Auf DVD: Paddington 2

Der 100. Geburtstag von Tante Lucy naht. Da braucht es schon ein richtig schönes Geschenk! Zum Glück hat der kleine Bär Paddington aber auch schon eine Idee: ein Pop-up-Bilderbuch über London, das er im Antiquitätenladen von Mr. Gruber (Jim Broadbent) gefunden hat. Leider ist das Buch aber ziemlich teuer. Und so ein Bär hat nun einmal nicht wirklich viel Geld. Während Paddington versucht, in diversen Nebenjobs eben dieses Geld zu verdienen, erfährt leider auch der frühere Schauspieler Phoenix Buchanan (Hugh Grant) von dem Buch. Und der hat seine eigenen Gründe, warum er es unbedingt haben will – koste es, was es wolle.

Wenn Kinderhelden von einst wieder für neue Abenteuer ausgekramt werden, dann fällt dieses Wiedersehen oft etwas ernüchternd aus. Als 2014 „Paddington“ in die Kinos kam, war die Überraschung daher umso größer. Die Buchadaption war einer der schönsten und unterhaltsamsten Familienfilme der letzten Jahre. Glücklicherweise steht „Paddington 2“ dem Spaß des Erstlings nicht nach. Und das, obwohl der Film notgedrungen in eine etwas andere Richtung geht. Wo das Debüt noch mit den typischen Culture-Clash-Elementen spielte, wenn ein Bär versucht als Mensch zu leben, sind diese hier stark minimiert. Paddington weiß nun – meistens zumindest – wie die Welt der Zweibeiner funktioniert und hat sich ganz gut darauf eingestellt. Nur zu Beginn erinnert King an den Vorgänger, wenn er seinen Protagonisten von einem Missgeschick ins nächste stolpern lässt. Die Szenen bleiben dieses Mal jedoch eher die Ausnahme.

Unverändert ist jedoch der Charakter von Paddington: Er ist noch immer gutherzig, gutmütig und reichlich naiv. Nur werden diese Eigenschaften diesmal genutzt, um einen besonders starken Kontrast zu den Menschen aufzubauen. Denn irgendwie hat der Bär eine Pfote dafür, nicht unbedingt den nettesten und selbstlosesten Vertretern unserer Art zu begegnen. Das funktionierte bei „Paddington“ schon sehr gut. Bei der Fortsetzung wird das noch mal stärker.

Vor allem Hugh Grant ist eine Wucht: Als gealterter, selbstverliebter Schauspieler, der inzwischen unwürdige Arbeiten annehmen muss, darf er sich selbst mächtig auf die Schippe nehmen. Und auch Brendan Gleeson, der hier einen grimmigen Knastkoch spielt, hat eine Reihe von Glanzauftritten, wenn sich sein Weg mit dem unerschrocken-liebenswürdigen Bären kreuzt. Ohnehin ist die Besetzung wunderbar – ein jeder auf skurrile Weise überzogen, damit das Abenteuer nie zu real wirkt.

Auch visuell nähert sich „Paddington 2“ einem Märchen an. Zwar spielt der Film im realen London, versteht es aber immer, dieses in ein geradezu magisches Abbild unserer bekannten Welt zu verwandeln. Vor allem beim das turbulente Finale ist auch optisch eine mitreißende Achterbahnfahrt. Natürlich bleibt „Paddington 2“ im Herzen ein Film, der sich eher an ein jüngeres Publikum richtet. Aber es passiert dann doch so viel, wird an vielen Stellen so lustig, dass auch Erwachsene sich ohne falsche Scham danebensetzen, schmunzeln und manchmal richtig lachen dürfen. Dazwischen finden sich aber auch immer wieder ruhigere und rührende Momente, die den Spaß abrunden und die Kinderbuchadaption erneut zu einem Höhepunkt machen.

Fazit: Nach dem Überraschungserfolg von „Paddington“ schuf Paul King bei dem zweiten Kinoauftritt des kleinen Bären Paddington einen mindestens ebenbürtigen Nachfolger. Neben dem liebenswürdig-tollpatschigen Protagonisten überzeugen dieses Mal gerade auch die zum Teil herrlich überzogenen menschlichen Figuren. Zusammen mit dem hohen Tempo, viel Witz und einem optischen Wunderland wird „Paddington 2“ so erneut zu einem großen Spaß für die ganze Familie.

Wertung: 8 von 10

Regie: Paul King; Darsteller: Hugh Bonneville, Sally Hawkins, Jim Broadbent, Hugh Grant, Brendan Gleeson; VÖ: 26. März 2018