Gehört: Sable Noir – Chew!

Woran denkt ihr, wenn ihr die Wörter „Jizz Fizz“, „Watermelons“ und „Party Size“ hört? An feuchtfröhliche Entspannung unter dem klaren Sternenhimmel? An gute Laune und lauschige Strandkörbe? Niki Noir und Beastie Vee tun das offensichtlich eher weniger, zumindest wenn man ihr Debütalbum „Chew!“ als Grundlage nimmt. Denn gemäß ihrem Bandnamen ist bei den beiden Jungs von der Réunion-Insel der Sand schwarz, die Atmosphäre düster, das Drumherum dreckig.

Als „zouk love songs gone grunge“ beschreiben Sable Noir ihre Musik. Was genau sie damit meinen, bleibt zwar das Geheimnis des Duos. Immerhin ist es aber ein streckenweise faszinierendes Geheimnis. Eröffnungstrack „B Y O B“ – die englische Abkürzung für „bring your own booze“ – gibt dabei die Marschrichtung vor. Lustige Geräusche werden von Drums zerschmettert, darüber wabert der verzerrte Gesang von Beastie Vee zu einem unheimlichen Stimmungsunwetter, das verdeutlicht: Betreten nur auf eigene Gefahr. Und wenn möglich mit einigem Alkohol intus, denn wir tun das ja auch.

Tatsächlich hören sich die oft text-, zumindest aber sinnlosen Gesänge so an, als wären sie im volltrunkenen Zustand aufgenommen und anschließend rückwärts abgespielt worden. In einer Mischung aus Krach und Gothic nehmen uns Sable Noir mit auf einen Streifzug durch den nächtlichen Untergrund, lassen Wahnsinn und Alptraum zusammen ein Bier trinken. Das ist mitunter sogar hypnotisch, etwa beim dunkel brummenden „Jizz Fizz“, dem dröhnenden „Banana Coins“ oder dem gespenstischen Titellied, das letzte der elf Tracks, welches auch dann noch nachhallt, wenn die Musik längst vorbei ist.

Sable Noir Chew! Rezension curt München

Insgesamt mangelt es jedoch ein wenig an Abwechslung, wie in einem dunklen Strom werden wir in „Chew!“ mitgerissen, ohne rettende Inseln, ohne die Möglichkeit, sich an etwas festzuhalten. Nur manchmal stechen Lieder hervor, beim gitarrenlastigen „Tamarin“ gibt es immerhin helle Farbtupfer, das schimmernde „Macaron“ lässt einen zumindest wieder von besseren Zeiten träumen, von schöneren Orten, Sommer, Strand, Erlösung. Doch die gibt es hier nicht, zum Ende übernimmt die brachiale und schwer verdauliche Kombination aus Drums und Gitarre wieder das Kommando, der finstere Alltag hat uns wieder.

Manchmal hätte das durchaus melodiöser sein dürfen, wer sich mit etwas ungewöhnlicherem Krach jedoch anfreunden kann, darf durchaus mal bei Sable Noir reinhören und bei Gefallen auch deren Homepage einen Besuch abstatten. Im Laden werdet ihr „Chew!“ nämlich nicht finden, das Album ist ausschließlich als Download erhältlich.