Gehört: Pete MacLeod – Rolling Stone

Das eigene Debüt ausgerechnet „Rolling Stone“ zu nennen – mutig. Nicht nur, dass damit an die Uraltrocker und das fast ebenso betagte Musikmagazin erinnert wird, auch Assoziationen mit Bob Dylans „Like a Rolling Stone“ oder den Soulklassiker „Papa Was a Rollin’ Stone“ sind so unvermeidbar. Ganz so weit in die Vergangenheit ausgerichtet ist Pete MacLeod mit seinem Album zwar nicht, einen dicken Retrocharm versprüht der Schotte aber auch so: Auf der Rückseite der CD-Hülle wird brav in Side A und Side B unterteilt – wie in seligsten Schallplattenzeiten –, in der Mitte des Booklets findet sich eine familienfotoartige Collage und auch Typo und Farben der Schriften haben so gar nichts Modern-stylisches an sich.

Aber wer braucht das schon, wenn er auch einfach Spaß haben kann?

„What’s not for you won’t last much longer
Like the rain in California
It’s the sun that stays there for you“

Pete Macleod

Gleich im Opener „Let It Shine“ nimmt uns stimmungsmäßig mit an den Strand und lässt uns das aktuell Trübkaltdeprimierende vor dem Fenster vergessen. Nicht ganz Beach Boys, mehr à la Bangles dürfen wir uns hier mit fröhlichem Sing-along-Pop auf andere Gedanken bringen und ein bisschen von der Sonne träumen. Dieser Eskapismus scheint auch auf dem Titellied durch, das sehr viel weniger egomanisch ist, als man es vielleicht hätte vermuten können. Im Gegenteil: Wenn MacLeod davon singt, gerne ein rollender Stein zu sein, um weit weg von hier und von Normen sein zu können, hat das eher was Schwärmerisches.

Glücklicherweise wird er hier aber weniger weinerlich als etwa sein Labelkollege Chris Gant, sondern vertraut weiterhin auf schmissigen Gutelaunepop. Auch die Stimme ist kräftiger und erinnert an Simon Fowler von Ocean Colour Scene. Überhaupt wäre Pete MacLeod ganz gut in der Britpopbewegung damals aufgehoben gewesen, als eben OCS oder auch Blur und Oasis um die Chartspitze kämpften. Insofern wundert es nicht, dass Oasis-Entdecker Alan McGee dem Schotten einen Plattenvertrag in die Hand drückte und ihn als echten Rock’n’Roll-Star bezeichnet. Letzteres mag etwas übertrieben sein, denn trotz des häufigen Einsatzes von Gitarren ist die Musik von „Rolling Stone“ eher zahm. Aber ganz ehrlich: Vom Auftreten einmal abgesehen, so richtig „Rock“ waren Oasis damals auch nicht.

Die Texte sind wie bei den Kollegen aus Manchester recht einfach gehalten. Große Messages oder poetische Ambitionen sind hier nicht zu finden, aber zusammen mit der Musik erfüllen sie ihren Zweck. Auch zuviel Abwechslungsreichtum kann man dem Debüt nicht vorwerfen. Abgesehen von „Hold Me Now“ oder „Re:ality“, wo MacLeod das Tempo etwas zurücknimmt, oder den Radioeinspielungen auf „On the Other Side (Part 1)“ klingen die zehn Tracks recht ähnlich. Ehrliche, stimmige, handwerklich tadellos gemachte Musik – mehr will der Musiker offensichtlich nicht. Aber so lange die so gut ausfällt wie eben auf dem Opener, dem Titellied oder dem Abschluss „Today I Went Swimming“, gibt es wenig Grund zur Klage. Und da auch sonst keine Ausreißer nach unten auf dem Album sind, ist das etwas altmodische „Rolling Stone“ insgesamt durchaus empfehlenswert.

TEXT: Oliver Armknecht

 

 


About Mirjam Karasek

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Quasselstrippende Lektorin und Mutter eines ebenfalls sehr redseligen jungen Kerlchens. Geht gerne auf Überraschungskonzerte und Flohmärkte, liebt Kommas an der richtigen Stelle, 70er-Jahre-Lampen ... Seit drei Jahren mischt sie bei curt als Online-Redakteurin und als Lektorin/Schlussredakteurin beim Magazin mit.