Gehört: Paul Prem – Who Am I!

Von Dachau bis L.A. ist es oft nur ein Lick, ein Gefühl oder ein Riff.

Die Zeiten für freischaffende Künstler, vor allem aber Musiker, sind im Jahre 2020 hart. Und doch muss man für kleine große Highlights sorgen. Ein solches hat sich der Gitarrist Paul Prem, aus der Kreisstadt nahe der Isar-Metropole, in Eigenregie erschaffen. Allen Widrigkeiten zum Trotz legt er mit Who am I! eine musikalische Reise quer durch seine Vergangenheit und Zukunft vor.

Freilich vermutet man zwischen Amper und Isar kein Krokodil-durchseuchtes Bayou. Und doch vermag es Paul Prem als renommierter Gitarrenlehrer und leidenschaftlicher Musiker in zahlreichen eigenen Bands oder in zweiter Reihe bei Musikern wie Udo Lindenberg, der Spider Murphy Gang oder Andreas Kümmert die Brücke zwischen Heimat und dem Fernweh nach den großen Stories der englischsprachigen Rockgeschichte zu schlagen.

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https://www.youtube.com/watch?v=4ZvKS-nklVA

 

Auf Wo am I! therapiert sich Paul Prem in 14 rundum balsamierenden Sitzungen einfach selbst und lässt seine musikalische Sozialisation dank zahlreicher Gäste, aber auch in ureigener Nonchalance, für sich sprechen. Das Debüt, das eigentlich gar keines ist, wenn man seine Vita betrachtet, strotzt nur so vor Verbeugungen an die Sounds, die ihn seit Kindestagen geprägt haben. Selbst ein eigensinnig, aber gerade deswegen hörenswertes, Cover des Klassikers White Wedding von Billy Idol weiß mit seiner unbekümmerten Herangehensweise zu überzeugen.

Und so durchkämmt Paul Prem die verschiedensten Stile und Genres, die den so oft totgesagten, aber durchaus altersstarken und innovationsoffenen Rock, aufleben lassen. Ein Fest für versierte Musiker, eine spannende Sitzung alter Schule für alle, die erst seit ein paar Jahren Helden wie Pink Floyd, Steely Dan, The Who oder Hendrix huldigen – all das ist Who am I. Wer glaubt, sechs Saiten hätten ausgedient, darf die Schnauze halten, wer sich nur noch mit Bayern3 einen runterholt oder Unsummen für U2-Tickets bezahlt sowieso. Denn auch 2020 können Fender, Strat und andere Streitäxte verführerisch singen, ohne dass der Staub von zu lange nicht angerührten Plattenkisten die Sicht vernebelt.

Vielseitigkeit ist die große Stärke dieses Albums, dem Sänger wie Cyler James Holverson aus den Staaten oder Thorsten Nathan ihre Stimme liehen. Hinzugesellen sich Jack Beddis (UK) am Schlagzeug, der Saxophonist Martin Seiler oder der Pianist James Hurley. Während Paul Prem laut eigenem Bekunden auch den ein oder anderen Fanboy-Moment durch Joe Doblhofer und Thomas Lang erleben durfte. Namen wie Johannes Ochsenbauer und André Schwager durften ebenfalls nicht fehlen, wenngleich auch der Künstler himself auf Z’Guad selbstironisch und auf Place in Hell brunnentief drückend sogar selbst zum Mikrofon greift.

Who am I!, der Titel sitzt und so ist auch das in Eigenriege über zwei Jahre und alle Umstände hinweg auf zum Teil weite Distanz entstandene Album ein Bullseye, für all diejenigen, die Musikzitate mit Leib und Seele zu schätzen wissen – From Dachau with Love in die große weite Welt der internationalen Rockmusik. Paul Prem verbindet gekonnt Alt und Neu, Fernweh und Heimatliebe, gießt all das zusammen und kreiert somit eine gefühlvolle Laudatio auf sich selbst, seine Weggefährten und alte Helden.

Happy aXe-Mas: Pünktlich zum Run auf Weihnachten stellt Paul Prem auf seiner Website, Facebook und Instagram 24 Türchen bereit. Jeden Tag ein Lick, schnell und langsam samt TAB gegen die staade Zeit.


Gehört: Paul Prem – Who Am I! // Self-Released // VÖ: 6. November 2020 // Digital, auf CD oder Vinyl bestellen > Homepage