Gehört: Heidi Happy – „Golden Heart“

Heidi Happy? Angesichts solcher fröhlichen Alliterationen liegt der Schluss nahe, dass der Name einer Figur aus einem Saturday Morning Cartoon gehört, vielleicht auch einer Barbielookalike mit langen blonden Haaren. Alles falsch. Nicht nur, dass die Dame überaus real ist und nicht den USA, sondern der Schweiz entstammt. Sie ist auch noch brünett. Ach ja, und eine talentierte Sängerin obendrein.

Vier Alben hat die Dame aus Luzern bereits veröffentlicht, diese Tage folgt mit einigen Wochen Verspätung der Deutschlandrelease des neuen Longplayers „Golden Heart“. Und auch bei dem Titel ist der unbedarfte, potenzielle Käufer erst einmal misstrauisch: ernst gemeinter Kitsch oder böse Satire? Weder noch, vielmehr hat die Mittdreißigerin 14 Songs herbeigezaubert, die mal in Richtung Chanson, dann wieder Elektro ausschwingen, in ihrem Herzen aber den Pop tragen.

Einen Hang zur Ironie und feinem Humor kann man Heidi Happy aber nicht absprechen, sei es beim Opener „Ding Ding“, dessen simpler Titel wirklich Programm ist. Hört man das karnevaleske „The Whistle Song“, wo Gesang tatsächlich einem Pfeifen Platz machen muss, sieht man innerlich die sieben Zwerge den Berg herunterspazieren. Und wenn sie beim komisch-surrealen „In the Garden“ über ein nicht ganz so friedfertiges Beziehungsende singt, werden Erinnerungen an Beautiful South wach, bei denen es unter der lupenreinen Pophülle auch immer kräftig rumorte.

„Buenes tardes señor
I did not see you on the floor
I didn’t mean to step on you
I was blind and I am blue”

Ein Comedy-Album ist „Golden Heart“ damit natürlich nicht, wie der Titel schon ankündigt, soll auch das Emotionale nicht zu kurz kommen. Lieder wie „Down Town“ und „In Your Heart“ sind deutlich gefühlvoller, erzählen von kleinen gesten und großen Sehnsüchten, bei „More and more“ und „Maintenant“ wird es sogar geradezu traurig.

Einen selbstgeißelnden Seelenstriptease sollte man aber auch bei den Liedern nicht erwarten, vielmehr haben die 14 Tracks immer etwas Schulmädchenhaft-schwärmerisches an sich. Das liegt zum einen natürlich an der Stimme von Priska Zemp – so Heidis bürgerlicher Name – die es sich zwischen Feist und Donna Lewis bequem gemacht hat. Aber auch an den Liedern selbst. Mit einer Länge von meistens rund drei Minuten bleibt nicht viel Raum für textlichen Tiefgang, teilweise werden einfach nur Wörter aneinandergereiht und mit Ahs, Ohs oder Hmms ergänzt. Dadurch wirkt „Golden Heart“ immer mal wieder, als hätte jemand aus Versehen sein Notizbuch im CD-Player liegenlassen.

Was dem Album an Aussage fehlt, macht es jedoch durch seinen Abwechslungsreichtum wieder wett. Da werden Lieder schon einmal mit Waldhorneinlagen angereichert, Glockenspiele treffen auf elektronische Orgeln, auch Akkordeon und Flöte dürfen nicht fehlen. In Verbindung mit der knappen Spielzeit schüttelt Heidi Happy so ein ganzes Füllhorn kurzweiliger Popzwerge aus dem Ärmel, die vielleicht nicht die Welt bewegen, einem aber zumindest das trübe Wetter da draußen charmant vergolden.

TEXT: Oliver Armknecht