusammen. Und so versammelt sie eine Reihe psychisch kranker Menschen und will deren Erfahrungen in einem alten Spukhaus auf Band festhalten. Die ersten Vorkommnisse lassen auch nicht lange auf sich warten. Doch da ist auch etwas Böses im Haus, und das hat es auf die jüngste Teilnehmerin Ainara abgesehen.

Psychische Probleme und die Wahrnehmung von Übernatürlichem in einen Zusammenhang zu stellen, ist nicht unbedingt neu, das machte „Bis das Blut gefriert“ schon vor fünfzig Jahren (siehe unten). Doch während bei dem Klassiker nie wirklich aufgeklärt wird, wo das eine aufhört und das andere beginnt, gehen hier die Verstorbenen ein und aus, wie es ihnen gefällt. Das hört sich nicht sonderlich spannend an, ist aber gar nicht so ungeschickt: „Paranormal Vitality“ verrät nämlich erst mit der Zeit, welche der Figuren Bewohner und wer tote Seele ist. Leider ist die Umsetzung der netten Idee weniger gut geworden. Die Originalaufnahmen des Falles, die vereinzelt eingebaut werden, passen nicht zu den nachgespielten Szenen. Noch schlimmer sind aber die richtig missglückten Computereffekte. Eine Katastrophe ist „Paranormal Vitality“ aber trotz allem nicht, sondern ein solider Film, den man sich als Horrorfan anschauen kann.

Regie: Xavier Berraondo; Darsteller: Mercè Montalà, Clàudia Pons, Raúl Álvarez; VÖ: 14. Oktober 2013

„Cult“
Der Westen trifft den Osten: Auch wenn bei „Cult“ damit geworben wird, dass der Produzent von „The Ring“ und „The Grudge“ verantwortlich war, auf typisch japanische Elemente wird hier verzichtet. Stattdessen schielt man recht offen in Richtung Westen, genauer zu „Paranormal Acitivity“. Auf Handkameras wird zwar weitestgehend verzichtet, dennoch dreht sich alles um Kameraaufnahmen. Drei Mädels stehen hier im Mittelpunkt, die TV-Sternchen Mari, Mayuko und Yu. Die sollen zusammen mit einem Exorzisten und einer Kamerafrau die seltsamen Ereignisse im Haus der Kanedas aufklären. Da die Dämonen sich aber als etwas zu stark entpuppen, kommt der exzentrische Neo ins Spiel, der seine eigenen Methoden hat, mit den Wesen aus der anderen Welt fertigzuwerden.

Dass die drei Grazien nicht unbedingt toughe Ghostbuster sind, sondern die ganze Zeit giggeln und kreischen wie kleine Schulmädche, darüber mag man noch hinwegsehen. Wirkliche Probleme bereiten aber die Geisterwesen: Während einige der Dämonen sogar recht gut aussehen, sind andere geradezu lächerlich. Und das ist auch das größte Rätsel von „Cult“: Ist das noch Horror oder schon Comedy? Selbst als der Abspann schon über den Bildschirm zuckelt, ist es schwer zu sagen, was von dem Gezeigten nun ernst gemeint war und was nicht. Gruselfreunde werden deswegen hier nicht richtig glücklich. Besser unterhalten wird, wer von vornherein nicht mit diesem Anspruch an die Sache geht. Dann können die mitunter sonderlichen Einfälle – welcher Film kann schon mit einer „Dämonenbombe“ aufwarten – für gelegentliche Lacher sorgen. So rein gar nicht zum Lachen ist hingegen das Ende, das selbst für Genreverhältnisse sehr abrupt aufhört und damit reichlich unbefriedigend ausfällt.

Regie: Kôji Shiraishi; Darsteller: Yû Abiru, Mayuko Iwasa, Mari Iriki, Ryosuke Miura; VÖ: 18. Oktober 2013

„Bis das Blut gefriert“
Horrorveteranen werden an dieser Stelle stutzig. Ist „Bis das Blut gefriert“ nicht … ? Ja, es handelt sich dabei tatsächlich um den Schwarzschweißstreifen von 1963 und damit einen wirklich alten Hut. Und doch gibt es zwei gute Gründe, den Film trotz seines hohen Alters noch in dieses Special zu packen: 1. Zum ersten Mal erscheint er diese Tage auf Blu-ray. 2. Der Klassiker zeigt auch fünfzig Jahre später noch der Konkurrenz, wie man mit minimalen Mitteln eine maximale Atmosphäre schaffen kann. Die Geschichte ist dabei schnell erzählt: Dr. John Markway lädt mehrere psychisch empfängliche Menschen in ein altes Herrenhaus ein, in dem immer wieder Leute unter mysteriösen Umständen ums Leben kamen. Sein Ziel ist es zu beweisen, dass das Übernatürliche sehr wohl existiert.

Anders als bei den Filmen oben und auch den meisten anderen Horrorbeiträgen, wird in „Bis das Blut gefriert“ das Übernatürliche nie gezeigt. Unheimliche Geräusche, Poltern, Temperaturschwankungen, unerklärte Schriftzüge, selbständig schließende und öffnende Türen – mehr brauchte Robert Wise seinerzeit nicht, um sein Publikum in Angst und Schrecken zu versetzen. Hinzu kommt, dass immer wieder nach alternativen Erklärungen gesucht wird, die ebenso plausibel sind. Sind die eigenartigen Vorkommnisse also vielleicht doch nur Einbildung? Gerade bei der labilen Eleanor ist diese Frage mehr als gerechtfertigt. Horrorfans von heute sind es meistens gewohnt, dass ihnen alles gezeigt und irgendwie erklärt wird. Entsprechend seltsam, vielleicht sogar langweilig muss einem dann eine Inszenierung vorkommen, die genau das Explizite vermeidet. Wer hingegen schon immer der Ansicht war, dass Spannung und Furcht nicht durch Gewalt, Blut oder Monster ausgelöst wird, sondern durch das Ungewisse und den eigenen Kopf, der sollte spätestens den BD-Release zum Anlass nehmen, einmal das labyrinthartige Anwesen „Hill House“ zu erkunden und das Böse zu entdecken. Oder eben vielleicht auch nicht.

Regie: Robert Wise; Darsteller: Julie Harris, Claire Bloom, Richard Johnson, Russ Tamblyn; VÖ: 25. Oktober 2013

Zu gewinnen gibt es natürlich auch heute etwas. Genauer hält unsere geisterhafte Glücksfee 2 DVDs und 1 Blu-ray von „Paranormal Vitality“ in ihrem Geschenkesäckchen für euch bereit. Eine Mail mit Namen, Adresse und Stichwort „Paranormal Vitality“ an willhaben@curt.de und vielleicht gehört der Film schon bald euch.

Unsere Verlosung ist beendet, die Filme wurden verschickt.

TEXT: Oliver Armknecht