Im Gespräch: Ecco Meinecke

Ecco DiLorenzo & his Innersoul, die Shtetlmusikanten, Folksfest, Ecco DiLorenzo Jazz Quartett, Anthony’s Garden … als Musiker mischt der Münchner in vielen Bands mit. Als Kabarettist präsentiert er nach sieben Jahren bei der Münchner Lach- und Schießgesellschaft mit „Liberté! Égalité! Humbatäterä-täta!“ sein mittlerweile drittes Soloprogramm. Er schauspielert, moderiert, schreibt. Der Künstler Ecco Meineke ist viele.

Wie kam es zu dieser künstlerischen Vielfalt?
Als ich Abitur gemacht habe, war ich schon mit Werner Schmidbauer unterwegs. Da bin ich in vielen mixed programs aufgetreten, wo ich gesehen habe, was für verschiedene Formen es gibt. So kam eins zum anderen. Im Prinzip war schon alles da.

Wo aber ist deine künstlerische Heimat?
Wenn ich was mache, bin ich in dem Moment dort zu Hause.

Und was treibt dich an: große Kreativität, Hyperaktivität oder nur die Notwendigkeit der Existenzsicherung?

Das ist es schon alles! Es ist leichter ist, sich festzulegen, wenn man als Künstler sofort mit einem Ding Erfolg hat. Wenn nicht, kannst du vielleicht noch sagen, ich mache primär eine Kunstrichtung und verdiene mir sonstwo was dazu. Ich habe mir gedacht: Warum soll ich grundsätzlich Dinge machen, die nicht kreativ sind, warum nicht gleich kreativ sein in allem?

Zahlreiche Projekte, gute Presse, viele Preise: Zahlt sich das finanziell aus?
Nein, absolut nicht. Mir als Kabarettist fehlt das Fernsehen. Ohne Fernsehen kriegst du die Bude nicht so voll wie mit. Was Live-Musik betrifft, das ist Tingeln. Da wirst du nicht reich von.

Hat Kunst generell einen zu geringen Stellenwert?
Ja, klarer Fall. Die hohen Mieten in München sind das eigentliche Armutszeugnis. Wir beißen doch solidarisch alle in den sauren Apfel. Den Bühnenbetreibern kann man keinen Vorwurf machen, die zahlen ebenso drauf. Musik-Clubs sind im Gegensatz zu Berlin extrem dünn gestreut. Außerdem scheitert das ja schon an den Nachbarn. Die Clubs machen zu, wenn sie nicht Zigtausende in die Lärmdämmung stecken. Aber irgendwo kommt doch wieder ein Bass durch.

Was bedeutet für dich Heimat?
Heimat ist für mich meine Lieben und die Szene.
„Heimat“ ist allerdings ein komischer Begriff. Vor zwei Jahren war ich in Gorleben, nachts vor dem Endlager und habe den Pressesprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg gefragt: Warum ist eigentlich gerade der Widerstand der Bauern dort so groß, wo man doch eigentlich denkt, Bauer ist gleich konservativ? Er antwortete, Landwirte könnten eben ihren Acker nicht einfach zusammenrollen und woanders wieder aufstellen. Wenn du deinen Hof über Generationen bestellst, bist du mit ihm verwachsen. Das ist ein ziemlich natürlicher Heimatbegriff. Den kann ich noch nachvollziehen.
Ich kann auch nachvollziehen, wenn man einen Dialekt spricht, dass man sich dort heimisch fühlt, wo er gesprochen wird. Ich bin in einer Bundeswehrsiedlung außerhalb Kaufbeurens aufgewachsen. Natürlich war die unmittelbare Umgebung für mich so was wie eine Heimat, aber andererseits waren mir die bürgerlichen Strukturen so zuwider, dass die Landschaft das nicht retten konnte. Dann bin ich nach München gekommen in die Großstadt und Großstadt ist für mich schon eher eine Heimat. „Stadtluft macht frei!“
Vor Jahren gab es ja eine Wiederentdeckung der Heimat durch die Mundart-Dichtung. Stichworte Fredl Fesl, Biermösl Blosn bis heute bei LaBrassBanda. Das ist für die jungen Leute so was wie eine Heimat. Wobei ich das so von außen betrachtet manchmal auch wieder als Heimattümelei empfinde. Ich als nicht Dialektsprechender sage: Nur weil es auf Bayerisch ausgedrückt wird, ist es nicht per se schon innovativ. Es geht schon um den Inhalt. Nur Dialekt reicht nicht.

Sprache steht für dich also nicht für Heimat?
Das ist spiegelbildlich mit den verschiedenen Kunstformen, in denen ich mich bewege. Ich fühle mich grundsätzlich heimisch, habe viele Wurzeln. Ich habe eine große Liebe zur Welt. (lacht)

Abseits der Bühnen wirkst du eher introvertiert und ernst …
Sobald ich auf der Bühne stehe, geht die Post ab, aber um all das unter einen Hut zu kriegen, muss man oft konzentriert sein. Da gibt es tausend Kleinigkeiten, die erledigt werden müssen. Zu 90 % Bürokram übrigens. Dann muss man viel Texte lernen, sich vor einem Auftritt fokussieren. Und schließlich gehen einem als Kabarettist viele unschöne politische Dinge nahe.
Ich gebe auch zu, dass ich privat nicht der gesellige Typ bin, der einen Stammtisch unterhalten kann oder will. Muss ich ja auch nicht.

Lieben Dank, Ecco, für das Interview // Foto: Janine Guldener
Das Interview führte Mirjam Karasek. Erstmals erschienen ist der Beitrag im curt Magazin #78 >> Heimat.


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Quasselstrippende Lektorin und Mutter eines ebenfalls sehr redseligen jungen Kerlchens. Geht gerne auf Überraschungskonzerte und Flohmärkte, liebt Kommas an der richtigen Stelle, 70er-Jahre-Lampen ... Seit drei Jahren mischt sie bei curt als Online-Redakteurin und als Lektorin/Schlussredakteurin beim Magazin mit.