9. März
Ephemerals @ Milla – ABGESAGT

Wiederholungen und Dauerschleife kommen bei den Ephemerals nicht vor. Verlass ist nur auf Musik, die high macht und überrascht. Mit dem brandneuen Album „The Third Eye“ öffnet sich dem Hörer tatsächlich eine neue Welt, die er mit seinem dritten Auge erkunden kann. Es ist eine Jazz-Welt 2.0 2.0, die sich aus der Soul-Welt der Ephemerals herausschält.

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https://www.youtube.com/watch?v=hud4cS8hypw

 

Schon das vorangegangene Album „Egg Tooth“ führte in eine spirituelle Wiedergeburt, quasi Yoga-Jazz. Die musikalische Reise geht nun noch weiter in diese Richtung. Transgender-Erfahrungen des Songwriters Nicolas Hillman Mondegreen führten zu dieser Entwicklung. Auch musikalisch. Moderner Jazz, der ins Stammhirn trifft, aber auch das Großhirn nicht schmäht.

Es wird spannend, denn die Ephemerals werden uns Zuhörer beim Ertasten ihres Neuraums teilhaben lassen. Nicht nur auf der Platte, sondern auch im Milla. Gerade live ist die Band konkurrenzlos. Allein schon die Stimme von Wolfgang Vabrun führt mit jeder einzelnen Note gleichsam durch alle Gefühlsräume, die ein Mensch haben kann. Es vibriert unter der Haut. Und von außen betrachtet ist Wolfgang die Ikone eines Soulsängers, nämlich schwarz, cool, heiß, alles. Und sexy.

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https://www.youtube.com/watch?v=RWHm-SIGKeU

 

Es wird noch spannender, denn Maria Chiara Argiro hat für die Tour 2020 den Platz des genialen Pianisten James Graham eingenommen. Ein weiterer Mann – „der Trompeter im herrschaftlichen Tweed-Anzug“ Damian McLean-Brown – ist nicht mehr dabei. Und auch am Schlagzeug sitzt nicht mehr Jimi Needles, sondern eine Frau: Romarna Campbell. Es geht kaum spannender, das neue Line-up. Denn selbst der Kopf, Bandgründer, Songwriter und Gitarrist Nicholas Hillmann Mondegreen, der ehedem Poncho trug wie ein echter Hutzel-Hippie, ist nun zur Frau geworden und nennt sich jetzt Olive, heißt es.

Früher resultierte aus dem Stilgemisch, auch dem musikalischen, eine seltene Grundstimmung: echte Toleranz und tiefer Respekt. Das hat sich offenbar in vielen Bereichen fortgesetzt. Je größer die Ungleichheit desto größer die Musik desto größer die Verbundenheit. Das Ganze ist eben mehr als die Summe von Einzelteilen.


Ephemerals > Homepage // 9. März // 20 Uhr // Milla // VVK 18,60 Euro zzgl. Gebühren
Ephemerals – „The Third Eye“ // Label: Jalapeno Records // VÖ: 10.01.2020