Gehört: Mac DeMarco –
„Salad Days“

„Salad Days“? Das hört sich nach Fastenzeit an, Kalorienzählen und Birkenstockschuhen – sprich, alles, was keinen Spaß macht. Und damit so gar nicht nach Mac DeMarco. Denn wenn der Kanadier für eins bekannt ist, dann ist das der unbedingte Wille zum Vergnügen, egal was andere davon halten. Was dann schon mal dazu führt, dass sich der Sänger auf der Bühne die Klamotten vom Leib reißt und den Drumstick in den Allerwertesten steckt. Vor Publikum wohlgemerkt. Und Kameras. Als „Slacker Rock“ wird seine Musik bezeichnet, zu Deutsch Faulenzer Rock. Er selbst nennt es „Jizz Jazz“. Was er damit meint? Keine Ahnung, das weiß wohl keiner so genau.

Anhören tut es sich aber so, als hätte sich Damon Albarn während seines Karibikurlaubs in einer Cocktailbar so richtig die Kante gegeben. Gitarrenlastiger Pop, etwas nölender Gesang, 60s-Haromnien und leichte Reggaeanklänge. Wenn ein Wort das dritte Album von Mac beschreibt, dann wohl dieses: entspannt. Dazu passen die handgeschriebenen Lyrics im Booklet, bei dem mehr als ein Rechtschreibfehler drinsteckt. Plattenmanager würden sich die Haare raufen, ihm selbst ist das egal. Korrektur lesen? Wozu?

„You’re better of dead
When your minds been set
From nine until five
How could it been true?
Well it’s happening to you
So take my advice
And take it slowly brother
Let it go now brother“

Single „Brother“ gibt dann auch vor, wohin die Reise gehen soll: Hört auf mich, genießt euer Leben und vergesst den Rest.

So wie hier hält er auch in anderen Liedern mit seiner Meinung nicht zurück, spendet Trost in „Blue Boy“, singt im spacigen Höhepunkt „Passing Out Pieces“ sogar, dass er schon immer gern seine Ansichten und Gedanken geteilt hat („Never been reluctant to share/Passing out pieces of me“). Ein Weltverbesserer-großer-Bruder mit erhobenem Zeigefinger ist Macky, wie er sich selbst nennt, jedoch nicht. Eher erinnern seine Ratschläge und Philosophien an die Lebensweisheiten, die man spät nachts auf Partys entwickelt, mit dem einen oder anderen Liter Alkohol im Blut. Nur dass man diese Ergebnisse dort meist schon am nächsten Tag vergessen, Mac DeMarco sie in aller Selbstverständlichkeit aber aufs Album gepresst hat.

Also alles eitel Sonnenschein? Nicht ganz. Eingewickelt im fröhlich-relaxten Frühsommersound verbergen sich manchmal Texte, die nicht unbedingt grußpostkartengeeignet sind, etwa im Opener und Titellied „Salad Days“.

„Always feeling tired
Smiling when required
Write another year off
And kindly resign“

Und im melancholischen „Chamber of Reflection“ lässt er ausnahmsweise sogar musikalisch seiner nicht ganz so fröhlichen Seite freien Lauf. Hier oder auch in „Goodbye Weekend“, in dem er recht charmant allen eine Abfuhr erteilt, die ihm was vorschreiben wollen, zeigt sich, dass der 23-Jährige doch mit dem zunehmenden Druck und Wirbel um seine Person hadert.

Und so steckt in „Salad Days“ dann doch deutlich mehr drin, als der Titel es vermuten lässt. Ob man es auf Mitternachtspartys laufen lässt, ein bisschen Trost braucht oder einfach nur die passende musikalische Begleitung für die aktuellen Sonnenstrahlen sucht, Spaß machen die 11 Tracks sehr wohl. Und selbst wenn der mit gerade mal 35 Minuten Laufzeit recht schnell vorbei ist, fühlt man sich danach so tiefenentspannt, als wäre man selbst in der besagten Cocktailbar und nichts in der Welt könnte einem etwas anhaben. Wofür man richtig dankbar sein kann, denn der nächste Montagmorgen im Büro kommt bestimmt.

TEXT: Oliver Armknecht

 

 


About Mirjam Karasek

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Quasselstrippende Lektorin und Mutter eines ebenfalls sehr redseligen jungen Kerlchens. Geht gerne auf Überraschungskonzerte und Flohmärkte, liebt Kommas an der richtigen Stelle, 70er-Jahre-Lampen ... Seit drei Jahren mischt sie bei curt als Online-Redakteurin und als Lektorin/Schlussredakteurin beim Magazin mit.