3. April
Dylan Carlson @ Feierwerk

Der Konquistador ist zurück. Als Dylan Carlson im Jahr 1993 mal eben fast im Alleingang das Genre des Doom-Metals erfand, konnte noch keiner wissen, welch wirklich tragende und vor allem wegweisende Rolle der bescheidene Mann aus Washington spielen würde. Heute, knapp 26 Jahre später, sind die Schwingungen von Earth 2: Special Low Frequency Version noch immer in der Szene zu vernehmen und haben Carlson und seine Band Earth zur Legende gemacht. Mittlerweile nicht mehr bei Sub Pop Records unter Vertrag, hat sich Carlson auf dem Qualitätslabel Sargent House sein Nest gebaut und brachte nach acht Earth-Alben im letzten Jahr mit Conquistador sein drittes Werk unter dem Namen drcarlsonalbion heraus. Dieses Frühjahr setzt der Mann mit den Erdbeben-Riffs nach unglücklicher Krankenhauszeit seine Tour durch Europa fort und beehrt am 3. April das Feierwerk.

Some news on the winter solstice: i’m feelin’ much better now and the conquistador will be hittin the road in the uk/eu again. thanks to all for your concern, well wishes and patience with rescheduling these dates. the time to see me perform is now, who knows what tomorrows brings.

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https://www.youtube.com/watch?v=XJ0CyOVTSV8

 

Ein wenig selbstzerstörerisch und ironisch muten diese Worte an, war Carlson Ende letzten Jahres doch eher durch Porträtfotos aus dem Krankenhaus in die Schlagzeilen geraten. Allem Raubbau am eigenen Körper zum Trotz – Carlson hat nicht nur seinen Freund Kurt Cobain vorzeitig ableben sehen – gehört er mit einem halben Jahrhundert zur Speerspitze wie zum Line-up einschlägiger Genre-Festivals. Schleppende, tief wummernde Riffmontagen sind sein Aushängeschild, seit er mit seiner Kultband Earth und diversen Wegbegleitern (u.a. Joe Preston von The Melvins) den Doom-Metal erfand. Bands wie Sunn O)) widmen ihm ganze Songs und seine gesamte Sargent-House-Familie dürfte ihn zu ihren größten Einflüssen zählen. Als drcarlsonalbion frönt das Mastermind seiner Vorliebe für die okkulte Folklore des britischen Empires und seiner Faszination von all things british. Sein neues Soloalbum Conquistador ist dabei eine eine anmutige, aber auch heimsuchende Mischung aus Gitarrenriffs und Melodien sowie der perfekte Soundtrack eines postmodernen Westerns.

Die ideale Partitur für einen Sergio-Leone-Film, so versprechen es die Pressemitteilungen. Für jene Ode an Minimalismus und Gitarrenforschung machte er sich auch das einfühlsame, aber nicht minder nerdige Know-how seiner Labelkollegin Emma Ruth Rundle zunutze, die auf dem Langspieler die Saiten bemüht und auf ihrem eigenen Album On Dark Horses ebenfalls keine Western-Anleihen vermissen lässt. Halb Schamane, halb Visionär, Dylan Carlson übt sich anders als auf seinen Earth-Alben dieser Tage mehr als Erzähler. Nicht mehr ganz so wuchtig wie noch in den späten 90ern, übt er sich in ätherischen Wüstengemälden, die er hauptsächlich aus dem Korpus seiner Gitarre entstehen lässt. Für Fans des Wilden Westen, die sich vor allem für dessen Soundqualitäten erwärmen können, aber auch für alle, die den Drone-Titanen einmal live erleben wollen, ist der 3. April in der Kranhalle ein absoluter Pflichttermin.


Live: Dylan Carlson > Homepage // 3. April 2019 // Feierwerk (Kranhalle) // Beginn 21 Uhr // VVK 14 EUR zzgl. Gebühren