Auf DVD/Blu-ray: Filme aus Asien

Es müssen ja nicht immer die USA und Europa sein. Dieses Mal lassen wir unseren kritischen Filmblick bis weit in den Osten streifen und haben dabei drei interessante und sehr unterschiedliche Werke gefunden: ein Westerndrama mit komischen Elementen, einen brutalen Thriller um zwei Serienmörder und einen wunderschönen, tieftraurigen Krimi.

„My Sweet Pepper Land“
So unterschiedlich ihre jeweiligen Berufe auch sein mögen, in dem kleinen kurdischen Dorf an der Grenze von Irak, Iran und der Türkei haben Baran (Korkmaz Arslan) und Govend (Golshifteh Farahani) mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen. Während die Versuche des Polizisten, nach dem Sturz von Saddam Hussein einen Rechtsstaat aufzubauen, am allmächtigen Clanoberhaupt Aziz Ağa (Tarik Akreyi) scheitern, ist die Lehrerin auch als Person unerwünscht. Eine unverheiratete Frau Ende 20? So etwas gehört sich nicht! Bei ihrem gemeinsamen Kampf für Wandel und Anerkennung kommen sich die beiden Außenseiter langsam näher – was gleich von mehreren Seiten aus wenig gern gesehen wird.

Der Film beginnt mit einer missglückten Hinrichtung und dem Beweis, wie sehr Anspruch und Umsetzung manchmal auseinanderklaffen. Auch später gibt es immer wieder komische Momente, doch die Stimmung kippt in Richtung Drama, versetzt mit Elementen der Romanze und des Westerns. Letzteres betrifft nicht nur die Bilder – wie ein Cowboy reitet Baran ins Dorf, seine Widersacher sind typische Revolverhelden, auch die karge Landschaft ist denen der Vorbilder würdig –, sondern auch den Inhalt. In klassischer Genremanier sind die beiden Aufsässigen die einzigen mit Anstand, setzen sich für Recht und Freiheit ein. Trotz der einfachen Figuren: Beliebig oder distanziert wird „My Sweet Pepper Land“ nie, denn Regisseur Hiner Saleem und die überzeugenden Leistungen der beiden Hauptdarsteller machen es einem leicht, beim frustrierenden Kampf gegen die Gegebenheiten mitzufühlen. Und unterhaltsam ist ihr Film ohnehin. Neben dem Humor kommt auch die Spannung nicht zu kurz, zudem wird die Geschichte in sehr stimmungsvolle Bildern erzählt. Selbst wer nichts mit dem politisch motivierten und feministisch untersetzten Inhalt anfangen kann, darf sich auf weitläufige Landschaftsaufnahmen freuen, aber auch auf eine Musik, die sich mal aus Westernmotiven und dann wieder wunderschönen traditionellen Klängen zusammensetzt.

Wertung: 7 von 10


Regie: Hiner Saleem // Darsteller: Golshifteh Farahani, Korkmaz Arslan, Suat Usta, Tarik Akreyi // VÖ: 31. Oktober 2014


 

„Killers“
Zwei Männer, zwei Länder, zwei komplett unterschiedliche Lebensweisen. Und doch haben Shuhei Nomura (Kazuki Kitamura) und Bayu Aditya (Oka Antara) eine Gemeinsamkeit: Beide sind Serienmörder. Während der wohlhabende Japaner Shuhei aber aus reinem Vergnügen dieser Berufung nachgeht, ist dies beim indonesischen Bayu sehr viel weniger freiwillig. Reine Notwehr ist es, die den Journalisten dazu veranlasst, seinen beiden Angreifern das Leben zu nehmen. Als er die Leichen jedoch filmt und das Video ins Netz stellt, ist das der Beginn einer etwas anderen „Freundschaft“ mit seinem Mitmörder. Außerdem gäbe es da noch seinen Erzfeind, einen korrupten Politiker, der einen vorzeitigen Tod verdient hätte.

Interessant ist der indonesisch-japanische Film, weil wir hier durch die Augen zweier Serienmörder schauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die zeigt sich bereits bei den Bildern: Shuhei, der kultivierte Charmeur, ist ein Psychopath klassischer Ausprägung, der uns in die Abgründe seiner gestörten Seele mitnimmt. Er lebt in einer schicken, wenn auch vollkommen leeren, unpersönlichen Wohnung, dazu gibt es Aufnahmen aus dem äußerlich perfekten Tokio. Dem gegenüber steht Jakarta: unordentlich, heruntergekommen, ein offen sichtbarer Morast aus Gewalt und Korruption. Doch hier gibt es keine versteckten Verliese, hässliche Folterkammern hinter der Fassade. Und das gilt dann auch für Indonesiens Protagonisten. Bayu ist alles andere als verrückt, sein Kampf gegen den moralisch verkommenen Politiker Dharma ist nachvollziehbar. Ja, man ist meist sogar geneigt, den Nachwuchskiller anzufeuern, um so den verkappten Verbrecher der Gerechtigkeit zuzuführen, welcher er sich ständig dank seines Geldes und Einflusses entzieht. Aber macht ihn das auch zum Helden? Das ist hier gar nicht so einfach zu beantworten, denn bewusst werden bei „Killers“ die starren Grenzen aufgehoben. Böse und gut – geschickt und irgendwo auch bösartig zeigt der Film, wie schnell aus einem gerechten Kampf ein ungerechter wird. Schade nur, dass insgesamt elf Minuten geschnitten werden mussten, damit „Killers“ hierzulande überhaupt erscheinen darf.

Wertung: 7 von 10


Regie: Kimo Stamboel, Timo Tjahjanto // Darsteller: Kazuki Kitamura, Oka Antara // VÖ: 6. November 2014


 

„Feuerwerk am helllichten Tag“
China, eine unscheinbare Kleinstadt im Norden: Immer wieder tauchen hier 1999 an den verschiedensten Stellen Körperteile auf. Doch wie kommen sie hierher? Und wer war für das grausige Verbrechen verantwortlich? Ein Polizeieinsatz endet im Desaster, denn dabei kommen nicht nur die Verdächtigen, sondern auch zwei Polizisten ums Leben. Fünf Jahre später arbeitet der suspendierte Zhang Zili (Fan Liao) als Wachtmann und ist längst dem Alkohol verfallen. Doch dann geschehen plötzlich neue Morde, die an den alten Fall erinnern. Mithilfe von alten Kollegen nimmt Zhang Zili die Ermittlung wieder auf – und die führt ihn zu der geheimnisvollen Wu Zhizhen (Lun-mei Gwei), die in einer kleinen Reinigung arbeitet.

Nach dem blutigen Auftakt passiert erst einmal eine ganze Weile lang nichts. Und auch wenn später sich noch weitere Tote zum anfänglichen Sortiment dazugesellen, ausgedehnte Actionszenen sollte hier besser niemand erwarten. Gleiches gilt für den Krimianteil, der oft genug den eigentlichen Fall aus den Augen verliert. Wird die Handlung vorangetrieben, dann geschieht das fast beiläufig. Während der Inhalt so nicht alle zufriedenstellen wird, ist die Verpackung über alle Zweifel erhaben. In bester Film-Noir-Tradition interessiert sich Regisseur und Drehbuchautor Yinan Diao vor allem für die dunkleren Aspekte des Lebens. Und das fängt beim Protagonisten an: versoffen, übergewichtig, ohne große soziale Kontakte. Viele Szenen spielen zudem in finsteren Räumen oder bei Nacht, die Winteraufnahmen sorgen für eine bedrückende, unheilvolle Atmosphäre. Und selbst wenn wir etwas Helles sehen dürfen, den Schnee etwa, oder die seltenen Tageslichtaufnahmen, entkommt der Krimi nicht seiner Trostlosigkeit, dem Gefühl, von der großen Welt irgendwo, irgendwann vergessen worden zu sein. Die Sieger des wirtschaftlichen Aufschwungs? Hier sind sie nicht zu finden. Und je weiter wir in dem Fall kommen, umso stärker treten auch die persönlichen Geschichten hervor, die Suche nach dem Mörder wird zu einem höchst menschlichen Drama, in dem es keine Gewinner gibt. Nur Verlierer.

Wertung: 7 von 10


Regie: Yinan Diao // Darsteller: Fan Liao, Lun-mei Gwei, Jing-Chun Wang // VÖ: 7. November 2014