Im Gespräch:
Ian Haugland von Europe

Kurz vor dem Start der Deutschland-Tour (26. Oktober in München) hatte Ian Haugland (Schlagzeug) ein wenig Zeit, um curt einige Fragen zu beantworten.

Glückwunsch zu „War Of Kings“. Eines der Highlights in diesem Jahr im Classic Rock. Gibt es eine Geschichte zu den War of Kings?

Wenn wir an einem neuen Album arbeiten, dann gibt es keinen Plan im Vorfeld. Wir schreiben die Stücke, nehmen auf und das musikalische Konzept bahnt sich automatisch seinen Weg. Was wir wollten, war eine Platte aufzunehmen, die die Energie wiedergibt, die wir auf der Bühne ausstrahlen. Deshalb haben wir uns entschlossen, die Songs live im Studio aufzunehmen. Der richtige Mann dafür war Produzent Dave Cobb (u.a. Rival Sons, California Breed).
Er hatte richtig Bock auf die Arbeit mit uns. Deshalb sind wir auf seine Idee eingestiegen, im brandneuen Pangaia Studio in Stockholm zu arbeiten. Wir waren die Allerersten, die dort ihre Instrumente aufgebaut haben. Also wusste niemand vorher, wie es klingen wird. Aber Dave hat einen super Job gemacht und jetzt klingen wir so lebendig wie nie zuvor.
Die Stücke sind stark von unseren Einflüssen der Rockmusik aus den 70er-Jahren geprägt: Deep Purple, Black Sabbath, Thin Lizzy und UFO. Das waren schon immer unsere Wurzeln. Aber noch nie so sehr im Vordergrund wie hier.

Ihr bekommt überall sehr gute Resonanzen für das Album. Ist das der zweite Anlauf in eurer Karriere?

Es tut gut, so viel Positives von den Fans und den Medien zurückzubekommen. Wir sind auf dem richtigen Weg und die Leute verstehen, dass Europe nicht nur die Band mit den 80er-Jahre-Songs ist. In diesem Jahr sind wir so viel unterwegs wie noch nie seit der Reunion.

Hast du einen persönlichen Lieblingssong auf dem Album? Ich mag das catchy Riff von „Days of Rock ’n’ Roll“.

Persönlich mag ich „Second Day“ sehr. Der Groove und die Stimmung haben es mir angetan. Das Lustige an „Days of Rock ’n’ Roll“ ist, dass Joey das Riff schon 1988 geschrieben hat. Er hat am Klavier rumgeklimpert und die Idee war, daraus den Nachfolger von „The Finale Countdown“ zu machen und ihn „Out Of This World“ zu nennen. Aus verschiedenen Gründen wurde das aber nichts und nun haben wir es zu Ende gebracht.

Ihr habt eure Karriere gestartet, da war Melodic-Rock das heiße Ding. Habt ihr euch in der Jetztzeit neue Wege erschlossen?
Der gravierende Unterschied zu damals ist, dass mit dem Durchbruch des Internets die Verkäufe von Platten ganz massiv zurückgegangen sind. Es gibt aber auch gute Seiten, wie direkt über Social Media mit den Fans zu kommunizieren. Die digitale Revolution hat uns eine neue Generation von Fans beschert.
Eine weitere gute Entwicklung für mich ist, dass du als Musiker heute nur überleben kannst, wenn du wirklich live spielen kannst und eine mitreißende Show ablieferst. Nicht so wie früher, als es reichte, ein paar Studiomusiker im Hintergrund anzuheuern und dann als Superstar im Fernsehen Playback-Shows abzureißen.

Nächstes Jahr feiert die Welt 30 Jahre „The Final Countdown“. Ist dieser Song Fluch oder Segen für euch?
Es ist das, was du daraus machst. Ich habe mich dafür entschieden, ihn als Segen für Europe zu sehen. Das Lied und das Album gehören zu den erfolgreichsten Nummern aus den 80ern. Wir hatten die Möglichkeit des Comebacks und unsere Reise im neuen Jahrtausend fortzusetzen. „Countdown“ zu spielen, ist immer noch fantastisch. Das Publikum dreht jedes Mal durch und es ist, als ob du einen Adrenalinstoß bekommst.

Im Sommer habt ihr viele Festivals gespielt. Nun geht’s durch die Clubs. Was bevorzugst du?
Schwer zu sagen. Ich mag beides irgendwie. Auf großen Festivals ist es ein fast schon erhebendes Gefühl, wenn tausende Menschen deine Songs mitshouten. In den kleinen verschwitzen Clubs kannst du den Leuten in die Augen sehen. Da ist die Ansprache direkter.

Ihr wart lange nicht mehr in München. Was dürfen die Fans erwarten?
Wir spielen einen Mix aus den Klassikern und den Sachen der Gegenwart. Dazu ein paar coole Solo-Dinge. Die nächste Show soll immer die beste sein, daher könnt ihr nur das Beste erwarten. Übrigens, im Circus Krone war unsere erste Show in Deutschland überhaupt, damals 1986. Auch für uns ist dieser Abend was ganz Besonderes.

curt dankt für das Gespräch!


Europe – War Of Kings // Support: Dirty Thrills // 26. Oktober // 20 Uhr // Circus Krone // VVK ab 38,40 Euro zzgl. Gebühren
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Foto: Tallee Savage