5. Februar
Faber @ Muffathalle (Zusatzshow)

Glücklich kann sich schätzen, wer zu den 1.200 Menschen mit schnellen Fingern gehört, mit denen Julian Pollina seine Soiree am 5. Februar verbringt. Pollina, besser bekannt unter dem Moniker Faber, spielt kurz vor der Fasching sein Zusatzkonzert in der abermals ausverkauften Muffathalle.

Wer im Jahr 2017 seine Ohren auch nur ein bisschen aufgesperrt hat, dem ist die Musik Fabers nicht fremd. Der Schweizer Liedermacher wurde auf sämtlichen Radiostationen des guten Geschmacks rauf und runter gespielt. Seine Singles dröhnten “Alles Gute”, ‘Sei ein Faber im Wind” oder “Bratislava” ähnlich oft am Baggersee aus scheppernden Bluetooth-Boxen wie Wandas “Bologna” im Jahr 2015. Ja, unsere Nachbarn aus dem Süden mischen die deutsche Musikszene weiterhin erfolgreich auf.

Dabei mischen Faber und seine Band Goran Koč y Vocalist Orkestar bei ihren Konzerten das Publikum ähnlich rabiat auf wie die Kollegen aus Wien. Während Wanda jedoch mit lässiger Schnoddrigkeit aufwartet, ziert Faber ein lüsterner Intellekt. Die Texte wandeln einen schmalen Grad – nicht unähnlich der Höhenwege der Berner Voralpen – zwischen Gesellschaftskritik und Geilheit. Dazu die Reibeisenstimme eines Mannes jenseits von Fabers paar-Zwanzig und das Bild eines modernen Dr. Faustus will nicht aufhören, im Kopf der Autorin herum zu schwirren. Für literarische Vergleiche ist freilich im Konzertsaal kein Platz und die Gretchenfrage stellt sich schon gar nicht. Dank Polka-Rhythmen steht schon nach wenigen Songs der Schweiß auf der Stirn der Tänzer im Publikum.

Von schrieb er viele, denn Fabers Debüt “Sei ein Faber im Wind” enthält viele tanzbare Songs. Dennoch gibt es auch die langsamen Töne wie im tragenden “Bleib dir nicht treu” und dem melancholischen “Brüstebeinearschgesicht”. Hier zeigt Faber nicht nur seine Qualitäten als Songschreiber, sondern auch als Sänger. Hier vibriert Pollinas Brustkorb im charakteristischen weißen Hemd bei den lang gezogenen Tönen so stark, dass es sogar aus zwanzig Metern Entfernung sichtbar ist. München, 21 Uhr, die Stimme hält.

Ja, glücklich kann sich schätzen, wer zum Zusatzkonzert eine Karte bekam. Doch Faber wird wieder kommen. Und wer darauf nicht warten kann, versucht vielleicht noch abends vor der Muffathalle sein Glück.

Faber > Homepage // 5. Februar // Zusatzshow: Ausverkauft // Beginn: 20 Uhr // Muffathalle