Gehört: Umme Block – 25 Hours

Wer sich in den letzten zwei Jahren intensiver mit der Münchner Musikszene auseinandergesetzt hat, konnte viele kleine Perlen entdecken. Eine davon stach dabei besonders hervor und verwandelte sich in den vergangenen Monaten zu einer kleinen Sensation: Umme Block, das sind Leoni Klinger und Klara Rebers und wie die meisten kennen sich die beiden schon eine halbe Ewigkeit. Mindestens die Hälfte davon machen sie gemeinsam Musik. Damals noch mit Akustikgitarre und Doppelgesang folgte auf eine studiumsbedingte Auszeit schließlich die musikalische Neuorientierung. Und damit auch die neue kreative Richtung mit Namen Umme Block.

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https://youtu.be/O03g6izCwSg

 

Seit 2018 stiefeln Umme Block mit Synthesizer und Gitarre unterm Arm durch Blumenbeete von Dream-Pop, bis Wave, bis Trip-Hop, fügen jeder Richtung jedoch stets eine eigene Handschrift hinzu. “25 Hours” heißt nun das langersehnte Debüt welches über Munich Warehouse am 24. Januar erschienen ist. Dabei war die Reise bis hierhin von akribischer Kleinstarbeit, Bühnenreifung und vielen kreativen Spaziergängen um den Block gekennzeichnet, die sich hörbar gelohnt haben. Finesse und Stil werden hier großgeschrieben.

Allein das Intro macht unmissverständlich klar, womit man es auf “25 Hours” zu tun hat. Keineswegs handelt es sich hier um ein eilig veröffentlichtes Debüt. Leoni und Klara haben sich ihre Fangemeinde mühevoll erspielt, sind kein Streaming-Phänomen. Das hört man ihrem Erstlingswerk auch unweigerlich an. Insgesamt 10 Tracks bilden ein Gesamtkonzept und klingen wie ein Album alter Schule, welches sich nahtlos in einem Rutsch erleben lässt. Die Songs greifen ineinander, nehmen an der Hand und begleiten einen bis zum Outro durch Höhen und Tiefen. Der Grundton bei Umme Block ist dabei weniger melancholisch als nachdenklich. Die Songs sind Stimmungskatalysator und Auffangnetz zugleich. Über-Tracks wie “Yellow Lights” gehen in die Hüfte, verleiten vielleicht sogar zu einer ausgestreckten Faust gen Himmel. Songs wie “Voiture” oder der Titeltrack klingen ernst, ohne zu verstimmen. Energie ist dabei jedoch immer vorhanden.

Wohldosierte Beats, wabernde Melodien, all das ist fein abgestimmt. Während sich ausladende Klangteppiche über einen ergießen, wissen auch interessante Gitarren-Einsätze zu begeistern, die bisweilen richtig fies klingen können und die Luft schneiden (“Rockface”). Auf einem poppigen Grundgerüst thronen also etliche Details. Und gerade weil über allem der wohltuend erwachsen klingende Zweigesang steht, ist man verwundert, dass es sich bei all dem Herzblut nicht um die musikalische Heldentat einer bekannten Dóttir aus Island handelt. Im Line-Up des Iceland Airwaves würden Umme Block in ein zwei Jahren zweifelsohne eine gute Figur machen.

Wer Umme Block bereits live erleben durfte, weiß, dass es auch die Chemie der beiden ist, die “25 Hours” vollends gelungen macht. Während die eine ihren Blick auf etliche Tasten und Knöpfe senkt und sich die andere im sphärischen Klang ihrer Saiten verliert, macht ein gelegentlich ausgetauschtes Schmunzeln immer wieder klar, dass mit Klara und Leoni ihre größten Supporter selbst auf der Bühne stehen. Die Spielfreude des Duos steckt auch das Publikum an und hat Umme Block im letzten Jahr bei zahlreichen Auftritten (u.a. Puls-Festival, m94.5-Sommernacht oder Support für FIVA, Blackout Problems und Some Sprouts) zum absoluten Überraschungs-Highlight avancieren lassen. Wenn Ehrlichkeit auf Leidenschaft trifft und gutes Handwerk küsst, kann das nur funktionieren. Was unterm Rampenlicht tatsächlich live gespielt wird und nicht vom Band stammt, klingt auch hier satt, echt und grundsympathisch.

“25 Hours” ist interessant und doch eingängig, Umme Block sind modern und doch stoßen wir auf Zitate. Da wird das Rad nicht neu erfunden, aber es ist eine perfekte Mischung. Andere Newcomer mögen angesichts dieser Leistung ihre Keyboards vor Scham sofort in die Ecke stellen. Doch genau das Gegenteil sollte der Fall sein. Gerade jetzt gilt es “25 Hours” als Ansporn zu nehmen und sich im breiten Klangkosmos der handgemachten elektronischen Musik mehr zu trauen. Mit Umme Block hat nämlich nicht nur die Szene in München ein strahlend hoffnungsvolles Puzzleteil dazugewonnen.

Und jetzt: Kopfhörer auf und noch einmal für 45 beachtliche Minuten um den Block!


Gehört: Umme Block – 25 Hours > Homepage // Munich Warehouse // 24. Januar 2020

Foto © Peralta Pictures