Gelesen: Flo Hayler – Ramones, Eine Lebensgeschichte

Die Frage nach der besten Band der Welt ist so sinnlos wie simpel zu beantworten. Die RAMONES, wer denn auch sonst! Wer einmal von Geist der vier New Yorker Outsider erfasst wurde, denn lässt die Begeisterung für den Power-Punkrock in ultra Hochgeschwindigkeit nie wieder los.

Jeder aufrichtige Musikfan sollte zumindest ein persönliches Ramoneserlebnis in seiner Fanbiografie stehen haben. Im Fall von Flo Hayler sind es gleich Hunderte. Aufgewachsen mit nur drei Himmelsrichtungen im Schatten des Eisernen Vorhangs war die bunte Welt des Rock’n’Roll Mitte der 80er Jahre in etwa so weit weg wie der Rockaway Beach. Dazu ein Umfeld, welches weder für Punk noch für Rock Verständnis gezeigt hat. Und trotzdem ist der Sound der Ramones wie die sprichwörtliche Bombe im Jugendzimmer des jungen Herrn Hayler eingeschlagen. Und bis zum heutigen Tag hat der rohe Sound der New Yorker einen unverrückbaren Platz in seinem Leben inne. Seit Jahren betreibt Flo Hayler in Berlin das weltweit einmalige Museum, das sich einzig und alleine der Großartigkeit der Ramones widmet.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Nachdem die Vier im Laufe ihrer Karriere eher selten (= nie) in der Stadthalle Helmstedt aufgetaucht sind, musste sich der Nachwuchspunker eben selber auf den Weg zu seinen Helden machen. Im November 1990 war es endlich soweit. Das erste Konzert der Ramones. Die Punkrock Taufe in diesem Strudel aus Lärm und Chaos der bei einem Ramones Konzert durch die Halle tobte. Ein wahrhaft erhabener Moment. Ich selber durfte diesen Moment schon ein Jahr vorher – nämlich auf der Brain Drain Tour ´89, in der Offenbacher Stadthalle erleben. We’re a happy family!

Zurück zum Buch. Auf über 600 Seiten erzählt Hayler die Geschichte der Ramones anhand bekannter Fakten und fügt eine Vielzahl von neuen Informationen, Anekdoten und Erinnerungen aus seiner gemeinsamen Zeit mit der Band hinzu. Today your love, tomorrow the world. Abgerundet wird der literarische Teil des Schmökers durch die selbstironischen Schilderungen seiner bis heute andauernden Punkrockjugend. Was Ramones, Eine Lebensgeschichte zum unverzichtbaren Standardwerk in der Rock’n’Roll Highschool macht ist das bislang unveröffentlichte Bildmaterial, welches die Texte begleitet. Hayler hat das Archiv des Ramones Museum durchforstet und neben den Abbildungen von seltenen Tourshirts, Posten und Liveshots auch so manch private somebody put something in my drink Momentaufnahmen hervorgekramt.

Fazit: Sollte ich dieses Buch im Schrank stehen haben? Auf jeden Fall! Am besten du besorgst dir ein Exemplar für Wohn-, Schlaf- und Gästezimmer. Mit einem Gewicht von knapp drei Kilogramm eignet sich das Teil hervorragend zum Beat on the Brat. Sollte ich wirklich jeden Buchstaben lesen oder reicht es, wenn ich mir die Bilder anschaue? Alles lesen, sonst verpasst du vielleicht das, was Hayler über die Coverversion des Songs Journey to the Center of the Mind von den Amboy Dukes schreibt: „Dabei handel es sich um die Band des schon 1968 recht seltsamen Ted Nugent, dieses Drogen verabscheuenden Hobby-Jägers, der trotz seiner ausgeprägten Vorliebe für Waffen zu feige ist, um in Vietnam den Dienst fürs Vaterland anzutreten. Der Song ist trotzdem gut“. So wie dieses Buch. Gabba-gabba, we accept you, we accept you, one of us!

Flo Hayler – Ramones Eine Lebensgeschichte // Heyne Hardcore // Hardcover / 640 Seiten // € 48,00 // VÖ: 01. Oktober 2018

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