Auf DVD: Cop Car

Travis (James Freedson-Jackson) und Harrison (Hays Wellford) können ihren Augen kaum glauben: Da steht doch tatsächlich ein Polizeiauto völlig unbeaufsichtigt in der Gegend rum. Und es kommt noch besser, denn der Fahrer hat auch den Schlüssel zurückgelassen! Das lassen sich die beiden Jungs nicht zweimal sagen und brettern durch die Landschaft. Für den auf diese Weise bestohlenen Sheriff Kretzer (Kevin Bacon) ist der kleine Diebstahl jedoch sehr viel weniger unterhaltsam, schließlich ist da etwas in seinem Kofferraum, das er unbedingt zurück möchte – koste es, was es wolle.

Eine Ehre, die verpflichtet: Wer den Abschlussfilm beim Fantasy Filmfest stellen möchte, der sollte einen echten Crowdpleaser abliefern. Und das geht oft über den Weg des Humors. Nachdem 2013 „You’re Next“ das Home-Invasion-Genre auf den Kopf stellte und 2014 mit dem etwas anderen Zombiefilm „Life after Beth“ endete, diente dieses Jahr „Cop Car“ als Rausschmeißer. Und auch hier wird ein im Grunde dreckiger Highway-Thriller durch eine ganze Reihe komischer Momente für ein größeres Publikum aufbereitet.

Und diese Komik dreht sich in erster Linie um die beiden Jungs, die hier einmal einen so richtig auf dicke Hose machen dürfen und die Erwachsenen dabei an der Nase herumführen. Das ist in Filmen kein selten angewendeter Kniff, meist aber findet man ihn bei Werken, die dann auch das jüngere Publikum zur Zielgruppe haben – schließlich dürfen die sich dann mit den Helden identifizieren. Teilweise trifft das auch auf „Cop Car“ zu, der an manchen Stellen wie ein gut gelaunter Abenteuerfilm daherkommt. Welches Kind fände es schließlich nicht cool, mit einem Polizeiauto die Gegend unsicher zu machen, mit Blaulicht, Funksprechanlage und sonstiger cooler Ausrüstung? Und wie sie da versuchen, bei ihrer Spritzfahrt alles aus dem Wagen rauszuholen, obwohl sie kaum übers Lenkrad schauen können, das ist ein wirklich netter Spaß.

Aber „Cop Car“ kann eben auch anders und sehr viel weniger nett: Immer wieder färbt sich der Humor plötzlich pechschwarz, etwa wenn die Kinder auf eine politisch höchst inkorrekte Art und Weise Erwachsene zu spielen versuchen und dabei so ganz nebenbei die Waffenverrücktheit der US-Amerikaner aufs Korn nehmen. Unterhaltsam ist der Film dann auch, gerade auch dank eines glänzend aufgelegten Kevin Bacon als rücksichtsloser Sheriff, der trotz eines imposanten Waffenarsenals und großer Erfahrung sich an den beiden kleinen Widersachern die Zähne ausbeißt.

Sehr viel Gehalt hat der Film aber ansonsten nicht. Über die Kinder erfährt man kaum etwas, ebenso wenig über Kretzer. Durch gelegentliche Flashbacks wird zwar das anfängliche Mysterium aufgeklärt, wie der Wagen überhaupt dorthin kam. Das war es aber auch schon. Sonderlich viel Spannung sollte man ebenfalls nicht erwarten: Das Gefühl, dass unseren kleinen Protagonisten tatsächlich etwas passieren könnte, stellt sich nie so wirklich ein. Aber vielleicht muss es das auch nicht, „Cop Car“ will nicht mehr sein als eine von Chaos getragene Unterhaltung für zwischendurch, irgendwo im Grenzland zwischen Komödie und Thriller angesiedelt. Und eine solche ist Regisseur und Ko-Autor Jon Watts dann auch gelungen – nicht mehr, nicht weniger.

Cop Car DVD Rezension curt München

Fazit: Gehaltvoll ist der verzweifelte Versuch eines Sheriffs, sein von Kindern gestohlenes Auto zurückzubekommen, sicher nicht. Dafür stimmt der Unterhaltungsfaktor bei „Cop Car“, was auf einen glänzend aufgelegten Kevin Bacon und gelegentlich schön schwarzen Humor zurückzuführen ist.

Wertung: 7 von 10


Regie: Jon Watts; Darsteller: Kevin Bacon, James Freedson-Jackson, Hays Wellford; VÖ: 15. Oktober 2015