Auf DVD: Mutafukaz

Es ist ein einfaches, beschauliches Leben, das Angelino da führt. Man könnte aber auch erbärmlich dazu sagen. Tagsüber fährt er Pizzen aus, um in der von ihm so verachteten, heruntergekommenen Stadt Dark Meat City über die Runden zu kommen. Die Nächte verbringt er in einer Wohnung, die er mit seinem besten Freund Vinz, einer Menge Dreck und einer Armee von Kakerlaken teilt. Wenn doch nur endlich etwas passieren würde! Das tut es dann auch, aber etwas anders als von ihm erhofft. Nachdem er mit seinem Roller einen Unfall hatte, wird Angelino von seltsamen, furchterregenden Visionen geplagt. Und als wäre das nicht schon beunruhigend genug, sind ihm plötzlich Männer in schwarzen Anzügen auf den Fersen. Aber weshalb nur? Was wollen diese Typen von ihm?

Grundlage von „Mutafukaz“ bildet ein Comic von Guillaume Renard, der diesen nun in einem sieben Jahre dauernden Prozess mit Co-Regisseur Shōjirō Nishimi adaptierte. Und auch Studio 4°C standen dem Franzosen zur Seite. Und wer andere Werke des japanischen Animationsstudios gesehen hat, etwa „Mind Game“ (>> Filmkritik) oder „Tekkonkinkreet“ (>> Filmkritik), der weiß, dass dieses es gern ein bisschen abgefahrener mag. Dem steht das neueste Werk dann auch in nichts nach.

Die Parallelen zu „Tekkonkinkreet“ sind dann auch recht offensichtlich: Beide Geschichten spielen in heruntergekommenen Städten, beide handeln von zwei ärmliche Jungen, beide Filme sind von übernatürlichen Elementen geprägt, von teils recht expliziter Gewalt. Bei „Mutafukaz“ geht Letztere jedoch nicht von den Yakuza aus, sondern von schwarzen Ghettogangs. Die Inspirationen des französisch-japanischen Werks liegen dann auch offensichtlich – zum Teil zumindest – in den USA, wo der Film auch spielt. Immer wieder erklingen Hip-Hop-Beats, auch Wrestler tauchen irgendwann auf. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Nichts. Und doch wieder alles. Vielleicht.

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https://www.youtube.com/watch?v=fF6NbhumFTM

 

Nein, in „Mutafukaz“ geht es weniger darum, eine tiefsinnige und ausgefeilte Geschichte zu erzählen. Das große Ganze interessiert Renard weniger, er stürzt sich lieber in Details. Die haben es dafür aber in sich. Beispielsweise ist der Kopf von Vinz ein Totenschädel, der unentwegt brennt. Das wird zwischenzeitlich mal thematisiert, so wie der Film allgemein vereinzelt auf eine Meta-Ebene wechselt. Aber es reicht dem französischen Künstler, auf die Seltsamkeit seines Werkes aufmerksam zu machen, sollen doch andere sich mit Erklärungen oder auch deren Fehlen herumärgern. Er will lieber seinen Spaß haben.

Den hat man dann auch als Zuschauer: „Mutafukaz“ ist ein unterhaltsamer, anderthalb Stunden dauernder Animationsfilm, der neben den bizarren Einfällen auch durch sein hohes Stilbewusstsein auffällt. Irgendwo zwischen Anime und Underground-Comic angesiedelt vergisst das Werk bei all seinen kuriosen Designs auch die Technik nicht: Vor allem die lebendig-abgefuckte Stadt lohnt es sich einmal anzuschauen.

Fazit: „Mutafukaz“ nimmt uns mit auf einen Trip durch eine abgefuckte Stadt, wo zwei Jungs ein unglaubliches Abenteuer erleben. Sonderlich viel Sinn ergibt die Comic-Adaption nicht, soll sie aber wohl auch nicht. Spaß macht sie nämlich in erster Linie durch die vielen bizarren Einfälle und ein unglaubliches Stilbewusstsein.

Wertung: 8 von 10

Regie: Guillaume Renard, Shōjirō Nishimi; VÖ: 14. März 2019