25. März
Erik Cohen im Backstage Club

Der Deutschrock-Dirigent

Fast sieben Jahre ist es her, dass sich die Kieler Punk-Ikonen Smoke Blow mit ihrem Album „the record“ ein letztes Denkmal gesetzt haben. Nach einer Dekade ganz oben in den Schlagzeilen einschlägiger Musikzeitschriften und mehr als einmal zur „Platte des Monats“ gekürt, verkündeten die sechs Hafen-Krawallbrüder dann doch irgendwie alles erreicht zu haben, was man sich einst mit diesem „Kumpel-Ding“ vorgenommen hat. Konzerte spielen sie peu à peu bis heute und haben an ihrem Underground-Charme so gut wie nichts eingebüßt. Doch einer hat noch nicht genug – Frontmann Jack Letten.

Letten, der mit bürgerlichem Namen dann doch nochmal anders heißt, macht nicht einfach da weiter, wo Smoke Blow aufgehört haben, nein, er schafft sich ein weiteres musikalisches Alter Ego. Fernab der Skateparks und Mosh-Pit Hymnen, entschied er sich unter dem neuen Deckmantel Erik Cohen für eine der wohl am kritischsten beäugten Genres, den Deutschrock.

Die ersten Klangschnipsel, die auf die bis zur Unendlichkeit gespannte Fangemeinde losgelassen wurden, waren dann auch aller Erwartung nach mehr als polarisierend. Während sich der eine mit hochrotem Kopf und Schaum vor dem Mund über den Ausverkauf Lettens brüskierte, fraß sich der eingängige, direkte und lässig vorgetragene Sound anderenorts hinein in begeisterte Ohren. Das 2014 erschienene Album „Nostalgie für die Zukunft“ sagt dabei mehr über den Sound von Erik Cohens Doompop aus, als es sämtliche Deutungsversuche je könnten.

Während der hiesig im Radio rauf und runter gepumpte Deutschpop stets im Wir-Gefühl zu ersaufen droht, in die Selbstgefälligkeit abzurutschen scheint und zuckersüße Indie-Gitarren auf beleidigte Wohlstands-Stimmchen treffen, vermittelt Erik Cohen ein unverkennbares Gespür für Sprache, und berührt ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Die Songs durchstreifen dabei sämtliche Spielarten des Rocks, Erik Cohen klingt mal wie Glenn Danzig, hüpft rüber zu feinstem Garagenrock, punkt mal ein wenig und triffst dann wieder im Dunstkreis von Balladen und Country aufeinander.

Das im letzten Jahr erschienene zweite Album „Hier ist nicht Hollywood“ etabliert ihn schließlich komplett als emotional packenden Akteur der hiesigen Musiklandschaft, der es versteht gekonnt die vielen Peinlichkeiten seiner Zunft zu umschiffen. Auch wenn Erik Cohen sicher nicht den Deutschrock revolutioniert, so leitet er ihn in eine erfrischend ungewohnte Richtung und dirigiert mit Hand auf dem Herzen seine Band und sein Publikum.

Egal ob auf der Bühne, auf den Knien davor, oben am Balkon oder mitten im Publikum, nicht nur Jack Letten kann rocken, nein auch Erik Cohen offenbart die Rampensauqualitäten des privat eher bescheidenen Kielers. Am 25. März präsentiert die Szene-Ikone Letten im Backstage Club dann schließlich wieder Altes im neuen Glanz, direkt, unzensiert mit Bier in der Hand und der Rotznase hoch erhoben.

Erik Cohen > Facebook // Samstag, 25. März im Backstage Club // Beginn: 20 Uhr, Einlass: 19 Uhr // VVK: 16 Euro zzgl. Geb., Abendkasse: 20 Euro