Im Gespräch: Jasmine Ellis von Jasmine Ellis Projects

Die Freie Szene stellt sich vor

In unserer neuen Rubrik stellt Mandana Mansouri exklusiv für curt regelmäßig Künstler*innen der Freien Szene in München vor. Das Ziel der Reihe ist es, Licht ins Dunkel zu bringen und natürlich am Ende des Tages immer der Weltfrieden. Für curt -Leser*innen, die gerne gespoilert werden, gibt es auch eine Website mit allen Aktivitäten der Freien Szene München.

Den Auftakt der Interview-Reihe macht Jasmine Ellis. Die kanadische Choreografin und preisgekrönte Filmregisseurin mit eigener Filmproduktionsfirma Bad Posture Productions arbeitet seit 2013 von München aus, führt ihre Produktionen international auf und ist die Gründerin des Trainingsprogramms für professionelle zeitgenössische Tänzer*innen Bad Lemons Project.  Ihre Arbeiten sind immer transdisziplinär und entstehen als Ensembleleistung.


Was bedeutet es für dich ein Teil der freien Tanzszene Münchens zu sein?

Im Idealfall bedeutet es unabhängig zu arbeiten, die Freiheit zu haben neue Ideen und Herangehensweisen in der künstlerischen Arbeit auszuprobieren und nicht an traditionelle Arbeitsweisen gebunden zu sein. Als Ausdrucksform ist Tanz international verständlich, das ist eines der interessanten Elemente im Tanz. Daher ist die Sprache keine Barriere und die Produktionen setzen sich in der Regel aus einer internationalen Gruppe von Künstler*innen zusammen. Ich schätze es sehr, als Mitglied der Freien Tanzszene in München wahr-genommen zu werden. Ich arbeite hart daran, die Situation auch für andere Künstler*innen zu verbessern mit dem von mir geleiteten Trainingsprogramm „Bad Lemons Project“. Meine Verantwortung geht jedoch über die lokale Szene selbst hinaus. Sie geht auch über die Grenzen einer Stadt oder eines Landkreises hinaus.

In deinen neuesten Produktionen betrachtest du mit Tänzer*innen, Musiker*innen, Bühnen- und Kostümdesigner*innen das Thema Einsamkeit. Wie näherst du dich dem Komplex der Einsamkeit mit einem Ensemble interdisziplinärer Künstler*innen?

Eines der großartigen Dinge an der Arbeit mit einem transdisziplinären Team ist, dass wir ein Thema aus vielen verschiedenen Perspektiven, Erzählweisen und Ausdrucksarten der menschlichen Erfahrung betrachten können. Wenn alle ihre persönlichen Fähigkeiten und Lebenserfahrungen einbringen, entsteht die Möglichkeit am Ende ein vollständigeres Kunstwerk zu erschaffen.

Wird die Welt mit den Produktionen von Jasmine Ellis Projects weniger einsam sein?
Ich hoffe es.

Wenn du dir etwas wünschen könntest, wen würdest du gerne im Publikum sehen?
Nicht-Tänzer*innen. So sehr ich meine Kolleg*innen und das Fachpublikum liebe und ihre Unterstützung schätze, so sehr bemühe ich mich doch Arbeiten auf die Bühne zu bringen, die ein breiteres Publikum ansprechen.


Das neueste Projekt von Jasmine Ellis „Is Susan lonely?“ wurde aufgrund der Corona-Pandemie zu einem Tanzfilm umgearbeitet, der vorraussichtlich Anfang Dezember online gestreamt wird.
Mehr Informationen dazu finden sich bald auf www.jasminellis.com

Fotos: Jasmine Ellis Projects