Gehört: Foxygen – … and Star Power

Erst langsam, dann umso schneller: Nachdem sie sich jahrelang mit kleineren Auftritten, EPs im Eigenrelease und vielen, vielen Experimenten verbracht haben, scheint es inzwischen bei Foxygen kein Halten mehr zu geben. Nach ihrem Langspieldebüt 2012 liegt mit „… and Star Power“ nun schon das dritte Album in ebenso vielen Jahren vor. Und diesmal meinten es Jonathan Rado and Sam France wohl besonders gut mit ihren Fans: Satte 24 Lieder wurden hier auf zwei CDs zusammengetragen, unterteilt in mehrere Segmente, die so lustige Namen tragen wie „The Paranoid Side“ oder auch „Scream: Journey Through Hell“.

Bevor wir uns aber den Abgründen in und um uns herum hingeben, darf beim Indierock-Duo erstmal fleißig mit den Füßen gewippt werden. „The Hits“ nennen die beiden selbstbewusst Teil eins ihres Konzeptalbums. Chuzpe? Vielleicht. Zumindest die gefällig-freundliche Single-Auskopplung „How Can You Really“ dürfte aber tatsächlich in so mancher Alternativesendung rauf und runter gespielt werden, Mainstream-Crossover-Potenzial à la MGMT ist ebenfalls da.

Wirklich darauf angelegt haben es die zwei Jungs aber nicht, was sich an den anderen Möchtegern-Erfolgen zeigt. Opener „Star Power Airlines“ ist mehr Geräusch denn Lied, eine brummende Hintergrundmelange aus Drums, unverständlichen Vocals und jaulenden Gitarren. Auch „Cosmic Vibrations“ fängt als Krach aus den Weiten des Alls an, diverse Tempo- und Stimmungswechsel später – schnelle Zeitlupe, energiegeladene Wehmut – ist es aber schon deutlich schwieriger zu sagen, wo man ist, wo der Sternenhimmel mit dem verrauchten Keller eins wird.

Etwas konfus ist dann auch das gesamte Album, das irgendwo zwischen Velvet Underground, Psychedelic Rock und Space Opera hin und her springt, manchmal auch in mehreren Genres gleichzeitig daheim ist. Abwechslungsreich ist das sicher, gleichzeitig aber auch etwas anstrengend und beliebig. Gerade weil Grenzen hier etwa so beständig sind wie im Osten Europas, bleibt nach 82 Minuten relativ wenig Konkretes zurück: das bizarre „Wally’s Farm“, das bedrohlich scheppernde „Cold Winter/Freedom“, die schön verträumten „Coulda Been My Love“ und „Flowers“.

Einige Andockstationen gibt es also, ansonsten verschwimmt „… and Star Power“ über die Distanz von 24 Liedern einfach zu sehr. Freunde experimentellen Retrosounds dürfen trotzdem einmal reinhören und zusammen mit Foxygen ein bisschen die Plattensammlungen auf dem Speicher durchforsten. Denn bei der musikalischen Wundertüte ist das Suchen mindestens genauso spaßig wie das Finden.


Foxygen „… and Star Power“ // Jagjaguwar (Cargo Records) // Oktober 2014