Entdeckt: Susanna Sawoff

Multikulturell, einfühlsam und sehr wandlungsfähig – das ist Susana Sawoff. Die Tochter einer Spanierin und eines Australiers lebt mittlerweile in Hamburg und veröffentlichte im letzten Jahr ihr hochgelobtes Debüt-Album „Wrapped up in a little Sigh“ – eine sehr intime Jazzplatte, die jede herbstlich/winterliche Minute in der Badewanne noch wohltuender macht.

Sinnlich seufzt die Stimme der 32-jährigen Susana zu den sanft beschwingten Klängen ihres Klaviers und einem unaufdringlichen Arrangement aus Kontrabass und Besenschlagzeug. Wo sie sonst, begleitet von feministischen Kampfansagen, mit ihren Schwestern Sonia und Monica als „Sawoff Shotgun“ über die Bühne wirbelt, ist sie hier ganz sie selbst. Susana seufzt – wie eine Große. In ihren Liedern über Enttäuschungen, Sehnsüchte und zerbrochene Liebe erzählt sie uns auf poetisch-nuancierte Weise von den kleinen Details des Lebens, die sonst meist nur vorüberhuschen. Ihre Stimme schwingt dazu zart und fesselnd zugleich.

Vor Kurzem veröffentlichte Susana Sawoff ihre erste Single „I’ll still miss you“. Mit dabei sind vier Remixe von international erfolgreichen Produzenten und das dazugehörige Video.

Im Clip zeichnet der junge steierische Künstler Constantin Luser grafische Assoziationen direkt auf den nackten Rücken der Sängerin. Regie führte der Österreicher Favela Gold, der für seinen Film „Language of Love“ 2010 eine Guggenheim YouTubePlay Shortlist Nominierung einheimsen konnte.

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http://www.youtube.com/watch?v=4cI7LgqgDec&feature=plcp

Wir haben Susana ein paar Fragen gestellt, um sie und ihre Musik noch ein bisschen besser kennen zu lernen:

Susana, deine Musik ist auf ihre ganz besondere Weise sehr facettenreich und weit entfernt vom musikalischen Einheitsbrei, den man gerade sonst überall hört. Würdest du uns einen kleinen Einblick in deine persönliche Zutatenliste gewähren und uns ein Tortendiagramm mit denjenigen Künstlern erstellen, die dich am meisten beeinflusst haben?

Dass du Österreicherin bist und auf dem besten Weg, eine international erfolgreiche Musikerin zu werden, wissen spätestens jetzt alle. Verstehe meine folgende Frage also bitte eher etwas spirituell: Susana, woher kommst du und wohin gehst du?

Spirituell? Ich weiß nicht einmal, was damit gemeint ist! Ein Versuch: Ich mache Musik, vor allem mein Solo-Projekt, weil es mich glücklich macht. Dabei geht es mir nicht um das ganze Musikbusiness-Schmusing rundherum und eigentlich auch nicht um das Live-Spielen (da befinde ich mich ja immer kurz vorm Nervenzusammenbruch). Es ist vielmehr das Komponieren zu Hause, das Am-Klavier-Sitzen – das macht mich wirklich glücklich. Da werde ich ruhig und entspannt. Andere machen Sport, gehen in die Moschee zum Beten oder schauen fern, um runterzukommen – ich setze mich ans Klavier und probiere herum. Ein Lied zu schreiben, ist (für mich zumindest) eine sehr langwierige und mühsame Angelegenheit. Aber wenn man einen Song tatsächlich fertigstellt und sogar zufrieden damit ist, dann ist das schon ein außerordentlich befriedigendes und heiteres Gefühl, das nur von sehr wenigen Dingen übertroffen wird.

Unter dem Namen „Sawoff Shotgun“ machen deine Schwestern und du Musik, die sich inhaltlich und stilistisch sehr von deinem Debüt-Album „Wrapped up in a little Sigh“ unterscheidet. Wie passt das für dich zusammen?

Ich glaube, so einfach gestrickt sind die Menschen nicht. Es ist durchaus kohärent oder zumindest verständlich, dass ein Mensch zwei sehr unterschiedliche Dinge macht. In meinem Fall: introvertierter und höchst minimalistischer Indie-Jazz versus Glitzerleggings-Elektro-Trash. Ich brauche das eine, um mich zu pushen, das andere, um mich zu beruhigen. So komplex kann man schon sein. Das ist meiner Meinung nach nicht schizophren. (I had me tested:)

Stell dir vor, Prince würde dir eine SMS schreiben, in der er dich bittet, als Vorband auf seiner nächsten Tour zu spielen. Er stellt dir frei, ob du solo oder mit deinen Schwestern zusammen auftrittst. Wie sieht deine Antwort-SMS an Prince aus?

Dear Prince, Family comes first: I say we go on tour together with my all sisters band „Sawoff Shotgun“. We share the same fixation topic wise, my sisters are also very tiny, and we definitely could use some of your dance moves. Love, Susana

Ich weiß, dass man auch in Hamburg, trotz des gewöhnungsbedürftigen Wetters, zu Fuß unterwegs ist. Wenn du mal durch die Häuserzeilen Hamburgs streifst, guckst du dann eher auf den Boden oder nach oben? Und was genau siehst du da?

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt … ich schau nach oben, um zu sehen, ob der Himmel doch noch irgendwo aufbricht, um die Sonne durchkommen zu lassen. Wenn das dann passiert, muss man ganz schnell am richtigen Ort sein. Entweder am Hafen oder im Park for maximum sun exposure. Manchmal frage ich mich wirklich, warum ich da in den hohen Norden gezogen bin. Ich als Halb-Spanierin/Halb-Australierin fand das Wetter in Graz schon immer ganz fruchtbar … und das ist ja schon halb im Balkan! Und jetzt lebe ich in Hamburg … da könnte man zu Recht durchwegs grantig sein – nur hilft das leider nichts!

Eingehüllt durch die Intimität und die wohlig warme Stimmung deiner Musik möchte ich zu guter Letzt noch wissen: Wessen Geschichten erzählen du und dein Klavier da eigentlich?

Ich befürchte: meine. „Wrapped up in a little Sigh“ ist ja mein Debüt-Album – da hat man sozusagen vom ganzen bisherigen Leben Geschichten zu erzählen. Für das zweite Album, mit dem ich schon längst hätte beginnen sollen, werde ich mich schon ein bisschen mehr umschauen müssen, um mir 12 Texte aus den Fingern zu saugen. Innerhalb von zwei Jahren passiert dann ja, zumindest auf der Liebesebene, auch nicht weiß Gott wie viel. Na ja, wer weiß!

Vielen Dank für das Interview!

Weitere Infos: www.susanasawoff.com

TEXT + INTERVIEW: MANUEL HAUGKE


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