Auf DVD: Mandy

Red Miller (Nicolas Cage) lebt mit seiner Freundin Mandy (Andrea Riseborough) ein friedliches und zurückgezogenes Leben in den Shadow Mountains. Doch dieses ist eines Tages jäh vorbei, als Jeremiah Sand (Linus Roache) die hübsche Frau erblickt. Getrieben von seinen Begierden und einem göttlichen Sendungsbewusstsein lässt der Sektenführer das Paar entführen, in der Erwartung, Mandy gefügig zu machen. Als er damit scheitert, fackelt er nicht lange und tötet sie – vor Reds Augen. Rasend vor Zorn macht der sich am nächsten Tag auf den Weg, sich für seinen Verlust zu rächen und Jeremiah und seinen Klan zu bestrafen.

Nicolas Cage spielt einen Mann, der den Tod seiner großen Liebe rächt. Da liegt die Vermutung nahe, „Mandy“ wäre nur ein weiterer billig zusammengeschusterter Trash. Und auch wenn der Film bei zahlreichen Festivals gefeiert wurde: An dem Inhalt lag das sicher nicht. Denn der variiert das Schema nur minimal durch Drogenelemente und religiöse Motive. Der italienische Regisseur und Co-Autor Panos Cosmatos zeigt dafür anderweitig seine Klasse. Er nimmt nicht nur das notorisch exzentrische Gebaren von Cage an, er baut drumherum eine Bühne, die geradezu maßgeschneidert für den Oscarpreisträger  wirkt. Denn dessen Wahnsinn verschmilzt mit dem seiner Gegner, verleibt sich auch noch das Drumherum ein. Die Shadow Mountains, sie sind nicht einfach nur ein dreckiger Hinterwäldlerflecken, an dem so viele unmenschliche Horror-Verbrechen verübt werden. Sie sind ein mystischer Ort, bei dem nicht ganz klar wird, ob er Teil dieser Welt ist. Ob überhaupt irgendetwas real ist, was hier geschieht.

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https://www.youtube.com/watch?v=lrg9MLUF8tw

Von Anfang an ist „Mandy“ deutlich surrealer, als es solche Rachestreifen in der Regel sind. Der Albtraum schert sich dabei nur wenig darum, wer ihm folgen kann. Er verlässt sich darauf, dass die Leute es auch so tun. Die Chancen dafür stehen gut, gewisse Vorlieben vorausgesetzt. Die können beispielsweise darin bestehen, die Belastbarkeit menschlicher Körper testen zu wollen, wenn diese hier verstümmelt werden, verbrannt, manchmal auch einfach nur explodieren. Es dauert allerdings eine Weile, bis der Film tatsächlich zu einem ähnlichen infernalen Gemetzel wird.

Aber schon vorher zeigt „Mandy“ hypnotische Qualitäten. Untermalt von einem wummernden Heavy-Metal-Trance steigen wir Stufe für Stufe tiefer hinab in einem Albtraum aus kaum zu identifizierenden Geräuschen, seltsamen Farben und bizarren Bildern. Selten war der Wahnsinn audiovisuell kunstvoller in Szene gesetzt als hier. Ein fiebriger Blutrausch, der im Anschluss noch länger nachwirkt, selbst wenn – oder weil – man nicht weiß, was da eigentlich genau gerade geschehen ist.

Fazit: „Mandy“ ist tatsächlich das von vielen Seiten beschworene Comeback des oft verspotteten Nicolas Cage, da es der Film schafft, seinen Hang zum Overacting kunstvoll mit einem albtraumhaften Wahnsinn zu verschmelzen. Der Inhalt des Rache-Horrors ist dabei nicht einmal zweitrangig. Stattdessen ist es das Zusammenspiel bizarrer Bilderwelten und eines hypnotisch pochenden Scores, der den Blutrausch so nachhaltig wirksam macht.

Wertung: 8 von 10


Regie: Panos Cosmatos; Darsteller: Nicolas Cage, Andrea Riseborough, Linus Roache; VÖ: 29. November 2018