7. März
HAKEN @ Backstage

Ein Vektor weist immer in eine bestimmte Richtung. Wollte man also die britische Prog-Metal-Formation Haken mit einem solchen mathematischen Objekt beschreiben, würde dieses seit der Gründung der Band 2007 tatsächlich nur eine Richtung kennen: steil nach oben. Vector nennt sich passend dazu auch der vergangenen Oktober erschienene Neuling des aus London stammenden Sextetts. Mathematische Assoziationen wecken Haken aber nicht nur beim Albumtitel, sondern ein weiteres Mal auch bei ihrer hochkomplexen und vertrackten Herangehensweise an die Musik.

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https://www.youtube.com/watch?v=PMzgh_1j838

 

Die Rhythmusgruppe der Mannen um Frontsänger Ross Jennings macht erneut keine Gefangenen, wenn es um Stil- und Taktwechsel innerhalb von Sekunden geht. Der Retro-Touch, der einzelne Songs des Vorgängers Affinity umwehte und mit dem sich Haken vor Prog-Giganten wie YES verbeugte, ist bis auf wenige Details verflogen. Auf ähnliche Key-Exzesse wie im Song 1985 lässt Diego Tejeida vergeblich warten, unterfüttert Vector dafür an vielen Stellen mit düster-atmosphärischen Soundtexturen, die einen entscheidenden Beitrag zum Gesamteindruck leisten. Die unglaubliche instrumentale Technik hingegen ist genauso geblieben wie die Liebe zu verschachtelten Songstrukturen, die ruhigen, experimentellen, melodiösen und harten Parts gleichermaßen Entfaltungsraum geben. Nicht völlig neu, aber das Album ebenso prägend, wie es die Anspielungen an die 80er auf Affinity waren, ist nämlich die Härte, mit der sich der Großteil der Besatzung möglicherweise beim Mitwirken an Mike Portnoys Side-Event The Shattered Fortress angesteckt hat. Gleich zu Beginn machen die bleischweren Industrial-Sounds des Intros Clean und die ersten Takte von The Good Doctor klar, dass Vector da anknüpft, wo Affinity eher seine härtesten Momente hatte. Letztgenannter Song breitet auch den lyrischen Rahmen des Albums aus, die Beziehung zwischen einem katatonischen Patienten und seinem Doktor, dessen Absichten womöglich unheilvoller sein könnten, als der Songtitel vermuten ließe. Inhaltlich bietet Haken dem Zuhörer also einen ebenso großen Interpretations- und Entdeckungsspielraum wie musikalisch. Und das, obwohl sich das Werk auf lediglich kompakte 45 Minuten verteilt, von denen aber allein der Longtrack Veil, im Geiste von Klassikern wie The Architect (Affinity) oder Falling Back to Earth (vom 2013er Album The Mountain), virtuose zwölfeinhalb Minuten einnimmt.

Neben einer beeindruckenden Schlagzahl, was die Veröffentlichung ihrer Studioalben in den letzten Jahren angeht, kam die Band vergangenes Jahr noch mit ihrer ersten Live-Platte L-1VE, aufgenommen im Zuge der Tour zum 10-jährigen Bandjubiläum 2017 in Amsterdam, um die Ecke. Wer sich also einen prägenden Eindruck davon verschaffen möchte, was Haken an Spielfreude auf die Bühne zu zaubern imstande ist, möge auf diese Scheibe zurückgreifen. Das Abendprogramm am 7. März sollte spätestens danach feststehen.


Live: HAKEN // Support: Ben Levin Group > Facebook // 7. März // Backstage, Halle // Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr // VVK: 24 Euro zzgl. Gebühren

Foto: Wandsworth