7. März
Elephants on Tape @ Cord Club

The XX sind völlig überschätzt und langweilig. Sie haben zwar ein paar gute Songs geschrieben, aber die Alben als Gesamtwerk wirken besser als Valium. Da. Ich hab’s geschrieben und das auch noch öffentlich. Vielleicht blicke ich die vermeintliche Tiefe der Band einfach nicht. Aber vielleicht sehe ich auch nur etwas, was fast 3,9 Millionen Facebook-Fans verborgen bleibt.

Als ich zum ersten Mal „Lightweights“, das Debüt-Album von Elephants on Tape, hörte, brauchte ich eine Weile um zu merken, dass das Quintett aus Leipzig mich an meine musikalische Nemesis erinnerte. Ich rätselte eine Weile, suchte Vergleiche. Daughter? Ja, aber nicht ganz. Freilich ein bisschen The Notwist oder Aloa Input, aber bei Weitem nicht abgespaced genug. Der Caribou lässt auch ein bisschen anklingen … Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: der Gesang von Lisa Zwinzscher und Markus Rom, so ganz ohne Harmonien auf einer Tonlage. Die reduzierten Beats, die luftig aus den Bässen aufsteigen und zerplatzen wie Luftblasen, dann aber krachen können wie Bowlingkugeln aufs Parkett. Witzige elektronische Blieps und Bluups, welche die Songs zieren wie Marzipantierchen eine Schokotorte*. Das ist doch die XX-Formel? Aber, Moment mal. Das, was ich da hörte, war doch gut?

Ja. Sogar sehr. Denn die Formel ist zwar ähnlich, doch Elephants on Tape unterscheiden sich in wesentlichen Aspekten vom Londoner Trio. Wo Romy Croft schüchtern vor sich hinsäuselt, hat Zwinzschers Stimme Kante. Zart und hell, aber trotzdem rau und kraftvoll. The XX sind poliert, glatt geschliffen von den meisterlichen Händen ihres Produzenten Jamie XX (dessen Soloplatte ich übrigens fantastisch finde, versteh einer die Welt). Statt der Steeldrum-Allüren von „Coexistinem“ findet sich auf „Lightweights“ verkopftes, smartes Gewusel, das einem Markus Acher Tribut zollt. Und dann sind die englischen Texte auch noch ziemlich gut für eine deutsche Band. Vor allem wenn Zwinzscher sie so wundervoll artikuliert: „I tried to find you in a crowd of crooks and cynics and cineasts“, singt sie auf „Traffic Signs“ und die Cs schnalzen dabei wie eine Peitsche.

Live im Studio klingt das nochmal toller: Zwinzschers Gitarre setzt kurz aus, sie lässt ihre Jungs schredden. Ein Riese scheint sie nicht zu sein, doch ihr ODuHiLa („Oben Dutt, hinten lang“ – spread the word) und vor allem ihre Stimme verleihen ihr Größe, schwebt sie doch transzendent über dem manischen Geschrubbe ihrer Bandkollegen. Ganz wunderprächtig.

Das TL;DR (too long; didn’t read) gibt’s hier: Elephants on Tape haben ein wundervolles Debüt geschrieben. Es klingt, als ob The XX und The Notwist ein Baby hatten und es mit ein bisschen Dub, bisschen Nintendo und ganz viel Liebe aufzogen. Das Album kommt am 16.02.2018. Und die Band am 07.03.2018 in den Münchner Cord Club. Ja, das ist ein Mittwoch, aber Mittwoch ist doch der neue Donnerstag und Donnerstag doch eh der bessere Freitag. Also kommet und sehet, dass Leipzig vielleicht das neue, bessere South East London ist. Ich bin jedenfalls davon überzeugt.

* (um Gottes Willen aber keine Einhörner!!!!1!11EINSELF)


Elephants on Tape – Lightweights // 7. März // 20 Uhr // Cord Club, Sonnenstraße 18
> Homepage > Facebook