Gehört: „Sleep Well Folk“
von Angela Aux

„Sleep Well Folk“ ist der Name des neuen Albums des Münchner Singer-Songwriters Angela Aux, das am 27. September erscheint. Schon der Titel deutet auf die Vielschichtigkeit der Songs und die Wandlungsfähigkeit des Künstlers hin. „Schlaf-Gut-(Folk)Musik“, „Schlaf-Gut-mein Freund“ und „Schlaf-Gut-Folk“ im Sinne von „Folkmusik, gute Nacht“. Zusätzlich ist jeder Titel auf dem Album ein Traum, das gesamte Album als eine durchgehende Traumphase orchestriert.

Wie das mit den Träumen so ist: Die emotionale Atmosphäre, die Grundstimmung wechselt ständig, oft abrupt. Auf einen wilden Traum folgt ein sanftes Trostlied, dann wieder jähes Erwachen. Einen „folkigen“ Teil auf dem Album löst zum Beispiel das bizarre „Oha Le Hallio“ ab. Viele Texte, wie die von „One With Everything“ oder „Sleepy Times“, sind ein wenig selbstzerstörerisch, andere, wie die von „Summer Thing“ oder „Catch Some Of Your Dreams“, reflektieren Liebeskummer. Der Spaß soll für Angela Aux nicht zu kurz kommen. Die Texte von „Flueless“ und „Sleep Well Elliott“ sind lustig und ironisch. Angela Aux feiert die Vielschichtigkeit. „Ich mag eindeutige Sachen nicht, die Welt ist auch nicht eindeutig. Das Leben und darum gefälligst auch die Musik und alles andere sollten darum eben schön, hässlich, verstörend, einfühlsam, lustig, traurig sein.“ Die Songs auf „Sleep well Folk“ wirken verspielt, aus dem Unterbewussten geschöpft und hallen – wie intensive Träume – noch lange nach.

Frei bleiben, sich nicht in Schubladen stecken lassen

Angela Aux ist der kreative Florian Kreier. Seine Werke weist er nach dem Schaffensprozess einem seiner Alter Egos zu – je nachdem, was ihm einfällt und woran er gerade arbeitet. Als Angela Aux macht Florian Kreier Musik, als Heiner Hendrix schreibt er Kurzgeschichten und Gedichte und legt Platten auf. Dabei befruchten sich die verschiedenen Projekte, die Personen hinter der Person, immer gegenseitig. „Wer mal alle meine Gedichte, Kurzgeschichten und Songtexte nebeneinander legt, merkt schon, dass da eine Person am Werk war.“

flokreier

Das Thema der Platte, die während einer Phase der Schlaflosigkeit und des Suchens entstand, ist für Florian Kreier so persönlich, dass er diesmal auf Features komplett verzichtet. Auf seinem letzten Album „Whatever you guess it’s not“ waren noch Joasihno und Marble Man vertreten. Das neue Album ist poppiger als der Vorgänger, aber auch gereifter, professioneller produziert, abwechslungsreicher und überrascht mit mehr Perkussion. Seiner Liebe zu verwirrenden, nicht eindeutig zuzuordnenden Tönen und den eigenständigen starken Texten bleibt der Musiker treu.

„Ich mach tendenziell Kunst, nicht Kunsthandwerk oder Unterhaltung“, sagt Florian Kreier. Deshalb geht es ihm als Angela Aux nicht um musikalische Perfektion oder Zugänglichkeit für jeden. Er schafft mit seinen Liedern eine Stimmung der Verwirrung, um eine Reaktion zu provozieren, am liebsten das Nachdenken. Da kann man jetzt drüber nachdenken, sollte sich aber am besten einfach das neue Album anhören – und sich angenehm verwirren lassen, träumen dabei.

Übrigens: Eine limitierte Stückzahl CDs wird zusätzlich auf dem italienischen Label Megaphone erscheinen.

>>> curt präsentiert: Angela Aux am 19. September im Milla

TEXT: Rebekka Olbrich


About Mirjam Karasek

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Quasselstrippende Lektorin und Mutter eines ebenfalls sehr redseligen jungen Kerlchens. Geht gerne auf Überraschungskonzerte und Flohmärkte, liebt Kommas an der richtigen Stelle, 70er-Jahre-Lampen ... Seit drei Jahren mischt sie bei curt als Online-Redakteurin und als Lektorin/Schlussredakteurin beim Magazin mit.